Liestal
«Kleine Filialen schliessen» - PKZ im Stedtli wird dichtgemacht

Nach 21 Jahren schliesst das Herrenmodegeschäft PKZ im Liestaler Stedtli. «Wir haben unsere Strategie Anfang Jahr überarbeitet. Wir wollen grosse Filialen stärken und kleine schliessen», so der Verwaltungsratspräsident Olivier Burger.

Andreas Hirsbrunner
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Und wieder wird die Liestaler Altstadt um einen langjährigen Player ärmer: PKZ (links im Bild) schliesst seine Filiale auf Ende Jahr.

Und wieder wird die Liestaler Altstadt um einen langjährigen Player ärmer: PKZ (links im Bild) schliesst seine Filiale auf Ende Jahr.

Andreas Hirsbrunner

Die PKZ-Führung mit Sitz im zürcherischen Urdorf ist über die Bücher gegangen mit Folgen vor allem für Liestal, aber auch für Basel: Per Ende Jahr schliesst die Modekette mit über 40 Läden in der ganzen Schweiz ihre einzige Baselbieter Filiale an der Liestaler Rathausstrasse. Als Grund nennt der Verwaltungsratspräsident der PKZ Burger-Kehl & Co., Olivier Burger: «Wir haben unsere Strategie Anfang Jahr überarbeitet. Wir wollen grosse Filialen stärken und kleine schliessen.» Jene in Liestal sei schweizweit eine der kleinsten und werde nun als erste, die unter dem Namen PKZ läuft, geschlossen.

An der Gerbergasse in Basel, aber auch in St. Gallen und Luzern liegt der Fall etwas anders: Hier werden jene Filialen, die sich auf die hauseigene Kleidermarke Paul Kehl konzentrierten, zugunsten der bestehenden PKZ-Geschäfte dichtgemacht. Für Basel heisst das: Das Geschäft an der Gerbergasse schliesst Mitte Jahr, jene an der Freien Strasse (Herrenmode) und Falknerstrasse (Damenmode) bleiben bestehen.

Doch zurück zu Liestal, wo die Schliessung schwerwiegender ist. Denn PKZ – die drei Buchstaben stehen für den Firmengründer Paul Kehl Zürich und nicht etwa für «Papa kann zahlen», wie es im Volksmund immer wieder heisst – ist im Kantonshauptort so etwas wie eine Institution mit langer Geschichte. So übernahm PKZ die frühere Esco-Filiale an gleicher Stelle an bester Lage im Stedtli vor 21 Jahren und laut Burger haben sich die Umsatzzahlen auch lange erfreulich entwickelt.

Manor-Umzug hat geschadet

Doch nun haben offenbar vor allem drei Faktoren zum überraschenden Ende geführt. Und der Gewichtigste, den Burger aufführt, lässt aufhorchen, stellt er doch ein Stück weit die Liestaler Power-Block-Strategie, Einkaufscenter ausserhalb der Altstadt an deren Rand anzusiedeln, infrage. Burger: «Seit Manor ihr Geschäft neben uns geschlossen und ein neues im Bücheli eröffnet hat, sind unsere Umsätze um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Am besten ist für uns, wenn Mitbewerber direkt neben uns stehen, denn das bringt zusätzliche Frequenz.» Ebenfalls umsatzdrückend wirke sich sowohl in Basel wie in Liestal das Online-Geschäft aus sowie der Einkauftourismus, der nach der Frankenaufwertung nochmals sprunghaft zugenommen habe, erklärt Burger. Und die Preisreduktion in den Läden nach dem Nationalbankentscheid im Januar habe die Umsätze weiter verkleinert.

Keine Rolle beim Schliessungsentscheid spielte für PKZ die bevorstehende Sanierung der Rathausstrasse in Liestal. Burger sagt dazu: «Das ist zwar mühsam, aber vorübergehend.» Für das Personal der Liestaler Filiale – zwei Festangestellte mit 180 Stellenprozenten und zwei Aushilfen – sucht PKZ nun nach internen Lösungen bei den beiden Basler Filialen.

Verlust für Marktplatz Liestal

Jubelt man nun einige Schritte stedtliaufwärts beim direktesten Konkurrenten von PKZ, der Bütler Men’s Fashion? Geschäftsführer Fabrice Bütler winkt ab: «Ich bedaure die PKZ-Schliessung sehr. Wir haben hier in Liestal einen Marktplatz. Je vielfältiger dessen Angebot ist, desto mehr Leute kommen hierher.» Sein Geschäft habe oft Kunden von der PKZ, die dort nicht das Passende gefunden hätten, und umgekehrt. Aus der Sichtweise des Konsumenten fehle nun ein wichtiger Anbieter und manch einer werde sich nun die Frage stellen, ob er noch nach Liestal oder direkt nach Basel zum Einkaufen gehen soll.

Bütler relativiert aber auch die Manor-Argumentation von Burger. In der Herrenmodebranche gehe es seit etwa sieben Jahren vor allem deshalb abwärts, weil die Fabrikanten auf allen Kanälen, insbesondere online, verkauften. Sie schreckten im Gegensatz zu früher auch nicht davor zurück, an mehreren Standorten in der gleichen Stadt ihre Marken zu verkaufen, was das Einkaufen insgesamt weniger attraktiv mache, weil überall das Gleiche zu haben sei. Und Bütler versäumt nicht, auf die eigenen Vorteile hinzuweisen: «Kleinere Fachgeschäfte sind weniger betroffen von der Negativentwicklung als grosse Häuser, wo Anonymität ohne emotionale Bindung zum Geschäft herrscht.»

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