Kriminaltourismus
Kupferhändler werden zum Ziel von internationalen Banden

Die Region verzeichnete in den letzten Wochen eine Serie von Kupferdiebstählen. Für die Behörden ist klar: Bei den Tätern handelt es sich um international operierende Banden. Da das Metall hoch begehrt ist, könnten die Diebstähle noch zunehmen.

Benjamin Wieland
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International operierende Diebesbanden haben es auf das begehrte Metall abgesehen – auch in der Region.

International operierende Diebesbanden haben es auf das begehrte Metall abgesehen – auch in der Region.

Keystone

Sie kamen wahrscheinlich in der Nacht. Zuerst brachen sie in eine Werkstatt ein, danach in eine Lagerhalle. Sie schlossen einen Gabelstapler kurz, fuhren mit diesem in die Halle, verluden das Diebesgut in ein Fahrzeug - und machten sich unbemerkt aus dem Staub.

Die Rede ist von den Dieben, die am letzten August-Wochenende die Multimetall in Muttenz heimsuchten. Rund acht Tonnen Kupfernickel wurden erbeutet - dessen Wert beträgt laut dem Metall-Grosshändler 50 000 Franken. Bis heute fehlt von den Tätern jede Spur.

International operierende Banden

Multimetall ist kein Einzelfall. In den vergangenen Wochen häuften sich Kupferdiebstähle in der Region. Am selben Wochenende wie in Muttenz kam im solothurnischen Balsthal und in Sisseln im Fricktal Kupfer weg; eine Woche zuvor hatte es einen Betrieb in Pratteln getroffen.

Bei allen genannten Fällen ging die Täterschaft sehr gezielt vor. Die Baselbieter Polizei geht deshalb auch bei den Diebstählen in Muttenz und Pratteln davon aus, dass international operierende Banden dahinter stecken.

In der Schweiz dürften grosse Mengen an Hehlerware kaum abgesetzt werden können. Deshalb sind die Täter darum bemüht, das Diebesgut ausser Land zu bringen. Bei den Kupferdiebstählen handelt es sich also um Kriminaltourismus.

Überdurchschnittlich oft Rumänen

Das hat auch die Grenzwache bemerkt: «Wir stellen in der Nordwestschweiz immer wieder Fälle von Kupferdiebstählen fest, sowohl bei Inlandkontrollen im Grenzraum, aber auch an der Landesgrenze selbst», sagt Patrick Gantenbein, Mediensprecher der Grenzwachtregion Basel. Bei den Angehaltenen handle es sich «überdurchschnittlich oft» um rumänische Staatsangehörige.

Die Metallhändler werden auch in Zukunft mit ungebetenen Gästen rechnen müssen. Kupfer ist ein begehrter Rohstoff, denn die Vorkommen werden immer knapper. Das äussert sich im Preis: Aktuell kostet ein Kilogramm Kupfer knapp 7 Franken - 2002 waren es noch rund 2 Franken.

Kupferpreis in Aufwärtsspirale?

«Minenbetreiber haben zu wenig in neue Kupferkapazitäten investiert. Die Versorgung ist prinzipiell knapp», begründet Roland Armbruster von der Basler Kantonalbank (BKB) den rasanten Preisanstieg auf Anfrage der bz. Armbruster ist Mitglied des Anlageausschusses der BKB.

Eine der Ursachen für den «Hunger» auf Kupfer ist laut Armbruster das rohstoffintensive Wachstum Chinas. Da sich die Weltwirtschaft momentan leicht erholt, schliesst er nicht aus, dass sich der Preis für das Metall weiter erhöht.