Basel-Stadt
Kleine chinesische Welt am Rheinknie

Unter dem Motto «Chinaworld Basel» will der Kanton die hier lebenden Chinesen kennen lernen und sie besser vernetzen. Zum Auftakt der Bemühungen lud er zum Mondfest ins Rathaus.

Hans-Martin Jermann
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Zeremoniell

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Das bunte Programm mit Ansprachen, einem reich gedeckten Buffet, Operngesängen, Tänzen und einer Tai-Chi-Performance dürfen die Verantwortlichen als Volltreffer verbuchen: 150 chinesische Migranten kamen – und staunten über die Gastfreundschaft der Behörden: «Ich hätte nie gedacht, dass das offizielle Basel ein Fest für uns organisiert», sagt Bo Qingyan, eine Expat, die seit einigen Monaten bei Novartis arbeitet. In anderen Städten, in denen sie bisher lebte, habe es so etwas nie gegeben.

Conti stellt Kulturzentrum in Aussicht

Nun: In Paris oder New York mag es nicht nötig erscheinen, dass der Staat Anstrengungen unternimmt, die Chinesen zusammenzuführen: Dort gibt es im Gegensatz zu Basel grosse Chinatowns, die eine Netzwerkfunktion übernehmen. Was nicht ist, kann ja noch werden: Regierungsvizepräsident Carlo Conti betonte bei seiner Ansprache im Grossratssaal, dass Basel die Schweizer Chinatown, die erste Adresse für die hier lebenden Chinesen werden wolle. Und er verblüffte mit der Ankündigung, dass man über den Bau eines chinesischen Kulturzentrums in Form eines Gartens, Teehauses oder Pavillons nachdenke.

Damit diese Vision Wirklichkeit werde, sei es nötig, dass der Kanton die Chinesen kennen lerne und sich diese untereinander austauschten. «Bisher war die chinesische Gemeinschaft fast unsichtbar», stellte Conti fest. Novartis-Mitarbeiterin Bo pflichtet bei: Sie habe in Basel bislang nur wenige Chinesen kennen gelernt.

Damit der Brückenschlag zwischen dem offiziellen Basel und den Chinesen gelingt, werden noch weitere Anlässe nötig sein. Eine wichtige Funktion haben Personen mit Kontakten oder Kontaktmöglichkeiten auf beide Seiten: etwa der chinesische Botschafter Ken Wu, der innert weniger Tage zweimal nach Basel reiste, obwohl er überhaupt erst seit wenigen Wochen in der Schweiz arbeitet.

Der weltbekannte Architekt Jacques Herzog, der mit seinem Partner Pierre de Meuron das Nationalstadion von Peking baute. Oder Jurriaan Cooiman, der für sein Culturescapes-Festival dieses Jahr chinesische Kultur nach Basel geholt hat. Sie betrieben im Rathaus eifrig «Networking».

Zur grossen Überraschung weilte gestern zudem der personifizierte Brückenbauer zwischen dem grossen Reich der Mitte und dem kleinen Land im Herzen Europas in Basel: Donghua Li, Schweizer Kunstturn-Olympiasieger mit chinesischen Wurzeln.