Gelterkinden
Lärm, Alkoholexzesse, Wildpinkeln und Littering: Am Cherusgälti gibts jetzt Einlasskontrollen

Der traditionelle Gelterkinder Fasnachtsabschluss Cherusgälti stand wegen einer Anwohner-Petition auf der Kippe. Nun bewilligt der Gemeinderat die Riesensause auch für 2020. Allerdings mit strikten Auflagen.

Michael Nittnaus
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Der Cherusgälti wuchs von Jahr zu Jahr. Das wurde zuletzt zum Problem.

Der Cherusgälti wuchs von Jahr zu Jahr. Das wurde zuletzt zum Problem.

zvg

Der Cherusgälti 2019 brachte das Fass zum Überlaufen. Über 6000 Besucher und 34 Guggen auf sechs Bühnen sorgten in Gelterkinden bis um drei Uhr morgens für ein feuchtfröhliches Fest der Superlative – und der Exzesse. Zu später Stunde urinierten oder erbrachen angetrunkene Festbesucher in Hauseingänge und an Fassaden, hinterliessen auf den Strassen Abfallberge und verstreuten Scherben weit über das Festgelände hinaus. Zusammen mit dem frühmorgendlichen Lärm wurde es mehreren Anwohnern zu viel. Sie reichten im Juli eine Petition mit 368 Unterschriften ein, dass der Gelterkinder Fasnachtsabschluss stark eingeschränkt werden müsse.

Dadurch sah das Organisationskomitee um Stephan Béhé kurzzeitig gar den ganzen Anlass gefährdet, der am 7. März 2020 zum achten Mal stattfinden soll. Doch nun steht fest: Der Cherus wird durchgeführt. Auf Anfrage der bz sagt Gemeinderat Stefan Degen: «Wir haben den Anlass grundsätzlich bewilligt.» Allerdings fügt er an: «Die Frage ist, ob das OK mit den Auflagen leben kann.» Der Gemeinderat sei in den letzten Wochen mit den Organisatoren in Kontakt gestanden. Das Resultat ist ein Kompromiss. Gewisse Forderungen der Petition seien übernommen worden, andere nicht, so Degen. Ins Detail möchte er noch nicht gehen, da die offizielle Antwort ans Petitionskomitee noch nicht abgeschickt wurde.

Anlass endet um zwei statt um drei Uhr morgens

Wer bereits Bescheid weiss, ist Organisator Béhé. «Ich bin sehr erleichtert, dass wir nun die Bewilligung haben. Für die Fasnachtsszene der ganzen Region wäre das Aus des Cherusgälti ein herber Verlust gewesen», sagt er. Doch was wird sich konkret ändern? Schliesslich forderte die Petition eine Beschränkung auf 15 Guggen. Statt um drei Uhr morgens solle beim Cherus um ein Uhr Lichterlöschen sein und das letzte Guggenkonzert solle um Mitternacht statt um ein Uhr zu Ende gehen.

«Eine Beschränkung der Spielzeit der Guggen oder auch der Anzahl Bühnen konnten wir abwenden», sagt Béhé. Aber der ganze Anlass werde eine Stunde früher, um zwei Uhr, beendet. Grosse Auswirkungen dürfte die Eingrenzung des Festperimeters haben. Erstmals wird es am Cherusgälti Ein- und Ausgangskontrollen geben. «Damit wollen wir unter anderem sicherstellen, dass keine Glasflaschen auf das Gelände kommen», sagt Béhé. Neu eingeführt wird ein Depotsystem mit Mehrwegbechern. Das Ziel: ein Drittel weniger Abfall. Dieser soll zudem dank viel mehr und grösseren Abfallbehältern seltener auf der Strasse landen. Gut 60 statt 50 WC-Anlagen, die auch besser platziert würden, sollen das Wildpinkeln eindämmen. Fest stehe zudem, dass eine der sechs Bühnen und damit der ganze Festperimeter etwas verschoben wird. «So hoffen wir, dass weniger Anwohner betroffen sind», sagt Béhé. All diese Anpassungen haben ihren Preis: «Sie sind mit massivem Mehraufwand verbunden, auch finanziell», so Béhé.

Petenten wurden noch nicht informiert

Für Gemeinderat Degen ist das Resultat eine Win-Win-Situation: «Jetzt haben wir eine sehr gute Lösung für die Besucher, das OK, die Gemeinde und auch für die Anwohner gefunden.» Er zeigt sich überzeugt, dass das Gesamtpaket an Massnahmen eine grosse Verbesserung für die Anwohner bringen werde.

Wie zufrieden die Petenten sind, ist noch offen. Wortführerin Vreni Weber-Thommen erfährt durch die bz von den Anpassungen, möchte aber vor einer Stellungnahme erst das offizielle Schreiben des Gemeinderats abwarten und sich mit den anderen Komiteemitgliedern besprechen.