Fall Gaugler
Lausner Gemeinderätin widerlegt entlastende Argumente Gauglers

Daniela Gaugler droht neues Ungemach: Die Lausner Gemeinderätin Nicole Thüring widerlegt Aussagen Gauglers, wonach Thüring im Haus in der Gewerbezone wohnen dürfe, weil sie ihr im dortigen B&B aushelfe. Sie hätte mit dem Betrieb nichts zu tun.

Michael Nittnaus
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Wird dieses Gebäude in der Lausner Gewerbezone zonenkonform genutzt oder nicht? Dies muss das Baselbieter Bauinspektorat klären.

Wird dieses Gebäude in der Lausner Gewerbezone zonenkonform genutzt oder nicht? Dies muss das Baselbieter Bauinspektorat klären.

Nicole Nars-Zimmer

Jetzt gilt es ernst. Gestern – und damit am letzten Tag der verlängerten Frist – haben Daniela und Christoph Gaugler über ihren Anwalt die verlangten Dokumente an das Baselbieter Bauinspektorat geschickt. Dies bestätigt Christoph Gaugler auf Anfrage der bz. Das bedeutet, dass das Bauinspektorat nun alle Informationen beisammen hat, um die Situation rund um Gauglers Liegenschaft an der Kanalstrasse 17 in der Lausner Gewerbezone beurteilen zu können.

Es steht also bald fest, ob das Bed & Breakfast mit seinen teilweise jahrelang residierenden Gästen zonenkonform ist. Das Gleiche gilt für die voll ausgebauten Mietwohnungen, die in einer Gewerbezone nur mit Sonderbewilligungen und mit einer standortgebundenen Tätigkeit erlaubt wären. Das Bauinspektorat will sich für den Entscheid allerdings noch keinen Zeitrahmen setzen, wie Dieter Leutwyler, Sprecher der Bau- und Umweltschutzdirektion, mitteilt.

Thüring hat nichts mit B & B zu tun

Neue Aussagen einer Bewohnerin der Kanalstrasse 17 widerlegen nun allerdings frühere Argumente von Landratspräsidentin Daniela Gaugler. Nach einer längeren Ferienabwesenheit konnte die bz gestern die Lausner Gemeinderätin Nicole Thüring erreichen. Sie wohnt in einer voll ausgebauten Mietwohnung. Mitte Juli liess sich Gaugler in der bz wie folgt zitieren: «Frau Thüring ist nachts und in meinen Ferien Ansprechperson im Bed & Breakfast.» Damit hofft Gaugler, dem kantonalen Raumplanungs- und Baugesetz zu entsprechen. Nun stellt Thüring ohne zu zögern klar: «Ich habe und hatte nie Berührungspunkte mit dem B & B.» Sie habe seit Jahren ein normales Mietverhältnis mit Mietvertrag.

Damit bröckelt ein gewichtiges Argument von Gaugler bedenklich. Nämlich dass die Nutzer aller vollwertigen Mietwohnungen im Haus wegen irgendeiner betrieblichen Aufgabe – sei es beim B & B oder als selbstständig Erwerbende – vor Ort wohnen müssen. Thüring ist ihre Wohnsituation derweil spürbar unangenehm. Sie betont, dass sie bei ihrem Einzug vor ein paar Jahren «nicht geschnallt» habe, dass Wohnen im Gewerbegebiet nicht gestattet sein könnte. Auch sei sie erst seit einem Jahr Gemeinderätin. «Das Ganze ist einfach unglücklich», sagt sie. Und Thüring fällt noch vor dem Bauinspektorat einen Entscheid: Sie sucht sich bereits eine neue Bleibe.

Die Frage ist nun, ob das Ehepaar Gaugler dennoch entsprechende Bewilligungen vorweisen kann. Und genau das ist ein Teil des Problems: «Wir haben 25 Bundesordner an Korrespondenzen, Gesuchen, Bewilligungen und Bauplänen gesichtet. Die Übersicht zu gewinnen, ist da sehr kompliziert», sagt Christoph Gaugler. Und er fügt offen und ehrlich an: «Im Nachhinein ist man immer schlauer. Vielleicht hätten wir auch ein paar Dinge besser machen können.» Die Liegenschaft an der Kanalstrasse 17 sei aber eben «kein 08/15-Bau». Schliesslich gebe es die ersten beiden Stockwerke schon rund 20 Jahre, die weiteren seien erst später gebaut worden.

Auch Lausen wartet auf Entscheid

Für Gaugler hängt vieles an der Frage, wie lang jemand in einem Hotelbetrieb noch als Gast zählt. Denn die Bewilligung für das B & B liegt bekanntlich vor. Nun wartet er gespannt auf das Bauinspektorat. «Ich habe meinen Teil getan», sagt er und spielt den Ball auch der Gemeinde Lausen zu: «Jeder muss seine Rolle hinterfragen, nicht nur wir.» Gemeindepräsident Peter Aerni hält dazu trocken fest: «Unsere Akten sind auf dem aktuellen Stand.» Sollte aber auch die Gemeinde vom Bauinspektorat belastet werden, sagt Aerni: «Dann ordnen auch wir uns dem unter. Es ist für uns die oberste Instanz.»