Binningen
«Kita wurde an die Wand gefahren»: Ex-Mitarbeiter kritisieren Führung der Chaos-Kita

Die Probleme in der Chaos-Kita der Stiftung Kinderbetreuung seien weitreichender als bisher bekannt, sagen Insider.

Philipp Felber
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Juri Junkov

Ein Überangebot an Kita-Plätzen, der Wechsel von Objekt- auf Subjektfinanzierung: So begründete die Stiftung Kinderbetreuung, weshalb sie die von ihr betriebene Kita an eine Zürcher Firma abgibt.

Diese Gründe werden nun von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitenden angezweifelt. Sie kritisieren die Stiftung und die Geschäftsleitung. «Die Kita wurde schlicht an die Wand gefahren», sagt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Diesen Eindruck bestätigt auch eine ehemalige Angestellte, die ebenfalls anonym bleiben möchte.

Kita hat Ernährungslabel nicht

Ein Kritikpunkt: Mit viel Geld wurde das Ernährungs-Label «Fourchette verte» angestrebt. Die Umstellung auf das neue Ernährungskonzept hatte im März zu Kritik an der Kita geführt. «Da wurde viel Geld rausgeworfen, das man auch anders hätte nutzen können», sagt die Angestellte. Denn: Das Label wurde der Kita gar nie verliehen. Dies bestätigt Barbara Suter vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain, welches zuständig ist für die Zertifizierungen von «Fourchette verte» im Kanton Baselland.

Man habe sich zwar im Beratungsprozess befunden. Doch seit den ersten Presseartikeln, die das neue Regime thematisierten, wurde dieser Prozess sistiert. Trotzdem verlinkt die Kita auf ihrer Homepage noch heute auf die Homepage von «Fourchette verte».

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Die interne und externe Kommunikation scheint zudem zu einem Problem geworden zu sein, so der Eindruck der Informantinnen. Dies habe in Verbindung mit Stress wegen zu hoher Belastung zu vielen krankheitsbedingten Abwesenheiten geführt. Mit der neuen Leitung, welche 2015 übernahm, sei die Situation kurzfristig besser geworden. Doch nach kurzer Zeit sei es wieder vermehrt zu Absenzen gekommen.

Auch sonst habe man mit der Personalführung kein glückliches Händchen gehabt. So wurde im Januar fünf Mitarbeitenden gekündet, zudem verliessen nach Aussage der Informantinnen sieben Mitarbeitende von sich aus den Betrieb. Dies habe zu einem Personalunterbestand geführt, Anfang Mai etwa seien im Betrieb zehn Positionen nicht besetzt gewesen.

Eine Kündigung im Januar lässt zudem aufhorchen: Einer Lehrtochter im 1. Lehrjahr sei aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden. Zudem habe das Verhältnis zwischen ausgelernten und lernenden Mitarbeitenden nicht mehr gestimmt, berichtet die ehemalige Angestellte. Pikant: Die Lernende habe sich vor ihrer Entlassung kritisch zum neuen Ernährungskonzept geäussert, wie die beiden Insider übereinstimmend berichten.

Überangebot oder nicht?

Ein weiterer Kritikpunkt: In der Binninger Kita-Landschaft herrsche kein Überangebot an Betreuungsplätzen. «Ich kenne einige Kitas, denen es gut geht», sagt die ehemalige Angestellte. Bei der fit4school-Kita bestehe momentan sogar ein Platzmangel, wie Geschäftsleiter Lukas Alt sagt. Er bedauere, dass die Stiftung Kinderbetreuung nicht zuerst die Anbieter in Binningen kontaktiert habe.

«Wir sind seit Längerem auf der Suche nach zusätzlichen Räumlichkeiten. Wir wären zu Gesprächen bezüglich Kooperation oder Ähnlichem bereit gewesen.» Nur vereinzelte Plätze seien bei «fit4school» in Binningen momentan frei. Bei der zweisprachigen Kindertagesstätte Sonnenblume — Tournesol habe man momentan gar zehn Kinder auf der Warteliste. Und auch bei der Kita Schatzinsel bestehe eine Warteliste.