Pratteln
Lastwagen versperren Zufahrten: Die Terrorangst hat das Konzertlokal Z7 erfasst

Die Prattler Konzertfabrik Z7 blockiert bei Anlässen die Zufahrtsstrasse mit einem Lastwagen – als Anti-Terror-Massnahme. Z7-Betreiber Norbert Mandel hält seine Adresse für stark exponiert.

Benjamin Wieland
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«Wir tun, was wir können»: Die Z7-Konzertfabrik arbeitet mit Fahrzeugen als «Prellböcke» gegen potenzielle Terrorfahrten.

«Wir tun, was wir können»: Die Z7-Konzertfabrik arbeitet mit Fahrzeugen als «Prellböcke» gegen potenzielle Terrorfahrten.

NIZ

Die Terror-Angst ist beim Z7 angekommen. Die Hallenbetreiber blockieren im Umfeld von Konzerten die Zufahrtsstrasse mit Lastwagen. So sollen mögliche Anschläge mit Fahrzeugen verhindern werden – bei Anlässen halten sich auf dem Gelände rund um das Veranstaltungslokal nicht selten mehrere hundert Personen auf. Ausverkauft fasst die ehemalige Lagerhalle bis zu 1600 Personen.

«Wir tun, was wir können», sagt Z7-Betreiber Norbert Mandel zur bz. «Wir haben die Blockaden im Juni eingeführt, kurz zuvor war wieder ein Anschlag, derjenige in London, als drei Attentäter mit einem Lieferwagen in Fussgänger gerast waren.» Man habe zwar keine Warnungen oder gar Drohungen erhalten, sagt Mandel. «Aber wir sind als bekannte Konzerthalle halt doch stark exponiert.»

Mandel und sein Team veranlassen jeweils, dass auf der Kraftwerkstrasse zwei eigene Lastwagen abgestellt werden, unter anderem beim Zurlinden-Kreisel, südlich des Konzertlokals und bei der Kreuzung in der Nähe der Überführung der Autobahn A2.
So war es auch, als die bz vor einem Konzert einen Augenschein nahm: Je ein zweiachsiger Lastwagen stand quer auf der Kraftwerkstrasse.

Pratteln bewilligt Sperren

Z7-Chef Norbert Mandel sagt, die Massnahme sei mit der Gemeindepolizei abgesprochen. Tatsächlich war es die Gemeinde, die zu den «Prellböcken» ihre Einwilligung gegeben hat. Denn die betroffene Strasse, die Kraftwerkstrasse, gehört der Gemeinde. Nur ein kürzerer Abschnitt befindet sich in Privateigentum. «Die Strassenblockaden sind Teil der Bewilligungen für die Konzerte», sagt Urs Hess, der für den Bereich Sicherheit zuständige Prattler Gemeinderat. «Das gilt aber nur für den Zeitraum der Veranstaltung plus ein paar Stunden vorher und nachher. Ansonsten müssen die Strassen passierbar bleiben.»

Das Z7 hat auch weitere Massnahmen getroffen. So dürfen keine grösseren Taschen auf das Gelände mitgebracht werden. Vor Anlässen ist am Zurlinden-Kreisel eine Aufsichtsperson postiert, Schilder weisen die Konzertgäste darauf hin, dass sie grössere Taschen kostenlos deponieren können.

Im Prattler Einwohnerrat haben die Blockaden im Gewerbegebiet bereits zu einer geharnischten Anfrage geführt. Ein Einwohnerrat wollte Ende Oktober vom Gemeinderat wissen, was es mit dem «Fuhrpark» auf sich habe. Hess sagte damals gemäss «Prattler Anzeiger», dass diese Fahrzeuge «aufgrund polizeilicher Empfehlungen als taktische Blockade» aufgestellt worden seien. Das Z7 geniesse einen internationalen Bekanntheitsgrad, wird Hess zitiert. Daher gelte es, möglichen terroristischen Attacken Hindernisse in den Weg zu stellen.

Beton-Elemente keine Option

In Basel werden seit dem Anschlag von Nizza vom Juli 2016 immer wieder Polizeifahrzeuge und Beton-Barrieren zur Absicherung von Strassen verwendet. Bei den Beton-Elementen handelt es sich jeweils um die so genannten New-Jersey-Wände, schmale, etwa eineinhalb Meter lange und rund einen Meter hohe Beton-Elemente.

Urs Hess kennt die Sperren aus Beton gut. Er ist Leiter des Geschäftsbereichs Kantonsstrassen beim Kanton Baselland. Er hält diese Arten von Blockaden jedoch für nicht geeignet für die Bedürfnisse des Z7. «Die Fahrzeuge können bewegt werden. Es muss garantiert sein, dass die Strassen für Rettungsfahrzeuge passierbar bleiben. Bei Beton-Elementen wäre das nicht der Fall, und das Z7 hätte derzeit keine Möglichkeit, diese in sinnvoller Zeit zu verschieben. Darum ziehen wir quer über die Fahrbahn abgestellte Autos oder Busse vor.»

Zwar ist die Gefahrenabwehr grundsätzlich Sache von Kanton und Bund. Die Baselbieter Polizei schreibt, dass man Veranstaltern gerne beratend zur Seite stehe. Allerdings habe man in der Vergangenheit keine Anfragen wie für die Situation wie in Pratteln erhalten.
Mandel sagt, die Sperren würden «bis auf weiteres» beibehalten. Die Lastwagen hätten dabei auch einen angenehmen Nebeneffekt: Sie würden den Durchgangsverkehr unterbinden. Weil es sich um ein Gewerbegebiet handle, würden viele Fahrer die Verkehrsregeln sehr tolerant auslegen. «Früher raste auch mal ein Lieferwagen vor der Halle durch. Auch solche gefährlichen Situationen können wir jetzt bannen.»