Windkraft
Landschaftshüter stürmen gegen Windkraftstudie

Kritik an Windkraftstudie: Die Stiftung Landschaftsschutz sieht in Windparks eine Gefahr für Landschaft und Tourismus. Kanton und Naturschutzverbände müssen nun den Klima- gegen den Landschaftsschutz abwägen.

Boris Burkhardt
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Dieses einsame Windrad des Ökozentrums Langenbruck soll bald Gesellschaft bekommen. Archiv/Nars

Dieses einsame Windrad des Ökozentrums Langenbruck soll bald Gesellschaft bekommen. Archiv/Nars

Durch die Motion des Titterter SP-Landrats Hannes Schweizer von 2007 war der Kanton verpflichtet, auch Standorte in Gebieten auszuloten, die sich im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) befinden. Genau das ist für die Stiftung Landschaftsschutz (SL) – ebenso wie für den Bund – ein Tabu: «Die Ästhetik der Landschaft ist wesentlich für die Identifikation mit einer Region und wichtig für den Tourismus», sagt der Basler SL-Projektleiter Matthias Rapp. Die Schweiz lebe sehr stark von der Ästhetik ihrer Landschaft: «Wir sollten unser Tafelsilber nicht verschenken.»

Die SL sei nicht prinzipiell gegen Windkraft, führt Rapp weiter aus; und bei einigen der vom Kanton bestimmten möglichen Standorten ausserhalb der BLN-Gebiete könne man darüber reden. Für Rapp ist aber die ganze Schweiz «kein Windland» – und das Baselbiet darin eine der windarmen Regionen.

Es ist Rapp deshalb völlig unverständlich, warum der Kanton nun auf einem Prozent der Schweizer Landesfläche ein Achtel der vom Bund bis 2020 geschätzten schweizweit produzierten grünen Energie (500 Giga- von 4 Terawattstunden) produzieren will: «Das Ziel ist völlig unrealistisch.»

WWF sieht «Goldgräberstimmung»

Auch Jost Müller vom Basler WWF warnt vor einer «Goldgräberstimmung»: Die Zahlen an Energieleistung, die der Kanton vorlege, weckten «grosse Erwartungen». Die sechs lukrativsten Standorte, die der Kanton nenne (siehe Box), lägen auch allesamt in BLN-Gebieten. Die Präsentation komme deshalb zu früh: «Die Güterabwägung hätte der Kanton in der Arbeitsgruppe unter anderem mit den Naturschutzverbänden vornehmen sollen.»

Genau dieser Kritik trat Umweltdirektorin Sabine Pegoraro bereits an der gestrigen Präsentation der Windkraftstudie entgegen: «Ich habe mich dazu entschlossen, bereits die breite Öffentlichkeit zu informieren, weil ich der Meinung bin, dass sich zuerst die potenziellen Investoren für Windkraftanlagen melden sollten.» Den «notwendigen und unabdingbaren Dialog» wolle der Kanton dann im Anschluss gewährleisten «und erst dann den Bewilligungsprozess starten».

Pro Natura will Güterabwägung

Kantonsplaner Martin Kolb ist sich des Konflikts zwischen Klima- und Landschaftsschutz bewusst, meint aber: «Wenn jeder Kanton etwas zur Energiewende beitragen kann, soll er das machen.» Nach der Logik der SL, Windenergie lohne sich in der Schweiz nicht, dürften Windparks nur noch an der Nordsee stehen. Die Prüfung der BLN-Gebiete laut Motion verteidigt Kolb auch als eigenes Anliegen des Kantons: «Es gibt noch keine Definition eines konkreten Schutzgedankens dieser Gebiete. Wir können nicht einfach eine Käseglocke darüberstülpen.»

Dem stimmt Pro Natura zu: Auch für Präsidentin Mirjam Würth sind BLN-Gebiete nicht grundsätzlich tabu. Für jeden einzelnen Standort müsse es eine Güterabwägung geben, analog zur Wasserenergie, wo sich Pro Natura zum Beispiel auch gegen ineffiziente Kleinkraftwerke an der Birs wehre und dafür eine Ausbaggerung des Rheines fordere. Einig ist sich Würth aber mit Müller, dass der Kanton die Naturschutzverbände stärker in die Planung hätte einbeziehen sollen.