Basel
Kinderspitäler befürchten Einbussen

Die Einführung der neuen Spitalfinanzierung mit Fallpauschalen bereitet vor allem den eigenständigen Kinderspitälern grosse Sorgen.Das neue Modell könnte Ertragsausfälle bringen und die Selbstständigkeit kosten.

Esther Jundt
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Diese scheinen berechtigt: In Deutschland mussten seit Beginn des neuen Abrechnungssystems die meisten Kinderkliniken ihre Selbstständigkeit aufgeben. Sie wurden in die Erwachsenenspitäler integriert. Diese grossen Spitäler können nun mit den Überschüssen aus der Erwachsenenmedizin die Defizite der Kindermedizin querfinanzieren.

Conrad E. Müller, Direktor des Universitätskinderspitals beider Basel, nennt mehrere Gründe, weshalb die Kindermedizin teurer ist als jene für Erwachsene. Die Betreuung und Pflege der kleinen Patienten sei sehr zeit- und personalintensiv. Die Personalkosten in Kinderspitälern seien 20 bis 30 Prozent höher als in Erwachsenenspitälern. Der hohe Pflegeaufwand führte in Deutschland dazu, dass die tatsächlich erbrachten Leistungen mit den Fallpauschalen nicht abgegolten wurden. Die meisten Kinderkliniken verzeichneten deshalb bis zu 25 Prozent weniger Ertrag.

Ein weiterer Grund für die Ertragsrückgänge ist die kürzere Aufenthaltsdauer von Kindern in Spitälern. Die Fallkostenpauschalen sehen eine Mindestaufenthaltszeit pro Fall vor. Wird diese unterschritten, muss das Spital mit einem Abzug rechnen. Über ein Drittel der Kinder wird jedoch weniger lang im Spital betreut, als die Mindestaufenthaltsdauer verlangt. Komme hinzu, dass nicht alle Diagnosen ins System passen würden. Zudem seien 97 Prozent der in den Spitälern betreuten Kinder nur grundversichert. Erträge aus Halb- und Privatversicherungen können die Kinderspitäler kaum generieren.

Keine Fehler machen

Die drei eigenständigen Kinderspitäler in der Schweiz (Basel, St. Gallen, Zürich) fordern deshalb, dass bei der Einführung der Fallpauschalen nicht die gleichen Fehler gemacht werden wie in Deutschland. «Wir sind nicht gegen das Fallpauschalen-System», sagt Müller. Es könne aber nicht sein, dass wichtige Errungenschaften in der Kindermedizin künftig nicht mehr bezahlt werden, weil sie nicht ins System passen. Er erwähnt den Schulunterricht im Spital, kindergerechte Therapien und Pädagogik.

Für den Erhalt der Errungenschaften bei der ganzheitlichen Pflege und Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Spital setzt sich der Verein «Kind und Spital» ein. In seinem kürzlich veröffentlichten Forderungskatalog zur Einführung von Fallpauschalen verlangt der Verein einen Verzicht auf die minimale Aufenthaltsdauer in Kinderspitälern. Er verlangt zudem, dass die Kindermedizin nicht mit den gleichen Fallpauschalen finanziert wird wie die Erwachsenenmedizin.

Die Kinderkliniken und der Verein «Kind und Spital» verlangen im Weiteren die Einsetzung einer Begleitgruppe, welche die Einführung der Fallpauschalen in der Kindermedizin ab 2012 beobachtet. Es gehe darum, die Eigenständigkeit der Kinderspitäler zu bewahren, sagte Müller. Diese selbstständigen Spitäler kosteten nicht mehr als die integrierten Kinderkliniken in Bern, Genf, Lausanne, Luzern oder Aarau. «Wir können uns schneller anpassen an die Bedürfnisse der Kinder und Eltern», betonte Müller. «Wir sind kein Auslaufmodell.»

Der Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti befürwortet die Eigenständigkeit der Kinderspitäler. Er findet auch, dass der höhere Pflegeaufwand für Kinder bei der pauschalen Abgeltung berücksichtigt werden müsse. Die Preisverhandlungen würden allerdings die Krankenkassen führen – nicht der Kanton.