Ausbildungsprojekt
Kreditkarte als eine Investition in die Jugend

Die Basellandschaftliche Kantonalbank BLKB lanciert die Kreditkarte «Jobs for Juniors» zugunsten der Lehrlings-Förderung. Die BLKB hofft, künftig jedes Jahr eine grosse Summe an den Lehrbetriebsverbund Baselland und die Job Factory zu überweisen.

Daniel Haller
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Die neue, frühlingsgrüne Kreditkarte «Jobs for Juniors» der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) soll helfen, ein Problem zu beheben: Junge Menschen passen nicht mehr zur Wirtschaft – oder umgekehrt.

Zu diesem Schluss kommt man nach der Lektüre der Gewerbestudie Baselland (siehe bz vom Freitag) der Baselbieter Wirtschaftskammer. Detailliert fasst der Autor die Aussagen von 620Betrieben zur Lehrstellensituation zusammen: dass qualifizierte Schüler keine Lehre mehr machen wollen. Und jene, die eine Lehre machen wollen, sind dem Gewerbe zu wenig qualifiziert oder zu wenig motiviert.

So steht schliesslich einer händeringend nach Fachkräften schreienden Wirtschaft eine stattliche Zahl von Sozialhilfeempfängern gegenüber, die wirtschaftlich keine Chance haben.

Halber Kino-Eintritt

In diesen Graben will die BLKB investieren: Sie lanciert mit «Jobs for Juniors» eine Kreditkarte, aus deren Umsatz sie ein Viertelprozent an zwei Projekte überweist. Ebenso werden die Kunden, die sich für diese Mastercard entscheiden, jährlich 10Franken beisteuern. «Ein halber Kino-Eintritt», betonte Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung, an der gestrigen Medienkonferenz.

Damit hofft die BLKB, künftig jedes Jahr «eine hübsche sechsstellige Summe» an den KMU-Lehrbetriebsverbund Baselland und die Job Factory Basel überweisen zu können. «In einer Gesellschaft mit einem zunehmenden Anteil an Alten ist es wichtig, in Ausbildungs- und Arbeitsplätze von Jungen zu investieren», erklärte Oberlin.

Sprungbrett für richtige Jobs

Die Job Factory, mit Hauptsitz im Basler Dreispitz und Werkstätten unter anderem in Münchenstein, bietet Jugendlichen, die keine Lehrstelle haben, Arbeitserfahrung, Coaching und Bewerbungstraining. «In ganz Europa beobachtet man, dass der Markt und das Sozialsystem auseinanderklaffen», erklärt Robert Roth, Verwaltungsratspräsident der Job Factory Basel AG. «Wir versuchen, die Jugendlichen marktfähig zu machen und so als Sprungbrett in ein Arbeitsverhältnis zu dienen.»

Die Jugendlichen absolvieren ein fünfmonatiges Praktikum und erhalten Einblick in verschiedene Berufsfelder. «Jugendliche haben heute kaum Möglichkeiten, durch Ferienjobs verschiedene Berufe und die Arbeitswelt kennenzulernen», erläutert Roth. «Entsprechend sind ihre Vorstellungen oft vage und abstrakt.» Fehle es zudem an sozialen Kompetenzen oder Pünktlichkeit, gehe ein Betrieb nur ungern das Risiko ein, einen Lehrling einzustellen, da ein Lehrabbruch mit hohen Kosten verbunden ist. «Doch Jugendliche sind fähig, Fitness für den Arbeitsmarkt zu entwickeln.»

Coaching und Stützunterricht

Dies erlebt auch Urs Berger, Leiter des KMU Lehrbetriebsverbunds Baselland: Dieser bündelt Kleinbetriebe, die wegen ihrer hohen Spezialisierung alleine keine Lehrstelle anbieten könnten. Weiter nimmt er den Lehrbetrieben administrative Arbeiten ab. Auch hier spielt die Betreuung der Jugendlichen eine grosse Rolle: regelmässige Elterngespräche, Benotung der Sozialkompetenz, Coaching und Stützunterricht. «Ich habe von den Jugendlichen viel Positives gelernt und teile die häufig über sie verbreiteten negativen Meinungen nicht», berichtete Berger.

Die Job Factory wurde bereits bisher von der BLKB unterstützt. Beim Lehrverbund bezuschusste die Wirtschaftskammer die Kosten für den Stützunterricht. Beide Projekte sollen mit Mitteln aus der neuen Kreditkarte intensiviert werden.