Spitalfinanzierung
Kinderspital mit Kinderkrankheiten wegen Fallkostenpauschalen

Drei Monate nach dem Umzug des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) strahlt Spitaldirektor Conrad Müller an der ersten Jahresmedienkonferenz in der neuen Aula wie ein Marienkäfer. «Es ist super, hier zu arbeiten», sagt er vor den Medien.

Esther Jundt
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Das neue UKBB wird umgebaut,

Das neue UKBB wird umgebaut,

Nicole Nars-Zimmer

Erst auf Nachfragen gibt er zu: «Auch ein neues Kinderspital leidet unter Kinderkrankheiten».

Obwohl im letzten Jahr 66 Projekte zur Vorbereitung des Umzugs und zur Schulung über die Abläufe am neuen Standort durchgeführt wurden, gab es etliche Probleme. Mit der modernen Technik hatten die Mitarbeitenden am meisten zu kämpfen. Die Archivierung erfolgt nicht wie geplant. Noch immer gehe es sehr lange, bis Krankengeschichten gefunden sind, sagte Müller. Auch bei der Anmeldung gebe es zuweilen Schwierigkeiten.

Technische Probleme wurden täglich bemerkt: elektronisch gesicherte Türen wollten sich nicht öffnen, die Lüftung lief nicht zur allgemeinen Zufriedenheit und, und, und. Es dauerte auch mehr Zeit, bis die digitalisierten Röntgen- und Laborsysteme beherrscht wurden.

Hinzu kam, dass das Spital voll belegt war und sich die Patientenzahl in der Notfallstation verdoppelt hat. Dies bedeutete Stress pur für alle Mitarbeitenden. In den ersten Wochen habe es viel Hektik gegeben, sagte Müller. Diese habe sich inzwischen gelegt. Er bezeichnete die ersten zwei Monate im neuen Haus als grosse eine Herausforderung. Bei Müller liegt heute noch eine lange Mängelliste, die es abzuarbeiten gilt.

DRG für Kinder ungeeignet

Abgesehen davon beschäftigen Müller weitere Sorgen. Im nächsten Jahr wird nämlich das neue Tarifsystem mit den Fallkostenpauschalen (Swiss-DRG) eingeführt. Müller und sein Finanzchef Lukas Erb wiesen darauf hin, dass dieses System für die akute Erwachsenenmedizin entwickelt worden ist. Die Kindermedizin habe jedoch ganz andere Bedürfnisse (die bz berichtete).

Ärztliche Behandlungen und die Pflege seien zeitintensiver als bei den Erwachsenen, was zu 30 Prozent höheren Personalkosten führe. Zudem seien Kinder in der Regel nur wenige Tage im Spital, womit die in den Fallkostenpauschalen geforderte minimale Aufenthaltsdauer noch unterschritten werde.

Rund ein Drittel der Kinder verlasse das UKBB nach 48 Stunden. Diese Aufenthaltsdauer gebe es im Schema von Swiss-DRG nicht; wenn Patienten weniger lang im Spital liegen als vorgesehen, werden die Institutionen mit einer Reduktion der Pauschale bestraft. Auch sei noch unbekannt, wie die Übernachtung von Eltern im Kinderspital abgegolten wird.

Müller betonte, dass das UKBB als selbstständiges Spital weitergeführt werden soll. Eine Integration ins Universitätsspital Basel sei nicht möglich, weil der Kanton Baselland das UKBB mitfinanziere. Deshalb müssen bei der Einführung der Fallkostenpauschalen die Bedürfnisse der Kindermedizin berücksichtigt werden. Nun sollen Verhandlungen geführt werden.