Langenbruck
Von grossen Konzernen überholt: Ökozentrum setzt auf soziale statt technische Projekte

Die Forschung zu Industriezwecken wird heruntergefahren, die Zusammenarbeit mit Schulen, Gemeinden und Unternehmen verstärkt. Dafür muss das Ökozentrum in Langenbruck sechs Teilzeitstellen streichen – es stellt aber gleichzeitig neue Stellen im Bereich Bildung in Aussicht.

Kelly Spielmann
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Im Ökozentrum Langenbruck kommt es derzeit zu diversen Veränderungen.

Im Ökozentrum Langenbruck kommt es derzeit zu diversen Veränderungen.

zVg

Richtungswechsel im Ökozentrum in Langenbruck: Statt auf technische setzt es neu stärker auf soziale Innovation, wie einer Medienmitteilung vom Montag zu entnehmen ist. Die Arbeit im Bereich Forschung und Entwicklung wird reduziert, diejenige in Gemeinden, Schulen und Unternehmen ausgebaut. Damit geht auch ein Personalabbau einher – sechs Teilzeitstellen mussten gestrichen werden, wie Mediensprecherin Rebekka Ebneter auf Anfrage sagt.

Die Neuausrichtung sei eine Reaktion auf den «Megatrend Klimawandel». Ebneter: «In den letzten Jahren ist in der Klimapolitik vieles passiert, was direkte Auswirkungen auf die Forschungslandschaft hat. Sehr grosse Forschungseinrichtungen beschäftigen sich vermehrt mit nachhaltigen Lösungen für die Industrie.» Durch diese Entwicklung, die Ebneter zwar erfreulich nennt, sei für das Ökozentrum aber auch eine neue Konkurrenzsituation entstanden:

«Als kleine Organisation ohne Basisfinanzierung wurde es zunehmend schwierig, Projekte zu finanzieren.»

Technische Innovation benötige aber finanzielle Reserven, über die das Ökozentrum nicht mehr ausreichend verfüge. «Dadurch war dieser Entscheid für das Fortbestehen des Ökozentrums notwendig.» Der Entschluss wurde im Mai gefasst.

Nachhaltigkeit in der Gesellschaft – wie geht das?

Für die Forschung für Industriezwecke bedeutet dies das Ende. Bis Ende des laufenden Jahres werden die Entwicklungstätigkeiten mit Industriebezug komplett heruntergefahren. Zwei Ingenieure bleiben weiterhin im Team. Die Tätigkeiten, welche Forschung und Wirtschaft vernetzen, werden teilweise weitergeführt. Ebneter nennt beispielsweise das Themengebiet der Negativemissionstechnologien – Technologien, die der Erdatmosphäre dauerhaft Kohlendioxid entziehen.

Doch das Hauptgeschäft des Unternehmens soll künftig der Bereich Bildung und Gesellschaft sein. Im Bildungsbereich arbeitet das Ökozentrum neben der Forschung bereits seit mehreren Jahren.

«Dabei geht es uns darum, eine Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit in der Gesellschaft zu bewirken»,

so Ebneter. «Aber wie macht man das? Was sind wirksame Mittel für eine langfristige Veränderung von Gewohnheiten?» An Fragen wie diesen wolle man in Zukunft forschen und sie in den Bildungsprojekten behandeln.

In Schulen setzt man weiterhin auf bereits etablierte Angebote wie Klima-Energie-Erlebnistage, «Konsumglobal» – eine Stadtführung, die die globalen Effekte lokalen Konsums aufzeigt – oder neu «Globulo», ein Projekt für kulturelle Umweltbildung.

In Gemeinden arbeite man mit demselben erlebnisorientierten Ansatz – in Pratteln vereint ein Pilotprojekt so Schule und Gemeinde: Schülerinnen und Schüler dürfen dabei aus Gelerntem eigene Ideen kreieren und diese in der Gemeinde umsetzen. «Einerseits erleben so die Schülerinnen und Schüler, dass sie etwas bewirken können. Und nichts motiviert besser als die Erfahrung, dass man etwas bewirken kann», so Ebneter. Andererseits mache die Gemeinde mit ihrer Bevölkerung einen Schritt in Richtung gelebter Nachhaltigkeit, «was mit Lebensqualität gleichzusetzen ist».

Auch die Geschäftsleitung erfährt Veränderung

Nun möchte sich das Ökozentrum auch stärker auf Unternehmen konzentrieren. Dies mit Belegschaftsformaten, die die Themen Energie, Klima und Ressourcen behandeln. Viele Unternehmen setzten sich ehrgeizige Ziele in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit und die vom Bundesrat gesetzten Klimaziele. Ebneter:

«Eine Herausforderung ist, die Mitarbeitenden auf dieser Reise mitzunehmen. Hier bieten wir Hand.»

Für den Bereich Bildung wolle man im Ökozentrum aufgrund der gesteckten Ziele in Zukunft auch neue Stellen schaffen. Aktuell lege man den Fokus jedoch bis sicher Ende des Jahres auf den Änderungsprozess.

Neben dem thematischen Richtungswechsel kommt es auch zu Veränderungen in der Geschäftsleitung. Christoph Seiberth, der 15 Jahre lang Geschäftsleiter war, habe seinen Fokus unter anderem auf die Lösungsfindung von Forschung und Entwicklung gelegt. «Nun hat der Stiftungsrat eine Lösung gefunden und Christoph Seiberth möchte sich neuen Herausforderungen stellen», erklärt Ebneter. Die Geschäftsleitung übernimmt neu Linda Jucker. Sie war bisher die Stellvertreterin Seiberths – und, passend zum neuen Ziel des Ökozentrums, Leiterin der Abteilung Bildung und Gesellschaft.