Bildungsreformen
Kritik der Lehrerkonferenz wird zum Bumerang

Der Vorstand der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrer tadelt reformkritische Organisationen wie die Starke Schule Baselland oder den Lehrerverein öffentlich, ohne sich mit ihren Delegierten abgesprochen zu haben. Das kommt nicht gut an.

Michael Nittnaus
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Lehrer streiten um ihre Vertretung. (Symbolbild)

Lehrer streiten um ihre Vertretung. (Symbolbild)

Keystone

Auch wenn die Amtliche Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrer (AKK) keine Namen nennt, ist sofort klar, gegen wen sich ihre am Montagabend verschickte Mitteilung richtet. Sie schreibt unter anderem: «In den letzten Monaten haben verschiedene Gruppierungen und Personen teilweise tatsachenwidrige Behauptungen und Anschuldigungen zur Bildung und zu den Schulen gemacht. Damit wurde ein unsachlicher Wahlkampf betrieben. Meistens ging es dabei nicht um inhaltliche Ziele, die man erreichen möchte, sondern nur darum, etwas zu verhindern oder rückgängig zu machen. (...) Die AKK erwartet, vom Souverän oder vom Bildungsrat bereits getroffene Entscheide zu respektieren und deren Umsetzung zusammen mit der AKK tatkräftig zu unterstützen.»

Vorstand schrieb Mitteilung allein

Gemeint sind Organisationen wie das Komitee Starke Schule Baselland, der Lehrerverein (LVB) oder aber einzelne Exponenten wie Grünen-Landrat und Sekundarlehrer Jürg Wiedemann, die sich – in unterschiedlicher Vehemenz – kritisch zu Bildungsreformen wie Harmos oder dem Lehrplan 21 äussern. Dass die Mitteilung der AKK bei diesen auf wenig Verständnis stösst, liegt auf der Hand. Was aus der Stellungnahme jedoch nicht hervorgeht: Aus der expliziten Erwähnung, dass die AKK «alle Lehrerinnen und Lehrer Basellands in bildungspolitischen und pädagogischen Fragen vertritt», darf nicht geschlossen werden, dass automatisch eine Mehrheit der Lehrerschaft die Bildungsreformen stützt.

Davor warnt mit Michael Pedrazzi zwar ein Vorstandsmitglied der Starken Schule. Doch Pedrazzi ist auch AKK-Delegierter der Sekundarschule Allschwil: «Ich wusste nichts von dieser offiziellen Mitteilung», sagt er gegenüber der bz. Für ihn ist klar: Solch harsche Kritik hätte der Vorstand mit den Delegierten absprechen müssen. «Dieser Alleingang über die Köpfe der Lehrer hinweg ist nicht opportun», sagt Pedrazzi. AKK-Präsident Ernst Schürch bestätigt denn auch: «Die Mitteilung haben wir im Vorstand verfasst.» Der Vorstand setzt sich aus den Präsidien der acht Schulartenkonferenzen sowie der Geschäftsleitung um Schürch zusammen. Weder die 120 Delegierten noch die 5500 Lehrer, die automatisch Mitglieder der AKK sind, wurden konsultiert. «Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Lehrer hinter uns steht», sagt Schürch.

Kanton zahlt 150 000 Franken

Dem widersprechen Pedrazzi, Wiedemann, Starke-Schule-Geschäftsleiterin Saskia Olsson und LVB-Geschäftsleiter Michael Weiss dezidiert. «In der AKK gibt es unübersehbare Differenzen zwischen dem Vorstand und der Basis», sagt Wiedemann. Der Vorstand müsse endlich akzeptieren, dass eine deutliche Mehrheit der Lehrpersonen für einen Kurswechsel in der Bildungspolitik einstehe. Dies hätten die Umfragen der Starken Schule und des LVB gezeigt. «Von der AKK fehlen dagegen vergleichbare Erhebungen gänzlich», sagt er.

Weiss wünscht sich von der AKK «ein bisschen mehr Autonomie» und kritisiert die «fast logische Abhängigkeit» vom Kanton, der den Vorstand finanziell unterstützt. Olsson nennt dabei jährliche Zahlungen «im Bereich von rund 250 000 Franken» und sagt: «Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing.» Auf Anfrage teilt die Bildungsdirektion (BKSD) aber mit, dass sie 2014 insgesamt bloss 150 000 Franken an Aufwänden verbucht habe. Darunter fallen Sitzungsgelder, Stellvertretungskosten des Vorstandes sowie Sachaufwand für die Infrastruktur der AKK-Konferenzen. «Das beeinträchtigt die Unabhängigkeit der AKK in keiner Weise», sagt Generalsekretär Roland Plattner.

Und Schürch fügt an: «Nicht die BKSD ist die Hand, die den AKK-Vorstand füttert, sondern die Delegierten. Sie entscheiden, wer gewählt wird.» Genau solche Überlegungen macht sich nun Pedrazzi. «Ich weiss, dass ich nicht der einzige Delegierte bin, den die Haltung des Vorstandes stört.» Sollte das Übergehen der Delegierten zum System werden, so «müssen wir vielleicht die Vertrauensfrage stellen». Noch sei aber nichts entschieden. Dass es so weit kommt, glaubt Schürch nicht. Und falls doch? «Wenn die Mehrheit einen neuen Vorstand möchte, würde ich das akzeptieren.» Am 20. März treffen sich alle Baselbieter Lehrer zur AKK-Plenarversammlung in der St. Jakobshalle.

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