Liestal
Lässt Liestal das Wasser bald bergauf fliessen?

Der Stadtrat entscheidet demnächst, ob Liestaler künftig auch Wasser von talabwärts trinken, weil ein Pumpwerk in der Liegewiese des Schwimmbads wohl keine Konzessionsverlängerung erhält.

Andreas Hirsbrunner
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Wasser wird in Liestal auch fliessen, wenn das Pumpwerk Gitterli abgestellt wird. Die grosse Frage ist nur, woher es kommt. Martin Töngi

Wasser wird in Liestal auch fliessen, wenn das Pumpwerk Gitterli abgestellt wird. Die grosse Frage ist nur, woher es kommt. Martin Töngi

Martin Toengi

Soll Liestals Trinkwasser weiterhin von talaufwärts oder auch von talabwärts kommen? Vor dieser Frage steht der Liestaler Stadtrat. Gegenwärtig laufen noch letzte Gespräche und Abklärungen, im Mai will die Exekutive entscheiden. Auslöser ist das Pumpwerk Gitterli, dessen Konzession im Jahr 2017 ausläuft. Und weil der Kanton die Konzession nur erneuert, wenn eine genügend grosse Schutzzone um das auf der Liegewiese des Schwimmbads stehende Pumpwerk ausgeschieden wird, muss sich Liestal wohl oder übel von diesem Pumpwerk verabschieden, das mehr als einen Drittel des Liestaler Wasserbedarfs aus dem Untergrund holt.

Denn an eine Ausdehnung der heutigen, zu kleinen Schutzzone ist inmitten des Siedlungsgebiets mit etlichen Konfliktherden nicht zu denken. Doch solange die Wasserqualität stimme und Liestal alle möglichen Schutzmassnahmen umsetze, toleriere der Kanton den Standort «auf Zusehen hin» auch über das Konzessionsende hinaus, sagt Achim Benthaus, Leiter der Wasserversorgung beim kantonalen Amt für Umweltschutz und Energie.

Für die Liestaler Stadträtin und Wasserchefin Regula Nebiker ist klar, dass Liestal das «qualitativ einwandfreie» Grundwasser vom Pumpwerk Gitterli – einem von drei – so lange wie möglich nutzt. Investitionen sollen aber keine mehr getätigt werden.

Liestal schielt nach oben

Nebiker sieht zwei Ersatzmöglichkeiten: «Entweder tut sich Liestal mit Bubendorf zusammen oder beteiligt sich am Regionenverbund der Gemeinden Frenkendorf-Füllinsdorf-Pratteln-Muttenz.» Letzteres stand in Liestal schon einmal zur Diskussion und wurde 2010 vom Stimmvolk mit einem Nein-Anteil von 61 Prozent abgelehnt. Ausschlaggebend waren die Beteiligungskosten von 1,2 Millionen Franken und die infrage gestellte Qualität des Hardwassers. Nebiker gehörte damals als SP-Fraktionschefin im Einwohnerrat zu den treibenden Kräften gegen einen Anschluss an den Verbund. Auch heute ist diese Option für sie sekundär.

Nebiker sagt: «Klar ist aber, dass die Zeit, in der jede Gemeinde ihre eigene Wasserversorgung betrieb, vorbei ist. Liestal hat deshalb das Gespräch mit dem Wasserverbund Bubendorf-Seltisberg-Lupsingen gesucht.» Im Vordergrund stehe nun der Bau eines neuen Pumpwerks im Gebiet Gräubern oder ein Ausbau des bestehenden Pumpwerks Unterbergen in Bubendorf, beides zusammen mit diesem Wasserverbund.

Beim Kanton hält man das für einen gangbaren Weg, obwohl ein Anschluss von Liestal an den Regionenverbund bevorzugt würde. Benthaus: «Von der Versorgungssicherheit her wäre es sinnvoll, eine Verbindungsleitung von Muttenz bis nach Lausen zu schaffen.» Nebiker antwortet mit einer Frage: «Wieso sollen wir Wasser zum teuren Hardwassertarif zu uns heraufpumpen, wenn bei uns zwei Grundwasserströme zusammenfliessen?»

Damit spielt sie auf die vorhandenen Ströme unterhalb der Bachbette der Ergolz und der Frenke an, was Liestal in eine relativ komfortable Situation versetzt: Sollte es im Ergolztal zu einer Grundwasserverschmutzung kommen, kann Liestal sein bestehendes Pumpwerk Alte Brunnen an der Grenze zu Lausen abstellen und ganz auf das Wasser aus dem Frenkental setzen. Dort besitzt Liestal bereits das Pumpwerk Helgenweid auf Hölsteiner Boden und künftig je nach Entscheid eben die Möglichkeiten zusammen mit dem Wasserverbund Bubendorf-Seltisberg-Lupsingen.

Sollte es umgekehrt zu einer Gewässer-Havarie in einem der beiden Frenkentäler kommen – ein Risiko, das dank der vom Kanton geplanten Investitionen in eine verbesserte Abwasserreinigung sinken wird –, hat Liestal noch das Ergolz-Grundwasser vom Alte Brunnen-Pumpwerk.

Alte Zähler werden ersetzt

Zudem will der Kantonshauptort unabhängig vom Grundsatzentscheid, woher sein Wasser künftig fliesst, die stillgelegte Verbindungsleitung zu Lausen reaktivieren, was das Risiko eines Wasserengpasses verkleinert. Im Weitern fasst Liestal noch eine Handvoll Quellen, die aber nur marginal zur Wasserversorgung beitragen. An einem sommerlichen Spitzentag braucht Liestal 7700 Kubikmeter Wasser. Dazu kommen 1600 m3, die Liestal vertraglich an Arisdorf, Nuglar und Seltisberg abgeben muss. Diesen Bedarf decken die Pumpwerke Gitterli mit 3600, Alte Brunnen mit 4700 und Helgenweid mit 1000 m3 Grundwasser.

Nebiker will noch an einer andern Wasserbaustelle arbeiten: Liestal verzeichne seit Jahren 20 bis 30 Prozent Wasserverluste. Grund dafür seien undichte Leitungen, aber auch überalterte Zähler. Deshalb würden in diesem Jahr eine grosse Zahl Zähler, die nachweislich nicht den ganzen Durchlauf messen, ersetzt. Nebikers Ziel: «Wir wollen die Wasserverluste langfristig auf unter 15 Prozent senken.»

Und dann steht noch das Minenfeld der Gebührenüberarbeitung an: Vor vier Jahren intervenierte der eidgenössische Preisüberwacher, weil die angepeilte Gebührenerhöhung zu hoch war, worauf der Stadtrat seine Vorlage zurückzog. Die künftigen Wassergebühren hängen nicht zuletzt davon ab, für welche Wasserversorgungsvariante sich der Stadtrat und später der Einwohnerrat entscheiden; Zahlen zu den verschiedenen Varianten kann Nebiker heute noch keine nennen.