Wahlkreis Reinach
Landratswahlen Baselland: Kleinpartei bangt um die Wiederwahl

Sämtliche zehn Amtierende treten wieder an. Ob es allen zur Wiederwahl reicht, ist fraglich.

Dimitri Hofer
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Ob die BDP ihren Sitz im Wahlkreis Reinach halten kann, ist ungewiss. Es ist der einzige der Kleinpartei im Landrat.

Ob die BDP ihren Sitz im Wahlkreis Reinach halten kann, ist ungewiss. Es ist der einzige der Kleinpartei im Landrat.

Mirjam Kohler

Der Wahlkreis Reinach ist einer von sechs Wahlkreisen im Baselbiet, in dem sämtliche Bisherigen wieder antreten. Hier sind das zehn Landrätinnen und Ländrate – so viele, wie sonst nirgends im Kanton. Im bevölkerungsreichsten aller zwölf Wahlkreise können die FDP und die CVP dem Wahlsonntag gelassen entgegenschauen. Auch die SVP und die Grünen werden ihre Sitze voraussichtlich halten können. Knapp wird es vor allem für die BDP, die bei den letzten Wahlen trotz geringem Stimmenanteil einen Sitz erobern konnte.

Zudem stellt sich die Frage, ob die Asylaffäre, die im Jahr 2017 Reinach durchgeschüttelt hat, der SP viele Stimmen kosten wird. Derzeit haben im Wahlkreis Reinach die SVP drei, die FDP und die SP jeweils zwei sowie die CVP, die Grünen und die BDP jeweils einen Sitz.

BDP könnte ihren Sitz verlieren

Am meisten Nervenkitzel verspricht der 31. März für die Kleinpartei BDP, der es bei den Landratswahlen vor vier Jahren gelungen war, mit einem Stimmenanteil von 5,9 Prozent ihren einzigen Sitz im Landrat zu holen. Dank den BDP-Stimmen in den Wahlkreisen Laufen, Münchenstein und Muttenz, mit denen der Wahlkreis Reinach zusammen eine Wahlregion bildet, schaffte Marie-Therese Müller die Wahl.

Ob sie ihren Sitz nun verteidigen kann, ist unsicher, da die BDP im Wahlkreis Laufen nicht mehr antritt. Profitieren davon könnten alle Parteien, vor allem aber die CVP oder FDP. Schafft die BDP die Wiederwahl, könnte die Reinacher Gemeinderätin Doris Vögeli der einstigen Kantonalpräsidentin Müller gefährlich werden.

Bei der FDP stellen sich Jacqueline Bader Rüedi und Rolf Blatter der Wiederwahl. Es ist zwar davon auszugehen, dass die Freisinnigen ihre beiden Sitze halten können. Nach einem Taucher im Jahr 2011 legte die Ortspartei bei den letzten Wahlen vor vier Jahren wieder stark zu. Zudem stellt die FDP aktuell in allen drei zum Wahlkreis gehörenden Ortschaften Aesch, Reinach und Pfeffingen das Gemeindepräsidium.

Ob jedoch sowohl Bader Rüedi als auch Blatter im Regierungsgebäude verbleiben können, ist nicht sicher. Mit dem Aescher Gemeinderat Stephan Hohl und den beiden Reinacher Einwohnerräten Jörg Burger und Paul Meier-Hürlimann haben die Bisherigen starke innerparteiliche Konkurrenz.

Steckbrief

Wahlkreis Reinach

Zugehörige Gemeinden: Aesch, Pfeffingen, Reinach

Anzahl Bewohner: 31 739

Fläche: 19.28 km2

Anzahl Landratssitze: 10

Anzahl Kandidierende: 69

Bisherige Sitzverteilung: 3 SVP, 2 SP, 2 FDP, 1 CVP, 1 Grüne, 1 BDP

SVP mit profilierten Parlamentsmitgliedern

Die SVP schickt mit Paul Wenger und Caroline Mall zwei profilierte Parlamentsmitglieder wieder ins Rennen, deren Wiederwahl kaum gefährdet ist. Der Pfeffinger Martin Karrer blieb in seiner ersten Legislatur jedoch blass. Gut möglich, dass ihm der ehemalige Reinacher Einwohnerratspräsident Rainer Rohrbach, der langjährige Aescher Gemeinderat und Unternehmer Andreas Spindler oder Erich Baumberger, Präsident der SVP Aesch-Pfeffingen, den Sitz abluchsen können.

Dass die SVP eines ihr drei Mandate verlieren wird, ist hingegen unwahrscheinlich. Bei den vergangenen Landratswahlen gelang es der Volkspartei, im Wahlkreis Reinach stetig zuzulegen.

Ihren einzigen Sitz im Landrat für den Wahlkreis Reinach wird auch die CVP bestätigen können. Die Christdemokraten büssten bei den zurückliegenden Parlamentswahlen zwar konstant an Wählerstimmen ein und verloren seit 2003 zwei Sitze. Selbst wenn sich dieser Trend Ende März fortsetzen sollte, reicht es jedoch allemal, um das eine Mandat zu halten.

Obwohl die Bisherige Béatrix von Sury erst seit zwei Jahren dem Landrat angehört, konnte sie sich über das Baselbieter Parlament hinaus einen Namen machen. Nach dem Rücktritt des Reinacher Gemeindepräsidenten Urs Hintermann war von Sury interimistisch als Nachfolgerin eingesprungen. Damit half sie mit, nach der Asylaffäre wieder Ruhe in die Lokalpolitik zu bringen. Diese Bekanntheit dürfte von Sury nun dabei behilflich sein, ihren Sitz zu verteidigen.

Nichtsdestotrotz kann die CVP im Wahlkreis Reinach mit einigen hochkarätigen Kandidatinnen aufwarten: Dazu gehören die Aescher Gemeinderätin und Winzerin Monika Fanti-Hauser und die ehemalige Reinacher Einwohnerratspräsidentin Andrea Brügger.

Urs Hintermann stark kritisiert

Die Asylaffäre könnte sich auch im Stimmenanteil der SP im Wahlkreis Reinach niederschlagen. Vor zwei Jahren machte die Asylheim-Mitarbeiterin Farideh Eghbali auf eine Liebschaft zwischen einer Arbeitskollegin und einem minderjährigen Asylsuchenden aufmerksam. Statt der Beziehung richtig auf den Grund zu gehen, entliess der Reinacher Gemeinderat Eghbali.

Im Zusammenhang mit der Freistellung wurde der damalige Gemeindepräsident Urs Hintermann stark kritisiert. Die Anfeindungen führten letztlich zum Rücktritt von Hintermann. Sowohl der zurückgetretene Gemeindepräsident als auch Eghbali gehörten der SP an.

Es ist denkbar, dass die Sozialdemokraten, die bei den Parlamentswahlen im Wahlkreis Reinach seit 1995 rund einen Fünftel ihrer Stimmen und damit einen Sitz verloren haben, aufgrund der Asylaffäre weitere Einbussen hinnehmen müssen. Ein weiterer Sitzverlust der SP ist aber unrealistisch. Die Reinacherin Bianca Maag-Streit und der Aescher Jan Kirchmayr sitzen fest im Sattel. Achtungserfolge könnten Soraya Streib, Fraktionspräsidentin der SP im Einwohnerrat Reinach, und der Reinacher Einwohnerrat Kim Thurnherr feiern.

Parteiwechsler bei der GLP

Der eine Sitz der Grünen des Wahlkreises Reinach im Landrat ist kaum gefährdet. Der Fukushima-Effekt, welcher der Partei im Jahr 2011 zu einem Hoch verholfen hatte, wird von der Sorge um die Klima-Erwärmung abgelöst. Deshalb wird es reichen, um im Parlament zu bleiben. Der Bisherige Klaus Kirchmayr gehört zu den auffälligsten aller Landratsmitglieder. Mit der Einwohnerrätin und Fluglärm-Gegnerin Katrin Joos Reimer, dem Schlagzeilen machenden Abfall-Sammler Marco Agostini und dem früheren Landrat Michael Vollgraff haben die Grünen aber einige Hochkaräter auf ihrer Liste.

Sehr geringe Chancen auf einen Sitz können sich die EVP und die GLP ausrechnen. Während bei den Evangelischen keine bekannten Köpfe zu finden sind, haben die Grünliberalen zumindest einen in ihren Reihen, der lokal für Gesprächsstoff sorgte. Im Zuge der Asylaffäre wechselte der Reinacher Einwohnerrat Christoph Layer-Ponsena von der SP zur GLP.