Liestal
La Cantina bietet sichere Arbeitsplätze für psychisch Kranke

La Cantina will psychisch Behinderten den Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen. Sie sollen die Chance erhalten, ihren Lohn - oder zumindest Teile davon - selbst zu erarbeiten.

Alessandra Paone
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Jan Scheidegger freut sich, im La Cantina zu arbeiten. Nicole Nars-Zimmer

Jan Scheidegger freut sich, im La Cantina zu arbeiten. Nicole Nars-Zimmer

Trotz Behinderung arbeiten. Dieses Ziel verfolgt der neu gegründete Verein La Cantina mit einem speziellen Gastronomiebetrieb, dem Café Theater La Cantina, im Liestaler Hanro-Areal. Junge gelernte oder angelernte Berufsleute mit einer psychischen Beeinträchtigung, die keine Möglichkeit haben auf dem freien Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden, sollen beruflich nachhaltig in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Am kommenden Samstag öffnet der Betrieb erstmals seine Tore.

Vater der Idee und Präsident des Vereins ist der Psychotherapeut Friedrich Kaiser. Seit Jahren leistet der Arzt, der eine eigene Praxis in Frenkendorf führt, mit seiner Agentur Psy Promotion wichtige Integra-tionsarbeit für psychisch beeinträchtigte Menschen. Bekannt ist vor allem sein Projekt «Theater zwischen den Welten»: Mit dem Musiktheaterstück «Gefülltes Herz» war Kaiser zusammen mit Betroffenen, Künstlern sowie Fachkräften aus der Psychia-trie in insgesamt zwölf Kantonen auf Tournee.

Ziel war, die künstlerischen Fähigkeiten psychisch kranker Menschen zu fördern und ihnen dadurch den Zugang zu ihrem gesellschaftlichen Umfeld zu vereinfachen. «Für die Betroffenen war es sehr anspruchsvoll», erinnert sich Kaiser. Gross sei die Überraschung des Publikums darüber gewesen, dass die Teilnehmer trotz ihres Handicaps über längere Zeit an einem Projekt arbeiten können.

Druck wegen IV-Revision

Hintergrund des Vereins La Cantina bildet die Tatsache, dass psychisch angeschlagene Menschen besonders stark darunter leiden, dass sie wegen Depressionen, Burnout oder Angst- und Schizophrenie-Zustände diskriminiert und stigmatisiert werden. «Klinikaufenthalte sind nicht selten mit dem Verlust des Arbeitsplatzes verbunden», sagt Kaiser. Ausserdem wachse mit der fünften und sechsten IV-Revision der Druck, behinderte Menschen wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Denn damit die IV zu einer Integrationsversicherung umgebaut werden kann, soll von 2012 bis 2018 der Bestand von heute 250 000 Renten um 12 500 reduziert werden. Um dies zu ermöglichen, brauche es realistische Arbeitsmodelle, betont der Psychotherapeut. «Ein erster Schritt ist zu prüfen, was die Betroffenen überhaupt können.»

Zusammenarbeit mit IV-Stellen

Im La Cantina Café Theater versuchen nun der gelernte Koch Jan Scheidegger und der angelernte Kellner Domenico Mondello ihr Glück. Beide sind wegen ihrer Krankheit seit längerer Zeit arbeitslos und beziehen eine IV-Rente beziehungsweise IV-Taggelder. Das Ziel ist es, dass die beiden jungen Männer ab Herbst ihren Lohn oder zumindest einen Teil davon selbst erwirtschaften. Unterstützt werden sie beruflich von Peter Rüfenacht, dem Geschäftsführer des Restaurant Falken in Liestal. Die psychologische Betreuung übernimmt indes Friedrich Kaiser.

Neben den zwei Festangestellten haben auch andere Betroffene die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Tagesstrukturangebots mit Arbeits- sowie Belastungstrainings fit zu machen für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Hierzu besteht einen Zusammenarbeit mit den kantonalen IV-Stellen und örtlichen Sozialhilfebehörden.