Sekundarschule Reinach
Kritisierter Lehrer darf seine Klasse nicht mehr alleine führen

Mobbing, unfaire Tests und Beleidigungen: Mehrere Eltern haben eine aufsichtsrechtliche Anzeige beim Schulrat der Sek Reinach eingereicht. Sie beschuldigen mehrere Lehrer, die Schüler schlecht zu behandeln. Als erste Massnahme darf ein Mathelehrer eine vierte Klasse nur noch im Teamteaching unterrichten.

Michael Nittnaus
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An der Sekundarschule Reinach wehren sich Eltern gegen das Verhalten einiger Lehrer (Bild vom ersten Schultag 2016).

An der Sekundarschule Reinach wehren sich Eltern gegen das Verhalten einiger Lehrer (Bild vom ersten Schultag 2016).

Martin Toengi

Welcher Tropfen genau das Fass zum Überlaufen brachte, ist unklar. Doch wählten mehrere Eltern von Schülern, die an der Sekundarschule Reinach gemeinsam eine vierte Klasse besuchen, schliesslich den Gang an die Medien. Am Mittwoch berichtete die «Basler Zeitung» von Mobbing, unfairen Tests und Beleidigungen, mit denen mehrere Lehrer dieser Klasse angeblich das Leben schwer machen würden. Und das seit Monaten.

Vor allem ein Lehrer wird beschuldigt, mit seinem Verhalten die Grenzen des Tolerierbaren gesprengt zu haben: der Klassenlehrer. Gemäss «BaZ» unterrichtet er seit über 30 Jahren an der Schule Mathematik. Die Vorwürfe sind happig: Bei Prüfungen habe er die korrekten Lösungen als falsch bewertet, nur weil Schüler einen anderen Herleitungsweg genommen hätten. Und gleich mehrfach habe er Eltern gedrängt, bei ihren Söhnen die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung ADHS abzuklären. In einem Fragebogen des schulpsychologischen Dienstes, den der Lehrer nach der Intervention einer Mutter über ihren Sohn ausfüllen musste, habe der Lehrer als «weitere Lösung» Medikamente wie Ritalin vorgeschlagen. Zudem habe er in Elterngesprächen gewissen Schülern keinerlei Hoffnung auf eine berufliche Zukunft gemacht. Allein in diesem Jahr sei es in dieser Klasse zu fünf Austritten gekommen, teils hätten die Schüler in Privatschulen gewechselt.

Schulleitung habe nichts unternommen

Andere Vorwürfe richten sich gegen weitere Lehrer, auch wenn die Eltern «nicht die gesamte Lehrerschaft in Sippenhaft nehmen wollen». Wen sie aber beschuldigen, sind die Schulleiter Michael à Wengen und Roland Herz. Diese hätten die Kritik «systematisch unter den Teppich gekehrt». Zwar kam es am 14. November zu einer Aussprache zwischen 24 Eltern der vierten Klasse, sechs ihrer Lehrer, den Schulleitern und einer Mediatorin, doch scheiterte diese offenbar klar.

Gleichentags reichten einige Eltern eine aufsichtsrechtliche Anzeige beim Schulrat ein. Dieser möchte auf Anfrage der bz nicht ausführlich Stellung nehmen, ehe er nicht mit allen Betroffenen gesprochen hat. Schulratspräsidentin Doris Vögeli sagt aber, dass die vierte Klasse nun im «Teamteaching» unterrichte werde. Das heisst, dass dem Klassenlehrer noch weitere Lehrer zur Seite gestellt wurden. Vögeli weist aber darauf hin, dass weniger als fünf Schüler ausgetreten seien. Und: «Wir haben Rückmeldungen von Eltern, dass sie nicht mit dem eingeschlagenen Weg einverstanden sind und sich von den Vorwürfen deutlich distanzieren.» Der Schulrat möchte nun eine für alle «gute und nachhaltige Lösung» finden.