Viele Coronatote
Lage im Alterszentrum Birsfelden: Der Kanton Baselland hüllt sich in Schweigen

Die Situation im Altersheim Birsfelden beschäftigt die Angehörigen, da sich die Fälle von Coronainfektionen häufen. Viele sorgen sich um die Bewohnenden. Etliche Fragen bleiben jedoch unbeantwortet.

Nora Bader, Silvana Schreier
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17 Todesfälle in sieben Wochen: Der Kanton will sich nicht weiter zur Situation im Alterszentrum Birsfelden äussern.

17 Todesfälle in sieben Wochen: Der Kanton will sich nicht weiter zur Situation im Alterszentrum Birsfelden äussern.

Juri Junkov

Das Alterszentrum Birsfelden hat sieben schwierige Wochen hinter sich. Anfang November wurde der erste Coronafall auf der Demenzabteilung entdeckt. Trotzdem führte das Alterszentrum in den darauffolgenden Wochen nur vier Coronatests durch. Ende November folgte dann erstmals eine breitere Testung der Bewohnenden. Die traurige Bilanz bis Ende Jahr: Rund 70 Coronainfizierte sowie 17 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Coronainfektion.

Der Geschäftsleiter des Birsfelder Alterszentrums, Thomas Giudici, sowie der Baselbieter Krisenstab loben die gute Zusammenarbeit. Man habe getan, was man habe tun können. Regula Meschberger, Birsfelder Gemeinderätin und Stiftungsrätin des Alterszentrums, stellt sich hinter die Heimleitung: «Ich bin persönlich sehr betroffen von den vielen Todesfällen. Das ist eine schlimme Situation.» Das Heim sei vor der Frage gestanden, wie die Balance zwischen dem Schutz der Bewohnenden und der Verhinderung von Vereinsamung gehalten werden konnte. Das Alterszentrum habe alle möglichen Massnahmen ergriffen.

Regierungsrat und Gemeindepräsidenten schweigen

Der Birsfelder Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP) will auf Anfrage keine Stellung beziehen. Er habe dem, was Meschberger sage, nichts beizufügen, so der Präsident der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission.

Einige Fragen bleiben offen: Weshalb wurde nicht früher getestet? Hätte der kantonsärztliche Dienst stärker bei der Lagebeurteilung eingreifen können? Beim Kanton Baselland hüllt man sich in Schweigen. Gesundheitsdirektor Thomas Weber lehnt die zweite Interviewanfrage ab.

Autonomie oder absoluter Schutz?

Sein Sprecher Rolf Wirz verweist auf die Aussagen des Krisenstabs gegenüber der bz und zitiert aus dem Interview der bz mit Weber von Ende Dezember: «Alle haben einen berechtigten Anspruch auf ein Sterben in Würde, ob mit oder ohne Covid-19. Wir können infektionsbedingte Todesfälle nicht ganz verhindern, wir können auch nicht um jeden Preis jede Lebensminute retten. Wir stehen vor einem ethischen Dilemma: Es gibt hochbetagte Menschen, die ahnen, dass sie vielleicht zum letzten Mal Weihnachten erleben.

Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als ihre Kinder und Enkelkinder zu sehen und wollen autonom darüber entscheiden. Soll diesen nun aus Sicht des Gesundheitsschutzes ein Treffen mit ihren Liebsten verboten werden? Die Autonomie und die sozialen Bedürfnisse der gefährdeten Person stehen in einem Konflikt mit der Grundsolidarität gegenüber der Gesellschaft, das Virus nicht weiter zu verbreiten.»