Kritik an Behörden
Verheerende Folgen für Fischergalgenbesitzer: Nach dem Hochwasser gehen die Wogen hoch

Die starken Regenfälle der letzten Wochen haben für einzelne Fischergalgenbesitzer verheerende Folgen. Sie üben Kritik an den Behörden.

Simon Leser
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Aufgrund des Regens kam es zu einem Hangabbruch.

Aufgrund des Regens kam es zu einem Hangabbruch.

Polizei Basel-Stadt

Seit 20 Jahren ist der Fischergalgen an der Grenzacherstrasse für Daniel Trachsel ein Rückzugsort. Doch seine Erinnerungen hängen an einem seidenen Faden. Denn: Weil es am Freitagvormittag aufgrund des Regens zu einem Hangabbruch kam, droht der Galgen wegzuschwemmen. Ein Baum ist auf das Gebäude gestürzt, die Strömung des Rheins drückt.

«Es ist dramatisch», sagt Trachsel. Immer wieder legt er zwischen seinen Sätzen Pausen ein, um das für ihn undenkbare Ereignis in Worte zu fassen. «Das Brutalste ist, dass man nicht mehr reagieren kann», sagt er. Auf das wohl Unvermeidbare kann er nur noch warten.

«Es ist eine Frage der Zeit, bis der Galgen wegbricht»,

sagt Richard Stammherr, Präsident der Galgenfischer 1920.

Die Abflussmenge und der Wasserpegel des Rheins haben sich über das Wochenende zwar reduziert. Die Gefahrenstufe wurde von 4 am Freitag auf 2 am Sonntag gesenkt. Doch die Aufarbeitung der Geschehnisse haben erst begonnen, Schuldige werden gesucht. «Irgendwer hat irgendetwas verschlampt, das ist klar», sagt Stammherr.

Der Präsident bemängelt, dass die städtischen Behörden an der Stelle an der Grenzacherstrasse zu wenig unternommen haben, um einen solchen Hangabbruch zu vermeiden. Er hätte sich nach dem Hochwasser im Jahr 1999 mehr Studien gewünscht, die aufzeigen, wo das Wasser und die Strömung in solchen Extremfällen hingehen. Oder, dass die uralten Bäume ersetzt werden. «Bei kleinen Bächen werden Millionen ausgegeben, beim Rhein fast nichts», enerviert er sich. Trachsel pflichtet ihm bei:

«Immer wieder kamen mal Felsen runter. Dann gab es ein Absperrband, sonst nichts.»

Sensoren deuteten nicht auf einen Hangrutsch hin

Toprak Yerguz will die Kritik so nicht stehen lassen. Der Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements weist darauf hin, dass das Tiefbauamt Basel-Stadt nach dem Hochwasser von 1999 mehrere Massnahmen umgesetzt hat, um punktuell zur Stabilität beizutragen. So wurden Befestigungsanlagen saniert oder Sensoren in den Hängen installiert, um zu wissen, wann es Bewegungen gibt.

«Nichts hat darauf hingedeutet, dass es zu einem Hangabbruch kommen würde»,

sagt Yerguz. Nach dem aktuellen Einsatz werde geschaut, ob und welche Zusatzmassnahmen umgesetzt werden können. «Es handelt sich hier aber um ein Naturschutzgebiet. Da kann man nicht einfach frei Sachen errichten.»

Zukünftige Massnahmen stehen aber noch nicht im Vordergrund, da sind ich alle Beteiligen einig. «Es gilt jetzt zu retten, was noch zu retten ist», sagt Yerguz. Der Fischergalgen von Daniel Trachsel wird aller Voraussicht nach nicht gerettet werden. Es wäre der dritte Fischergalgen, der in Folge der Wetterkapriolen der letzten Tage weggeschwemmt würde.