Startkapital
Laubholz als Baustoff – Projekt droht an fehlendem Kapital zu scheitern

Die von der Waldwirtschaft gegründete Fagus Jura SA hat bis hin zum politischen Beifall alles für die Produktion von Bau-Elementen aus Buchenholz – doch es fehlen 2,5 Millionen Franken beim Startkapital.

Daniel Haller
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An der Swissbau, der Leitmesse der hiesigen Bauwirtschaft, wird in Basel vom 12. bis 16. Januar ein spektakulärer Pavillon aus Buchenholz präsentiert. Hier befindet er sich noch im Aufbau.

An der Swissbau, der Leitmesse der hiesigen Bauwirtschaft, wird in Basel vom 12. bis 16. Januar ein spektakulärer Pavillon aus Buchenholz präsentiert. Hier befindet er sich noch im Aufbau.

Kenneth Nars

Es ist grotesk: Da haben Leute eine innovative Idee. Da zeigt sich die Politik offen – zumindest spricht Bundesrätin Doris Leuthard begeistert vom Laubholz als Baustoff. Da liegt der volkswirtschaftliche Nutzen auf der Hand, wenn man die Waldwirtschaft als Holzproduzent erhalten will. Und da liegt ökologisch die Idee voll im Megatrend der CO2-Reduktion, wie sie auf internationalen UNO-Konferenzen ausgehandelt wird, um das globale Klima nicht noch mehr aufzuheizen. Da ist die Technologie vorhanden. Und Geld ist in derartigem Überfluss auf dem Markt, dass man froh sein muss, wenn einem nicht Negativzinsen abgeknöpft werden.

Trotzdem droht die innovative, politisch willkommene, volkswirtschaftlich sinnvolle, ökologisch erwünschte und technisch mögliche Idee ausgerechnet am fehlenden Geld zu scheitern: 10 Millionen Franken benötigt die Fagus für die erste Etappe der nötigen Investitionen, um die Produktion von Bau-Elementen aus Buchenholz aufzunehmen. 5 Millionen sollen als Fremdkapital einfliessen, nicht zuletzt über das Programm «Neue Regionalpolitik» des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Von den 5 Millionen Eigenkapital fehlen aber noch 2,5 Millionen Franken.

Dahinter stehen die Waldbesitzer

Gegründet wurde die Fagus Jura SA im Mai 2014 unter anderem durch die von der Nordwestschweizer Waldwirtschaft getragene Raurica Wald AG aus Liestal. Daneben sind die Zürich Holz AG und die Corbat AG aus Vendlincourt (JU) als Hauptinvestoren eingestiegen. Als kleinere Investoren beteiligt sind Waldbesitzer-Verbände unter anderem aus den Kantonen Aargau, Solothurn und Jura sowie Holzbauingenieure und -firmen. Ziel ist es, auf dem Areal der Sägerei Corbat in Vendlincourt ein Werk für die Produktion von Baustoffen aus Buchenholz zu betreiben. Damit könnten in einer Randregion 40 neue Arbeitsplätze entstehen. In der Holz-Zulieferkette würden bestehende Jobs in der Wald- und Transportwirtschaft erhalten.

«Dass Buche Zukunft hat, zeigt die deutsche Firma Pollmeier, die gerade wieder massiv ausgebaut hat», erklärt Fagus-Geschäftsführer Stefan Vögtli aus Lupsingen. Pollmeier bezeichnet sich als führender Bau-Buchenproduzent Europas und wird mit den Platten aus Buchenfurnieren kommende Woche auch an der Messe Swissbau auftreten. Fagus plant dagegen die Produktion verleimter Massivholz-Balken und -Platten. «Dafür ist weniger Leim und Chemie nötig», meint Vögtli.

Rechtzeitiger Markteintritt

Der vor einem Jahr von der Nationalbank freigegebene Eurokurs sei einer der Gründe, weswegen Fagus noch nicht weiter ist: «Importiertes Holz wurde auf einen Schlag 10 bis 15 Prozent billiger.» Dies lasse potenzielle Investoren zögern. «Holzbaufirmen signalisieren zwar Interesse am Produkt, aber ihr Kapital stecken sie lieber in eigene Maschinen.» Raurica habe die Aktienkapitalerhöhung bereits beschlossen. «Ideal wären Investoren aus der ganzen Wertschöpfungskette», kommentiert Vögtli. Im besten Fall reagiert der Markt auf den Buchen-Pavillon so positiv, dass die Nachfrage schneller wächst als Fagus mit ihren durch Kapitalmangel bedingten Startschwierigkeiten. Wenn sich Ingenieure und Architekten erst einmal an die Werkstoffe aus dem Ausland gewöhnt hätten, würde der Markteintritt für Fagus umso schwieriger, fürchtet Vögtli den Vorsprung der Konkurrenz.

Und steigt die Buchenholz-Fabrik der Waldbesitzer vorerst nur klein ein, erreicht sie die kritische Grösse kaum: «Baumaterial muss man schnell liefern können. Dafür müssen die Hölzer trocken und bereits gesägt am Lager liegen, damit wir sofort kundenspezifisch die Bestellungen abarbeiten können», erklärt Vögtli die Wünsche des Markts. Deshalb hofft er, durch den Demonstrations-Pavillon an der Basler Baumesse nicht nur Kunden zu finden, sondern auch Investoren: «Schön wäre ein Mäzen mit Affinität zur Nachhaltigkeit oder ein Holz-Industrieller, der das enorme Potenzial erkennt.»

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