Fall Dojo
Kickboxer-Prozess: Angeklagte stehen bereits wegen Fussball-Ausschreitungen vor Gericht

Sie werden zwar im Fall Paulo Balicha gegen Shemsi Beqiri befragt, stehen aber bereits anderweitig vor Gericht. Zwei Angeklagte im Fall Dojo müssen sich wegen Fussball-Ausschreitungen verantworten.

Patrick Rudin
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Der Basler Kampfsportler Paulo Balicha steht vor dem Baselbieter Gericht.
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Er soll zusammen mit einem maskierten und bewaffneten Schlägertrupp das Trainingscenter seines Rivalen Shemsi Beqiri überfallen haben,
Heute soll Paulo Balicha vor Gericht aussagen.
Shemsi Beqiri ist auch vor Ort.
Mit seinem Anwalt Jascha Schneider.
Beqiri fordert als Privatkläger eine Entschädigung von 50'000 Franken.
Schneider fordert, dass das Verfahren politische Konsequenzen hat. Er spricht bereits von einem neuen Baselbieter Justizskandal.
Dojo-Prozess: Shemsi Beqiri vs. Paulo Balicha am Baselbieter Strafgericht (Prozesstag 5)
Der Prozess bringt das Strafjustizzentum an seine Grenzen.
Der Gerichtssaal ist kaum gross genug für alle 17 Angeklagten plus ihre Rechtsvertreter plus die insgesamt 20 Privatkläger plus deren Rechtsvertreter plus das Grossaufgebot an Polizisten.
Kamera hat gefilmt: Der Kampf zwischen Shemsi Beqiri (l.) und Paulo Balicha (r.) unter den Augen der maskierten Schlägern.
Das Video vom Kampf zwischen Balicha und Beqiri ist das wichtigste Beweismittel der Baselbieter Staatsanwaltschaft im Fall Dojo.
Der Kampf zwischen Balicha (links) und Beqiri hatte nichts mit Sport zu tun.
Beobachtet vom Überfallkommando, wehrt sich Thaiboxer Shemsi Beqiri (oben) gegen Paulo Balicha.

Der Basler Kampfsportler Paulo Balicha steht vor dem Baselbieter Gericht.

Nicole Nars-Zimmer

Die Untersuchungen zur Reinacher Kampfsport-Geschichte dauerten lange. Das lag an den vielen Verdächtigen, aber auch etwa daran, dass ein Rechtshilfeersuchen aus den USA zu bestimmten Facebook-Postings fast zwei Jahre lang nicht beantwortet wurde und die Staatsanwaltschaft abwartete.

Beigetragen haben auch weitere Delikte von Verdächtigen: Dazu gehören Ausschreitungen nach dem Fussballspiel FC Basel gegen FC-Zürich im Joggeli vom April 2016. Damals attackierten mehrere Personen auf der Plattform vor dem Stadion die Polizei und warfen brennende Fackeln, Vauban-Zäune und Glasflaschen. Acht Polizisten wurden verletzt.

Angeklagt ist nun ein 24-Jähriger. Er ist der Erste, der deswegen vor Gericht steht. Verfahren gegen weitere Verdächtige sind noch hängig. Die Beweise dafür sind unklar, Verteidiger Andreas Noll liess im Gerichtssaal am Freitag mehrere Minuten an Videosequenzen vorführen, die belegen sollten, dass kaum jemand identifizierbar sei, schon gar nicht sein Mandant.

Teleskopschlagstock entdeckt

Tatsächlich trugen die Chaoten zum grossen Teil Jeans und eine graue Kapuzenjacke mit rot-blauen Stellen an der Schulter. Eine solche Jacke besass auch der 24-Jährige. Laut Verteidiger Noll kein Argument; die Jacke sei eine Massenanfertigung.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Landfriedensbruch vor. Der 24-Jährige verweigerte jegliche Aussagen, auch zum Kampfsport-Fall wollte er nichts sagen. Ein Dritter hatte ihn als denjenigen bezeichnet, der den Überfall im Februar 2014 gefilmt hatte. Bei einer Hausdurchsuchung entdeckte man bei ihm auch einen Teleskopschlagstock. Der soll im Schrank einer Wohngemeinschaft gestanden und nicht ihm gehört haben, sagte der Mann damals. Im Frühling 2014 sass er sechs Wochen in Untersuchungshaft, dabei verlor er seinen Job. Wie seine Situation heute aussieht, wollte er nicht sagen.

Ebenfalls wegen Ausschreitungen bei Fussballspielen steht ein weiterer, 30-jähriger Mann vor Gericht. Die Geschichte datiert vom April 2012, als er bei Randalen rund um ein Fussballspiel in Winterthur dabei war. Gewalttätigkeiten gegen Polizisten bestritt er, er sei bloss dort gewesen.

Sein Leumund ist nicht ganz ungetrübt: 2008 und 2012 wurde er bereits wegen Hausfriedensbruchs verurteilt, einmal wegen Nichteinhaltens eines Stadionverbots und einmal wegen Betreten des Spielfeldes.

Am Freitag beteuerte er, er besuche seit Jahren keine Fussballspiele mehr. Zum Hauptanklagepunkt des Überfalles auf das Kampfsportzentrum hatte der 30-Jährige betont, er sei gar nicht beteiligt gewesen. Für jenen Abend im Februar 2014 wies er ein Alibi vor, er trainierte allerdings in Reinach bloss knapp einen Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt. Belastet wurde er hingegen von anderen Mittätern, wegen formellen Fehlern wurden diese Aussagen aber teilweise aus den Akten entfernt. Der Mann ist inzwischen verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Montageleiter. Am Montag finden weitere Befragungen zu Nebenpunkten statt, ab Dienstag starten im Strafprozess dann die Plädoyers von Staatsanwalt, Privatkläger und Verteidigung. Das Urteil wird erst im September gefällt.