Büsserach
Lautstarker Fasnachtsauftakt an der Chesslete in Büsserach

Im Schwarzbubenland hat die Chesslete noch Tradition: 150 Kinder und Jugendliche wecken am frühen Morgen des Schmutzigen Donnerstag mit Trommeln und Rätschen Büsserach.

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Chesslete Büsserach: Guggenmusik Oktaväsumpfer führt den Umzug an
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Chesslete in Büsserach
Kinder und Jugendliche folgen lärmend dem Umzug am Schmutzigen Donnerstag.

Chesslete Büsserach: Guggenmusik Oktaväsumpfer führt den Umzug an

Jürg Jeanloz

Punkt fünf Uhr morgens sind die jugendlichen Fasnächtler in Büsserach nicht mehr zu halten. Sie warten auf den Befehl des Tambourmajors „Guggemusik vorwärts marsch" und legen tüchtig los.

Mit Pfannendeckeln, Rätschen und Trillerpfeifen folgen sie den musizierenden und trommelnden Oktaväsumpfer und sorgen dafür, dass der hinterste Bewohner in Büsserach gnadenlos aus dem Schlaf gerissen wird. Zuerst werden die ruhigen Quartiere im Osten drangsaliert, dann bewegt sich der Umzug lärmend zur Kirche und endet im Industriequartier.

Hauptsache Lärm

Einmal im Jahr darf so richtig auf den Putz gehauen werden, da kennt man kein Pardon. Die Tschütteler haben sogar ihre Vuvuzelas mitgebracht, um noch etwas Fussballfieber ins Dorf zu zaubern. Ebenso sind viele Jagdhörner auszumachen, die offenbar von den Vätern grosszügig zur Verfügung gestellt werden. Wer es einfacher mag, funktioniert grosse Blechbüchsen kurzfristig in Trommeln um. Jedes Kind hat ein Lärminstrument in der Hand und trägt zum hässlichen Konzert bei.

Gegen 150 Kinder und Jugendliche folgen der Gugge durch die dunklen Strassen, lärmen, lachen und treiben allerhand Allotria. Sie tragen ein weisses Hemd, eine Zipfelmütze und ein rotes Halstuch. und geben dem Spektakel etwas Unheimliches und Geisterhaftes. Hier geht ein Licht an, da wird ein Rollladen hochgezogen, trotz Klamauk geniesst die lärmende Gesellschaft grosse Sympathien.

Sind unter den Geweckten einige Bekannte, werden noch einige Dezibel zugelegt. Man will schliesslich er- und anerkannt werden. Steht ein Container im Weg, wird derselbe auch traktiert. Vandalismus kennt man in Büsserach nicht, Erwachsene und Lehrpersonen bilden den Schluss des Umzugs.

Niemand soll das Konzert überhören

Die Oktaväsumpfer legen sich besonders ins Zeug, denn nirgends tönt es so cool wie in den engen Gässchen. An der Passwangstrasse angekommen, kennen die Fasnächtler keine Gnade. Die stinkenden Blechkisten haben sich zu gedulden, bis der letzte Schlurpi die verkehrsreiche Hauptstrasse überquert hat. Zuletzt nimmt die erlauchte Gesellschaft das Industriequartier und die Neumatt ins Visier. Auch hier hat es viele Bewohner, die zur Kenntnis zu nehmen haben, dass die närrische Zeit angebrochen ist. Kein Auge soll an diesem Schmutzigen Donnerstag geschlossen bleiben.

Endstation des fröhlichen Umzugs ist das Schulhaus. Im Saal wird den Frühaufstehern eine kräftige Mehlsuppe kredenzt. Dazu gibt es frische Brötchen und Tee. Bis zum Schulbeginn um sieben Uhr können die Kinder nochmals erzählen, was sie am frühen Morgen alles erlebt haben. Trotz eisglattem Boden und langem Fussmarsch sind die Kinder von dieser Tradition begeistert. Die Fasnachtszeit soll schliesslich in würdigem Rahmen eingeläutet werden.(jjz)