Seltisberg
Keine Diva, sondern eine Dienerin der Musik

Die Pianistin Jungsook Lee-Oh organisiert «Klassik in Seltisberg», wo sie ihre Heimat gefunden hat. Inzwischen lebt die Pianistin schon über zehn Jahre im Dorf Seltisberg und ist nach wie vor begeistert vom Landleben.

Andrea Mašek
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«Hier werde ich alt werden», sagte Jungsook Lee-Oh, als sie ihr künftiges Haus in Seltisberg erblickte. Inzwischen lebt die Pianistin schon über zehn Jahre im Dorf und ist nach wie vor begeistert vom Landleben. Immer wieder betont sie während des Gesprächs, wie herzlich sie aufgenommen worden sei.

Die erste Zeit in der Schweiz war für die aus Korea stammende Musikerin aber schwer. Mit dem Solisten-Diplom in der Tasche und einem Baby kam sie mit ihrem Mann nach Basel. Kennen gelernt hatten sich die beiden in Karlsruhe, wo sie Musik studierte und er in Physik promovierte. Während ihr Mann an der Universität Basel arbeitete, stand sie vor einer ungewissen beruflichen Zukunft, und sie kannte niemanden.

Mit dem Umzug nach Seltisberg – die Familie suchte einfach ein Heim auf dem Land und landete ganz zufällig im Dorf – fand Jungsook Lee-Oh ein «märchenhaftes Zuhause», ihre Ruhe und neue Motivation. Sie erforschte die verschiedenen Musikkulturen des Ostens und des Westens, und sie setzte ihre Konzerttätigkeit fort, in der Schweiz, in Deutschland und in Korea. «In Konzerten erlebe ich jene Momente, in denen das Publikum und ich ganz oben schweben – das liebe ich», sagt sie verklärt.

Das Klavier sei ein Teil von ihr, erklärt sie. «Durch das Klavier kommuniziere ich meine Gefühle, die Freude, die Traurigkeit.» Eine ihrer Lehrerinnen hätte ihr beigebracht, nicht eine Diva, sondern eine Dienerin der Musik zu sein und das hat sich Jungsook Lee-Oh, die auch als Musikpädagogin arbeitet, verinnerlicht. Dass ihr feines Spiel den Menschen und den Kritikern gut gefällt, obwohl es so viele gute Musikerinnen und Musiker gibt, erstaunt die zierliche Pianistin nach wie vor. Eines der schönsten Komplimente, das man ihr gemacht hat, lautete: «Durch Sie habe ich die Musik wirklich gehört.»

Musikalische Eltern

Zum Klavier kam sie, weil schon ihr Vater Piano spielte und ihre Eltern wollten, dass sie musiziert. «Ich bin dabei geblieben, weil ich gute Lehrer hatte und ehrgeizig war», sagt sie bescheiden. Ihre Lieblingskomponisten variieren ständig. Momentan ist es Mahler, die «tiefen Gefühle» beeindrucken Jungsook Lee-Oh. Ihr Konzertrepertoire beinhaltet viel Chopin und Beethoven, aber auch zeitgenössische Musik. Mit der Kammermusik hat die Pianistin ihre «grosse Liebe» gefunden. «Klavierspielen ist einsam, man übt sehr viel, aber immer allein. Dank der Kammermusik kann ich mit Musikern zusammenarbeiten und mich mit ihnen austauschen.»

Alleine ist Jungsook Lee-Oh aber nie. Dafür ist sie zu sehr ein Familienmensch. «Ich bin in erster Linie begeisterte Mutter», meint sie sogar lachend. «Und ich glaube, ich habe einen guten Job gemacht.» Ihre zwei Söhne sind 25 und 21, beide studieren, aber nicht Musik. An den Wochenenden kommen sie stets nach Hause, wo sie von der Mutter mit koreanischen Köstlichkeiten verwöhnt werden.

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