Fracht-Flugzeuge
Lärmende Flieger sorgen im Rat für rote Köpfe

Die Regierung soll «ärgerlich laute» Fracht-Flugzeuge entfernen. Den politischen Dauerbrenner Fluglärm arbeiten sich diverse Politiker ab. Der zuständige Regierungsrat Adrian Ballmer verweist lieber auf tiefere Werte von 2009.

Jürg Gohl
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«Die Botschaft hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube.» Hanspeter Frey, eben noch höchster Baselbieter, zitiert in seinem Fazit zum Bericht der Fluglärmkommission «Faust». Zum neunten und wohl letzten Mal in seiner politischen Karriere in Liestal musste sich der Freisinnige mit den Zahlen zur Lärmbelastung auseinandersetzen, die der Euroairport Basel mit seinem Flugverkehr in der Agglomeration auslöst. Frey vermisst im Bericht Fortschritte, denn noch immer gibt es, wie er in Erinnerung ruft, in Allschwil Zonen, in denen nicht gebaut werden kann, weil dort Lärmgrenzwerte verletzt sind.

Frey forderte gestern seine Ratskolleginnen und -kollegen auf, «weiterhin Druck zu machen», Druck darauf, dass die Ost-West-Piste endlich verlängert und die Nachtflugsperre den Zürcher Rahmenbedingungen angepasst werde.

Frey legte sich mit seinem Aufruf mit dem eigenen Regierungsrat, mit dem Freisinnigen Adrian Ballmer, an. Doch beim politischen Dauerbrenner Fluglärm ist das Parteibüchlein zweitrangig, da verbünden sich die Leidensgenossen. So findet die klare Mehrheit der SVP den Bericht der Fluglärmkommission, die von Baselland und Basel-Stadt eingesetzt ist, um primär eine Zunahme der Fluglärmbelastung für die Region zu verhindern, ganz in Ordnung. Doch ihr Mitglied Hanspeter Weibel – Wohnort Bottmingen – findet, dass die Kommission «ihren Job» nicht erledigt habe, die Resultate zu wenig fein seien und deshalb das Ganze dem Adressaten zurückzuweisen sei.

Felix Keller, Fraktionschef der CVP und auch in Allschwil daheim, ist um weniger Lärm in der Debatte bemüht, regt aber gleichwohl zaghaft an, wenigstens die Jumbos, heute «ein altes, lautes Flugzeug», wegzukriegen. Denn Keller weiss, dass Allschwil nicht nur unter dem Fluglärm leidet, sondern seiner Flugplatz-Nähe auch einen beneidenswerten wirtschaftlichen Aufschwung verdanke.

Ballmers Ärger über anderen Lärm

Seine Parteikollegin Agathe Schuler, Binninger Anwohner-Vertreterin in der Fluglärmkommission, lenkt die Aufmerksamkeit weg von den erfreulichen Zahlen für 2009 mit 75000 Flugbewegungen, dem tiefsten Stand seit 15 Jahren, und 8 Prozent Südanflügen. «Im ersten Halbjahr 2010 sind es 15 Prozent, und der lärmige Frachtverkehr ist zurück.»

Der zuständige Regierungsrat Adrian Ballmer, der selber im Verwaltungsrat des Flughafens sitzt, hebt nochmals die tieferen Werte von 2009 hervor. «Umso mehr zugenommen hat dafür der Lärm um den Euroairport, der hier im Landrat und in den Medien verursacht wird.»

Er stellt auch verschiedene Massnahmen vor, um die Lärmbelastung zu senken. 13 an der Zahl wurden bereits eingeführt, unter anderem über Lenkungsabgaben. Und eine weitere könnte bald folgen: Gemäss Ballmer will der Euroairport zwei besonders lärmigen Frachtflugzeugen den Tarif erklären. Das alles zeitigt offenbar Erfolg. «Die Summe des Fluglärms hat eindeutig abgenommen», betont Ballmer nochmals.

Versprochen ist auch, dass sich die Regierung darum bemüht, das Nachtruhefenster den erweiterten Zürcher Eckwerten (23 bis 6 Uhr) anzupassen. Doch der Grüne Simon Trinkler aus Allschwil, der das Flughafen-Dossier von der zurückgetretenen Madeleine Göschke (Oberwil) geerbt hat, misstraut. «Der Euroairport kann jetzt profitieren und reibt sich die Hände.» Sein Allschwiler Kollege hätte das auch mit Goethe ausgedrückt.