Krimi
Krimi-Autor: "Kriminalität ist zu einem Normalzustand geworden"

Das vierte Opcop-Abenteuer des schwedischen Autors entführt in Sachen Bio-Kriminalität nach China – heute Abend liest der erfolgreichste schwedische Krimi-Autor in Liestal.

Matthias Zehnder
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Arne Dahl, schwedischer Krimi-Autor

Arne Dahl, schwedischer Krimi-Autor

Sara Arnald

«Kriminalität ist zu einem Normalzustand geworden, zu tricksen und zu betrügen ist inzwischen so normal wie das Atmen. Das hat nicht mit Stärke zu tun. Das Geld ist ernsthaft dabei, die Moral und das selbstständige Denken zu ersetzen. Eine üble, unausgegorene Feigheit breitet sich in ganz Europa aus. Alles wird immer oberflächlicher.» Die Diagnose, die Arne Dahl in «Gier», dem ersten Buch seiner Opcop-Reihe, der jungen, schwedischen Ermittlerin Sara Svenhagen in den Mund legt, skizziert die Ausgangslage für die Romanreihe: Die Welt ist unterwandert von mächtigen Kriminellen, die untereinander hervorragend vernetzt sind.

Die Opcop-Gruppe, ein geheimes operatives Team von Europol, ist den Kriminellen auf der Spur und ermittelt gegen die kalabrische ’Ndrangheta, die chinesischen Triaden, amerikanische Wirtschaftskriminelle und europäische Biofirmen. «Gier», «Zorn», «Neid» und «Hass» heissen die vier Romane, deren Hauptfigur Paul Hjelm ist, der operative Chef der Opcop-Gruppe. Mit ihm arbeiten eine Deutsche, eine Französin, ein Pole, eine englische Ex-Spionin, eine Italienerin, ein griechischer Antikorruptionsspezialist, ein Spanier, ein Rumäne und ein Schwede an den weltumspannenden Fällen.

Das Personal ist so breit angelegt und dermassen über Europa verstreut, dass man schon bei der Ermittlergruppe rasch den Überblick verliert. Weil es gleichzeitig in Schweden, Holland, China, den USA, Italien und weiteren Ländern zur Sache geht und die Ermittler mal hierhin fliegen und mal da im Cyberspace ermitteln, muss man schon gehörig bei der Sache sein. Der spannende Plot hilft, dabei zu bleiben. Im neusten Buch geht es um nichts Geringeres als die Manipulation der menschlichen DNA. Schnell verstrickt man sich in die Geschichte und kann 550 Seiten lang nicht mehr aufhören. Ein Wermutstropfen dabei: Arne Dahls Sprache ist oft hölzern und sperrig.

Arbeit für den Nobelpreis

Arne Dahl heisst im richtigen Leben Jan Arnald, Er stammt aus Schweden und arbeitet als Literaturwissenschaftler für die Schwedische Akademie, die jedes Jahr den Nobelpreis vergibt. Bekannt geworden ist er mit einer auf zehn Romane angelegten Krimi-Reihe rund um das A-Team der Stockholmer Kriminalpolizei. Der erste Roman hiess «Böses Blut» rund um den ungewöhnlich grausamen Mord an einem schwedischen Literaturkritiker auf einem New Yorker Flughafen. Die Hauptfiguren der Reihe sind Paul Hjelm und Kerstin Holm. Beide Figuren tauchen in der Opcop-Reihe rund um Europol wieder auf. Die neuen Bücher sind also eine indirekte Fortsetzung.

Angetrieben zum europäischen Mega-Plot über die vier Todsünden-Romane habe ihn die Wirtschafts- und Finanzkrise. Sie habe in Europa Grundlegendes verändert. Habgier und Geldsucht hätten seither freie Bahn. Das Resultat sei eine grenzenlose Kriminalität. Für Arne Dahl hat der Stoff zu grenzenlosem Erfolg geführt: Er gilt als derzeit erfolgreichster schwedischer Krimi-Autor.

Mittwochabend, 19.30 Uhr: Lesung von Arne Dahl in der Kantonsbibliothek Baselland in Liestal. Eintritt 15 Franken (10 Franken mit Bider&Tanner-Kundenkarte).

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