Initiative
Komitee «Starke Schule» will mit Niveautrennung auf Nummer sicher gehen

Durch die neue harmoniserte Stundentafel ist es ab 2016 möglich, dass in Wahlpflichtfächern Schüler der drei Niveaus A, E und P zusammen unterrichtet werden. Das Komitee «Starke Schule» befürchtet, dass dadurch die Bildungsqualität sinkt.

Michael Nittnaus
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Landschreiberin Andrea Mäder (4.v.l.) nimmt die 2673 Unterschriften entgegen: (v.l.) Elisabeth Augstburger (EVP), Regina Werthmüller (Grüne), Marie-Therese Müller (BDP), Hans Furer (GLP), Saskia Olsson, David Golay, Sandra Sollberger (SVP), Michael Herrmann (FDP).

Landschreiberin Andrea Mäder (4.v.l.) nimmt die 2673 Unterschriften entgegen: (v.l.) Elisabeth Augstburger (EVP), Regina Werthmüller (Grüne), Marie-Therese Müller (BDP), Hans Furer (GLP), Saskia Olsson, David Golay, Sandra Sollberger (SVP), Michael Herrmann (FDP).

Michael Nittnaus

Manchmal genügt ein Wort, um einen Streit auszulösen. Bricht man die Initiative «Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern» des Komitees «Starke Schule Baselland» nämlich auf das Wesentliche herunter, so stösst sie sich letztlich an einer «Kann»-Formulierung.

In der neuen harmonisierten Stundentafel der Sekundarstufe, die in beiden Basel ab 2016 in Kraft treten soll, steht: «Im Wahlpflichtbereich oder in Fächern wie Sport können bei gleicher Stundendotation und gleichen Anforderungen Kurse teilweise oder ganz Leistungszug-übergreifend geführt werden.»

Angst vor «Bildungsabbau»

Die Initianten interpretieren dies wie folgt: «Die Baselbieter Bildungsdirektion will bei den Wahlpflichtfächern die Trennung nach den Niveaus A, E und P auflösen», warnte «Starke Schule»-Geschäftsführerin Saskia Olsson bei der gestrigen Übergabe der 2673 gesammelten Unterschriften an die Landeskanzlei.

Lehrer müssten dann in den sieben Wahlpflichtfächern MINT (Mathematik-Informatik-Natur-Technik), Italienisch, Latein, Musik, Bildnerisches, Textiles sowie Technisches Gestalten Sekundarschüler verschiedener Niveaus gleichzeitig unterrichten. Heute sei dies nur bei Freifächern erlaubt.

Das Komitee befürchtet, dass dadurch die Bildungsqualität sinkt. Der gemeinsame Unterricht würde entweder die Schüler der höheren Niveaus unter- oder die der tieferen überfordern. «Und das alles nur, um zu sparen, indem man die Klassen auffüllt. Das wollen wir nicht», wird auch Vorstandsmitglied David Golay deutlich.

Wüthrich will Niveaus beibehalten

Komplett anders deutet Bildungsdirektor Urs Wüthrich die neue Regelung in der Stundentafel: «Die Initianten unterstellen uns die Absicht, die Niveaus auflösen zu wollen. Davon kann jedoch keine Rede sein.» Die «Kann»-Formulierung ermögliche es bloss, in Einzelfällen flexibel entscheiden zu können. Wüthrich denkt dabei etwa an besonders begabte Niveau-A-Schüler, für die der Besuch eines bestimmten Wahlpflichtfaches im Niveau E oder P durchaus Sinn machen könne.

Der Grundauftrag und damit die Regel bleibe aber, «leistungsgerecht» zu unterrichten. Auch eine Sparvorlage sei es nicht. «Es gibt keinen Auftrag, weniger Wahlpflichtkurse anzubieten und diese dafür stärker aufzufüllen», so Wüthrich. Damit ein Wahlpflichtkurs durchgeführt wird, brauche es lediglich zehn Schüler. Das ändere sich auch mit Harmos 2016 nicht.

Erfolg dank Schwarzmalerei?

Speziell: Auch die Initianten betonen, dass trotz ihrer Initiative ein guter Niveau-A-Schüler ein Fach in einem höheren Leistungszug besuchen kann. Dies, weil die unformulierte Initiative nach der Annahme sowieso noch präzisiert werden müsse. Das bedeutet, dass Wüthrich und die Initianten letztlich dasselbe wollen. Letzteren scheinen aber den Aussagen des Regierungsrates nicht zu vertrauen.

Sie wollen auf Nummer sicher gehen, wie Golay bestätigt: «Wir wollen nicht mit Hypothesen oder Eventualitäten arbeiten. Nur die Initiative gibt wirklich Sicherheit, dass die Niveaus nicht plötzlich doch aufgelöst werden.»

Und die Chancen, dass das Stimmvolk dem Komitee «Starke Schule» folgen wird, stehen gut. Die 2673 Unterschriften kamen in nur zwei Monaten zusammen. Die Forderung wird von Exponenten fast aller Parteien unterstützt. Nur die SP hält zu ihrem Regierungsrat.

«Die Partei träumt eben noch immer von der Einheitsschule», lästert Golay. Wüthrich ist derweil überzeugt, dass das Komitee bloss so grossen Rückhalt geniesst, weil es mit der generellen Aufhebung der drei Niveaus «ein Gespenst an die Wand gemalt hat».