Kommentar
Flüchtige Gewissheiten

Im Zweifel für die Angeklagten, lautete das Urteil am Donnerstag am Baselbieter Strafgericht. Trotz umfangreicher Abklärungen konnte nicht nachgewiesen werden, ob es tatsächlich ein Mordversuch im Laufner Altersheim gab. Die Wahrheit kennen nur die Beteiligten.

Hans-Martin Jermann
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Tatort Altersheim Rosengarten?

Tatort Altersheim Rosengarten?

Juri Junkov

Der Fall schien klar, glasklar. Die Einschätzungen der Beobachter deuteten vor Prozessbeginn in eine Richtung: Die 32-jährige ehemalige Pflegerin des Altersheims Laufen wollte die 80-jährige Seniorin mittels präparierter Brötli, Erdbeertörtchen sowie Tee vergiften. Die Umstände deuteten darauf hin, das betonte gestern auch das Gericht. Indizien gab es zuhauf. Einige Aussagen der Beschuldigten und ihrer auf der Anklagebank sitzenden Arbeitskollegin wirkten als reine Schutzbehauptungen wenn nicht gar gelogen.

Doch eindeutige Nachweise für versuchten Mord? Fehlanzeige. Im Verlaufe des Indizienprozesses zerbröselte nach und nach die vermeintliche Sicherheit. Der Freispruch – nach dem Studium der Anklageschrift noch ein eher seltsames, ja unrealistisches Szenario – erscheint nun nach dem Prozess als das einzig Logische. Selbst solide Gewissheiten sind manchmal erstaunlich flüchtig. Ein Gerichtsprozess führt dies in geraffter Form vor Augen. Es tut gut und ist wichtig, sich dies immer wieder mal vor Augen zu führen.

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