Laufen
Kuonen und Nufer waren der Partei nicht genug KMU-freundlich

Die Laufner FDP kontert die Vorwürfe der beiden abgewählten Stadträtinnen Lilli Kuonen und Juliana Nufer. Die beiden fühlten sich von ihrer Partei im Stich gelassen.

Michel Ecklin
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Sieger und Verlierer vereint: Roman Bucher, Lilli Kuonen-Reber, Pascal Bolliger und Juliana Nufer-Gerster (v.l.)

Sieger und Verlierer vereint: Roman Bucher, Lilli Kuonen-Reber, Pascal Bolliger und Juliana Nufer-Gerster (v.l.)

Martin Toengi

Hat die FDP Laufen ihre bisherigen Stadträtinnen Juliana Nufer-Gerster und Lilli Kuonen-Reber fallen gelassen? So lautet zumindest der Vorwurf, den die beiden Freisinnigen nach ihrer Abwahl am vergangenen Wochenende an die Parteileitung richten.

Die FDP holte bei den Wahlen in den Stadtrat nicht weniger Stimmen als vor vier Jahren, im Gegenteil: Sie ist neu die grösste Partei der Stadt. Doch gewählt wurden zwei Unternehmer, nämlich Roman Bucher und Pascal Bolliger. Nufer und Kuonen landeten weiter hinten auf der FDP-Liste (Laufen wählt seine Exekutive im Proporzverfahren).

Wegen ihrer Abwahl traten sie am vergangenen Dienstag aus der FDP Laufental aus. Die Parteimitglieder hätten ihr und Kuonen misstraut, sagte Nufer vorgestern der bz – ein Vorwurf, dem Wahlkampfleiter Rolf Richterich nicht im Grundsatz widerspricht. «Hinter der Abwahl stecken keine Machenschaften», betont er zwar. Und auch von einer schlechten Stimmung bei den Laufentaler Freisinnigen will er nichts wissen. Gleichzeitig führt er eine Reihe von Gründen auf, warum die beiden Stadträtinnen nicht allen Parteimitgliedern Freude bereiteten.

Die beiden FDP-Vertreterinnen hätten von sich aus Anliegen in den Stadtrat vorgebracht hätten, «die nicht auf unserer Linie waren», wie er sagt. Als Beispiele nennt er die Streichung von Parkplätzen im Stedtli und das Reklamereglement. «Einen zweiten Polizisten anzustellen, der Bussen verteilt, war eindeutig ein Vorschlag Nufers. Damit betrieb sie sicher keine Wirtschaftsförderung.»

«Bonus verspielt»

Ähnlich sieht das Roland Mamie, Präsident der FDP Laufen. Kuonen und Nufer hätten vermutlich im Stadtrat schon freisinnige Positionen vertreten, seien dort aber immer wieder unterlegen. Danach hätten sie die Entscheide des Gesamtstadtrats in der Partei vertreten müssen. Als Beispiel nennt Mamie die Steuererhöhung. «Diese mussten wir dann bekämpfen, und zwar erfolgreich», sagt er. Und das Reklamereglement habe die FDP an der Gemeindeversammlung nicht durchwinken können, weil es zu KMU-unfreundlich gewesen sei. «In der FDP sagen wir eben geradeaus, was wir denken. Unsere Exekutivmitglieder geniessen keinen Artenschutz. Aber daraus sollte man keinesfalls den Schluss ziehen, dass wir unsere Stadträtinnen fallen gelassen hätten.»

Und Richterich betont, niemand mache den beiden den Vorwurf, dass sie sich im Stadtrat nicht durchsetzen würden, «denn wir haben dort keine Mehrheit». Kein Verständnis aber hat er, wenn sie selber im Stadtrat gewerbefeindliche Vorstösse einreichten.

Eigentlich hätte Nufer als selbstständige Treuhänderin und ehemalige Gewerbevereinspräsidentin von einem Bonus als Gewerblerin profitieren können. «Aber wenn sie im Stadtrat nicht die Interessen des Gewerbes vertritt, dann wählen die Stimmberechtigten eben andere Leute.» Und Kuonen habe sich in das Schulhausneubaudossier verstrickt. «Wir warnten sie frühzeitig, das Projekt nicht an sich zu reissen.» Stattdessen gab es einerseits Kostenüberschreitungen, andererseits immer mehr unerfüllbare Wünsche. So habe sich Kuonen auf zwei Fronten wenig Freunde gemacht.

Mamie meint, der Parteiaustritt der Ex-Stadträtinnen helfe der Partei sicher nicht. Er wünscht sich, sie hätten sich «diesen Schritt ein oder zwei Wochen überlegt». Ihre Nichtwahl bezeichnet er als «Betriebsunfall. Denn es war nie unser Ziel, dass sie abgewählt werden.» Mit Blick auf das gute Abschneiden der FDP-Liste betont aber auch: «Wir sind auf dem richtigen Weg.»