Mindestlohn
Läckerli-Huus: Miriam Blocher zahlt weiblichen Angestellten Hungerlöhne

Dass sie Löhne unter 4000 Franken zahlt, sagt Läckerli-Huus-Inhaberin Miriam Blocher selbst. Dies würde unqualifizierte Mitarbeitende treffen. Vor allem Thailänderinnen, die nur im Stundenlohn angestellt sind, werden mit Tiefstlöhnen abgespeist.

Daniel Haller
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Schlecht bezahlte Mitarbeiterinnen der Läckerli-Huus AG verpacken die Basler Spezialität in Kartonschachteln. (Archiv)

Schlecht bezahlte Mitarbeiterinnen der Läckerli-Huus AG verpacken die Basler Spezialität in Kartonschachteln. (Archiv)

Keystone

«Verdienen Ihre Mitarbeitenden alle 4000 Franken?», wurde Miriam Blocher in einem Interview der «Handelszeitung» gefragt. «Nein», antwortete die Inhaberin des Läckerli-Huus. «Wir haben viele unqualifizierte Mitarbeiter, vor allem Mitarbeiterinnen, die liegen darunter. Der Frauenanteil liegt bei uns bei 70 Prozent.»

Einerseits ist es bemerkenswert, dass aus dem Mund einer Frau nicht zuletzt die Eigenschaft «Frau» als Begründung für Niedriglöhne herhalten muss. Andererseits fragt sich, wie viel tiefer als 22 Franken – dies entspricht den 4000 Franken im Monat – die Stundenlöhne ausfallen.

Stundenlohn von 17.20 Franken

Eine betriebsexterne Quelle, die Einblick in einen Läckerli-Huus-Lohnausweis hatte, spricht von Stundenlöhnen in der Grössenordnung von 17.20 bis 17.50 Franken. In dieser tiefsten Lohnklasse würden vor allem Migrantinnen aus Thailand, beschäftigt. Sie seien nur im Stundenlohn angestellt.

Letzteres bestätigt eine weitere Quelle: «Sie sind nicht so wie die anderen angestellt, nicht so wie beispielsweise die Frauen aus Ex-Jugoslawien. Man holt sie, wenn man sie braucht. Aber eigentlich braucht man sie fast immer.»

Dies führt zur Befürchtung der ersten Quelle, dass zusätzlich zum tiefen Lohn darauf geachtet werde, dass die Frauen auf kein Pensum kommen, mit dem sie unter das Pensionskassenobligatorium fallen würden. «Dies ist allerdings nur sehr schwer zu beweisen.»

Was nicht ohne weiteres nachzuweisen ist, kann man ja auch direkt erfragen. Allerdings sah sich das Läckerli-Huus gestern Nachmittag nicht in der Lage, eine entsprechende Anfrage zu beantworten.

Andere bezahlen mehr

Wie verhalten sich die tiefsten Löhne im Läckerli-Huus zu den sonst üblichen Löhnen in der Nahrungsmittelindustrie?

Gemäss www.lohnrechner.ch verdient eine 40-jährige Person mit 10 Jahren Betriebszugehörigkeit und einer einfachen repetitiven Tätigkeit in der Nordwestschweiz in der Nahrungsindustrie 4250 Franken für eine 42-Stunden-Woche. Rechnet man dies auf den Basisstundenlohn herunter, also ohne den 13. Monatslohn und ohne Zulagen für Ferien, Feiertage, komme man auf etwa Fr. 19.60, heisst es bei der Gewerkschaft.

Es gibt aber auch Firmen, die mehr bezahlen. So beträgt laut www.gav-service.ch der Basisstundenlohn bei Nestlé Basel (Thomy + Frank) für eine 40-jährige unqualifizierte Person mit einfacher repetitiver Tätigkeit Fr. 21.54. Bei Hero Lenzburg gibt es in der gleichen Alterskategorie für «anspruchsvolle Hilfsarbeiten» einen Basisstundenlohn von Fr. 20.51 und bei der Wander AG in Bern für Tätigkeiten mit einer zweijährigen Anlehre Fr. 20.51.

Bessere Löhne wären möglich

Ein Grund für die tiefen Löhne dürfte die ausserordentliche Verpackungsvielfalt im Läckerli-Huus sein, die entsprechend viel Handarbeit und Kleinserien erfordert.

Dass Migrantinnen in Form von Tiefstlöhnen und allfälligen weiteren nachteiligen Bedingungen den Preis für den symbolischen Mehrwert der aufwendigen Verpackungen bezahlen, scheint aber nicht zwingend, wenn man die sonstigen Einkünfte der Firmeninhaberin Miriam Blocher anschaut (siehe Kasten): Den Ems-Chemie-Geschäftsberichten kann man entnehmen, dass ihr in den letzten vier Jahren im Schnitt gut 20 Millionen Franken Dividenden zufielen.

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