Strafgericht
Kirchgemeinderat veruntreut Geld - Kickbox-Weltmeister Beqiri in Fall verwickelt

Ein ehemaliger Kirchgemeinderat muss sich wegen Veruntreuung verantworten. In einen umstrittenen Grundstücksverkauf ist auch Kickbox-Weltmeister und «Carlos»-Trainer Shemsi Beqiri verwickelt.

Patrick Rudin
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Das Urteil im Messerstecher-Prozess ist gefällt (Symbolbild)

Das Urteil im Messerstecher-Prozess ist gefällt (Symbolbild)

Keystone

Die Versuchung des Mammon war offenbar zu gross: Der heute 42-jährige Mann war jahrelang Kirchgemeinderat und Kassier der römisch-katholischen Kirchgemeinde Duggingen, hatte Einzelzeichnungsberechtigung für das Bankkonto der Kirche sowie eine Postcard mit Code. Auch war er alleine für die Buchhaltung verantwortlich. Rund 300'000 Franken bezog er vom Oktober 2008 bis zum Juni 2010 von den Kirchenkonten, das meiste davon ging an einen zwielichtigen Kumpel, der die Beträge für seine Schulden verwendete oder es gleich beim Poker verspielte.

Besonders grosse Mühe zur Verschleierung hatte sich der Kassier nicht gegeben: Die Beträge wurden jeweils mit dem Text «Geldtransfer» ausgebucht, angeblich als Bareinzahlung in die Kasse der Kirchgemeinde. In den Jahresrechnungen tauchte dann beispielsweise im Jahr 2009 ein Barbestand von 296'000 Franken auf, tatsächlich aber waren in dem Kässeli nur ein paar hundert Franken.

Der Mann hatte im Jahr 2010 Selbstanzeige erstattet und war heute an der Verhandlung vor dem Strafgericht in Muttenz durchwegs geständig. Weshalb er dem Kumpel immer wieder Geld gab, blieb aber im Dunkeln, auch gab es keine Antwort auf die Frage, weshalb er einem anderen, rund 20 Jahre jüngeren Mann grosse Darlehen gegeben hatte. Auf die Frage von Gerichtspräsidentin Jacqueline Kiss, ob er sich Freundschaften quasi kaufen musste, antwortete er ausweichend. Er sei aber nicht homosexuell, betonte der Angeklagte.

Die juristische Beurteilung ist klar: Es handelt sich um Urkundenfälschungen sowie um einen sogenannt qualifizierten Fall von Veruntreuungen, der Mann war zudem ausgebildeter Jurist. Derzeit versucht er, auf den Lehrerberuf umzusatteln.

In der Geschichte taucht auch noch eine bekannte Grösse auf: Kickbox-Weltmeister Shemsi Beqiri kaufte im März 2009 dem Angeklagten für 135'000 Franken ein Grundstück ab, dies liessen beide zumindest auf der Bezirksschreiberei Laufen so öffentlich beurkunden. Der 42-Jährige sagt heute, Beqiri habe das Geld gar nicht bezahlt, es sei geplant gewesen, den Betrag beim Bau eines Hauses abzuarbeiten (Beqiri ist gelernter Gipser). Sollte das stimmen, wären beide wegen Erschleichung einer Falschbeurkundung zu bestrafen.

Beqiri bestritt diesen Vorwurf, auch konnte er ein Dokument vorweisen, wonach seine Familie just zuvor ein Grundstück im Kosovo für 110'000 Euro verkauft habe, mit diesem Geld habe er den Kauf im Laufental in bar finanziert. Zweifel an der Version des ehemaligen Kirchgemeinderates sind auch deshalb angebracht, weil er seine Schulden gegenüber der Kirchgemeinde noch immer abstottert - eine offene Forderung über 135'000 Franken käme ihm äusserst gelegen. Der Mann blieb aber auch auf Rückfragen des Gerichtes bei seiner Version. Auch waren zum Zeitpunkt des Hauskaufes beide Beteiligten finanziell nicht auf Rosen gebettet. Das Dreiergericht fällt sein Urteil am Montag.