Euro-Airport
Landräte fordern Risikoanalyse: Gemeinden im Süden seien gefährdet

Die Allschwiler Grünen-Landrätin Julia Gosteli fordert in einem Postulat von der Regierung, das Risiko und die Massnahmen im Katastrophenfall neu zu überdenken.

Boris Burkhardt
Merken
Drucken
Teilen
Südanflug zum Euro-Airport über Allschwil: Ein Flugzeugabsturz hätte hier furchtbare Folgen.

Südanflug zum Euro-Airport über Allschwil: Ein Flugzeugabsturz hätte hier furchtbare Folgen.

Erich Meyer honorarpflichtig

Anderthalb Jahrzehnte ist es her, dass der Euro-Airport und die Behörden in den Anliegerstaaten analysierten, wie man das Risiko eines Flugzeugabsturzes in der Region minimiert. Seit dieser Zeit hätten sich die Faktoren für einen möglichen Unfall «stark verändert», findet die Allschwiler Grünen-Landrätin Julia Gosteli und fordert in einem Postulat von der Regierung, das Risiko und die Massnahmen im Katastrophenfall neu zu überdenken. Mitunterzeichnet haben den Vorstoss der Aescher Parteikollege Klaus Kirchmayr sowie die Binninger Landräte Sven Inäbnit (FDP), Agathe Schuler (CVP) und Rahel Bänziger (Grüne) – allesamt wohnhaft unter der Einflugschneise.

Konkret zitieren die fünf Landräte im Postulat offizielle Zahlen des Flughafens: Heute transportieren demnach über 60 Prozent der Flugzeuge Fracht zwischen 50 und 95 Tonnen, weitere 20 Prozent ein Gewicht von 35 bis 50 Tonnen. 2001 seien es noch über 80 Prozent der Flüge gewesen, die weniger als 30 Tonnen Startgewicht gehabt hätten. Erhöht habe sich auch die Zahl der Südanflüge und -starts; besonders Allschwil werde oft im Tiefflug überflogen. Die Gemeinden im Süden Basels seien also vermehrt dem Risiko eines Absturzes ausgesetzt. Gosteli spricht von rund 50'000 betroffenen Menschen hauptsächlich in Allschwil, Binningen und Basel. Untersuchen sollen die zuständigen Behörden nach Forderung der Postulanten Flugzeuggrösse, Lage der Flugrouten, Benützungsquoten der Routen, zeitliche Verteilung der Flugbewegungen, Gefahrguttransport, Siedlungsdichte und Überflug sicherheitsrelevanter Anlagen.

Neue Grossübung gefordert

Die Antwort des Euro-Airports und des Kantons auf Nachfrage der bz widerspricht den Postulanten nicht, interpretiert die Zahlen jedoch anders: Die Flugbewegungen hätten insgesamt «signifikant» abgenommen, teilt Sprecherin Fiona Schär namens der zuständigen Bau- und Umweltschutzdirektion mit: 1999 sei man bei damals 125'000 Starts und Landungen noch von einem Zuwachs von 45 Prozent bis 2010 ausgegangen; im Jahr 2014 habe diese Zahl der Flugbewegungen jedoch nur noch 89'000 betragen. Das Risiko von Kollisionen zweier Flugzeuge sowie von Unfällen vor und nach der Piste sei allein dadurch schon reduziert.

Tatsächlich jedoch hat der Verwaltungsrat des Euro-Airports laut Schär bereits im Herbst über eine neue Risikoanalyse diskutiert, die er bald in Auftrag geben wolle. Das Sicherheitspositiv, die Koordinierung der Massnahmen der Blaulichtorganisationen aller Länder in einem Katastrophenfall, liege allerdings in der Verantwortung der französischen Behörden. Die Katastrophenübung im Jahr 2013, aus der die Postulanten «besorgniserregende Resultate» lesen, sei wie jede andere Übung der Feuerwehr oder des Krisenstabs dazu da, «Schwachstellen in Sicherheitsdispositionen, bei Blaulichtorganisationen et cetera aufzudecken, um diese beheben zu können». Gosteli fordert nach der Überprüfung von Risikoanalyse und Sicherheitsdispositiv eine erneute Grossübung wie jene von 2013 mit 170 Statisten, die sich als «unorganisiertes Chaos» gezeigt habe, «wo die Beteiligten teilweise nicht mehr wussten, ‹wer› sie sind».