«Gässli»
Kritik an Grossprojekt: «Es gibt zu viele Wohnungen in Zunzgen»

Die Gemeindeversammlung hat im Oktober vergangenen Jahres einen Projektierungskredit von 280'000 Franken für eine geplante Wohnungsüberbauung gesprochen. Nun legt die Gemeinde das fertige Projekt mit dem Namen «Gässli» vor – doch der Widerstand wächst.

Lucas Huber
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Diese Altliegenschaften in Zunzgen sollen einem Neubau weichen.

Diese Altliegenschaften in Zunzgen sollen einem Neubau weichen.

Lucas Huber

Ist die Bereitstellung von günstigem Wohnraum Aufgabe einer Gemeinde? Womöglich darf man Hans Frechs Kritik am Bauprojekt seiner Wohngemeinde Zunzgen so zusammenfassen. Und eigentlich kritisiert er nicht einmal das Bauprojekt an sich, sondern vielmehr den Zeitpunkt.

Die Gemeinde Zunzgen ist Eigentümerin der Liegenschaften an der Hauptstrasse 78, 78a und 82. Sie sind unbewohnbar, stehen leer und waren in der Vergangenheit gleich mehrfach Gegenstand hitzig geführter Debatten an Gemeindeversammlungen. Immer wieder auch wegen der Frage, ob es Aufgabe der Gemeinde sei, Wohnraum – ob günstig oder nicht – zur Verfügung zu stellen.

14 neue Wohnungen

Nun war sich die Stimmbevölkerung eigentlich einig, dass einzig ein Abriss der Altbauten und ein Neubau wirtschaftlich Sinn machen würden. Zuletzt hat die Gemeindeversammlung im Oktober vergangenen Jahres einen Projektierungskredit von 280'000 Franken gesprochen. Nun legt die Gemeinde das fertige Projekt vor. Es heisst «Gässli» und umfasst 14 Wohnungen, über deren Bau an der morgigen Gemeindeversammlung befunden wird.

Und «Gässli» macht einen soliden Eindruck. Zwar beantragt die Exekutive einen Baukredit über 6,73 Millionen Franken, die Gesamtkosten belaufen sich auf geschätzte 8 Millionen. 3,3 Millionen Franken will die Gemeinde aus eigenen Mitteln stemmen, weshalb der Kapitalbedarf aus Fremdmitteln lediglich 4,3 Millionen Franken beträgt. «Zusagen von Finanzinstituten», so der Wortlaut in den Versammlungsunterlagen, versprechen einen Zinssatz von 0,6 Prozent über zehn Jahre. Hinzu kommen prognostizierte Mieteinnahmen von jährlich 270'000 Franken, mit denen die Fremdmittel amortisiert werden sollen. Der Gemeinderat betont, dass keine Steuern ins Projekt fliessen würden.

Der pensionierte Bauleiter Hans Frech sieht darin eine Gefahr. Er ist nicht per se gegen das Projekt; stattdessen sieht er vielmehr im Zeitpunkt ein Problem. «Es gibt zu viele Wohnungen in Zunzgen», sagt er. Was Frech meint, sind die Überbauungen auf dem ehemaligen Bemag-Areal am südlichen Dorfeingang, wo Dutzende Miet- und Eigentumswohnungen entstehen.

«Schlaflose Nächte»

«Ich befürchte, wir werden in Zunzgen über längere Zeit ein Überangebot an Wohnungen haben», ist er überzeugt – und sieht die Gemeinde blindlings ins Unglück stürmen. Darum fordert er: «Hände weg von diesem Projekt.» Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Gemeindewohnungen erst nach jenen auf dem Bemag-Areal auf den Markt kämen.

Das lässt Gemeindeverwalter Cristiano Santoro nicht gelten. «Die Projekte sind nicht vergleichbar und darum auch keine Konkurrenz», betont er und führt aus: «Die Wohnungen im ‹Gässli› werden zu günstigen Preisen vermietet, womit wir eine ganz andere Klientel ansprechen als die Überbauung im Bemag-Areal.» Gemeindepräsident Michael Kunz ergänzt: «Im Bemag-Areal entstehen vorwiegend Eigentumswohnungen.» Natürlich sei man gegen leere Wohnungen niemals gefeit, erklärt er. Aber man sei optimistisch, keine Probleme zu haben, schliesslich bestehe für die gemeindeeigenen Wohnungen im Gemeindehaus eine Warteliste.

Hans Frech weiss, dass er nicht der einzige ist, der am Bauprojekt «Gässli» zweifelt. Dennoch geht er davon aus, dass der Antrag des Gemeinderats angenommen und die beiden Gebäude mit den 14 Wohnungen gebaut werden. «Aber ich als Investor hätte schlaflose Nächte», sagt er.