Landrat
Landschreiber Achermann: «Die letzten zwei Jahre waren happig»

Nach zwei Jahren tritt er schon zurück, weil er sich überfordert fühlt: Der Baselbieter Landschreiber Alex Achermann erklärt im Interview, wieso das Klima im Landrat rauer geworden ist und was er in den letzten zehn Jahren seines Berufslebens macht.

Leif Simonsen
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Alex Achermann zu Kritik an seiner Person: «Natürlich liess mich nicht kalt.»

Alex Achermann zu Kritik an seiner Person: «Natürlich liess mich nicht kalt.»

Kenneth Nars

Herr Achermann, warum haben Sie sich entschieden, als Landschreiber nicht zur Wiederwahl 2014 anzutreten?

Alex Achermann: Der Entscheid ist über längere Zeit gereift. Gefällt habe ich ihn aber erst Anfang Woche – natürlich nicht ohne mich vorher mit Landräten und dem Regierungsrat abzusprechen.

Sie sagten, Sie fühlten sich überfordert.

Ich habe feststellen müssen, dass heute andere Qualitäten gefordert sind. Meine liegen in der Politik und weniger im Organisatorischen. Was die wichtigen organisatorischen Veränderungen angeht, unter anderem im Informatiksektor, bringe ich nicht die besten Voraussetzungen mit.

Inwiefern setzte Ihnen die Kritik zu, die seit Ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren auf Sie niederprasselte? Hinter vorgehaltener Hand sagte man, Sie liessen Führungsstärke vermissen.

Natürlich liess sie mich nicht kalt. Einen Grossteil davon musste ich über die Medien erfahren. Von meinem unmittelbaren Umfeld, dem Landratspräsidenten und der Vizepräsidentin sowie dem Regierungsrat bekam ich kein schlechtes Feedback.

Trotzdem: Der Landrat stellte heute das Findungsverfahren infrage, das zu Ihrer Wahl führte. Sie setzten sich 2011 durch, obwohl die Findungskommission zwei andere Kandidaten vorschlug.

Ich denke, das lief damals unglücklich. Offenbar will der Landrat die Konsequenzen daraus ziehen und dieses Mal mehr Diskretion beim Auswahlverfahren garantieren. Damit würden sich auch mehr Qualifizierte aus ungekündigten Positionen auf die Stelle bewerben. Auf die Stelle des Zweiten Landschreibers bewarben sich ja viel mehr Kandidaten.

Inwiefern hatten Sie Mühe mit dem immer rauer werdenden Klima im Landrat?

Das erschwerte meine Arbeit sehr. Die letzten zwei Jahre waren echt happig – so etwas habe ich in meiner 25-jährigen Tätigkeit auf der Landeskanzlei nicht erlebt. Zum einen mussten riesige politische Geschäfte wie das Entlastungspaket über die Bühne gebracht werden, zum anderen gab es diese Fraktionsausschlüsse und -wechsel, die auch nicht eben zu einem guten Klima beitrugen. Und zuletzt der Hinschied von Regierungsrat Peter Zwick – das alles war sehr dramatisch.

Die Routine aber brachten Sie ja mit. Sie waren lange genug Zweiter Landschreiber gewesen.

Es wurde alles hektischer. Früher war beispielsweise eine Sitzung mit der Ratskonferenz oft eine reine Routineangelegenheit, zuletzt herrschten selbst hier hitzige Diskussionen. Auch habe ich nie erlebt, dass selbst die Kommissionen untereinander in Konkurrenz stehen, wer die Themen behandeln darf.

Womit bringen Sie das in Verbindung?

Ich habe mich oft nach den Gründen gefragt. Eine Erklärung könnte sein, dass mit der SVP seit 2011 die stärkste Partei nicht mehr in der Regierung vertreten ist.

Wohin zieht es Sie selbst?

Ich werde mich für die letzten zehn Jahre meines Berufslebens einer Anwaltskanzlei anschliessen – vorher werde ich mich allerdings noch weiterbilden.

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