Neues Verfahren
Lehrer dürfen neue Schulleiter nicht mehr in die Zange nehmen

Bisher mussten sich Bewerber für Schulleiterposten oft vor dem Lehrerkonvent exponieren - daskonnten schon mal 100 Lehrer sein, die einem in die Mangel nehmen. Nun soll das Auswahlverfahren nur noch Sache des Schulrats sein.

Michael Nittnaus
Drucken
Teilen
Bisher mussten sich Bewerber für Schulleiterposten oft vor dem Lehrerkonvent exponieren. (Symbolbild)

Bisher mussten sich Bewerber für Schulleiterposten oft vor dem Lehrerkonvent exponieren. (Symbolbild)

Keystone

Für einmal zeigt sich Rolf Richterich vom Regierungsrat positiv überrascht. Der Fraktionschef der FDP hatte gar nicht mehr damit gerechnet, dass die Regierung sich seiner dreieinhalb Jahre alten Motion annimmt. Doch gestern war es soweit: Der Entwurf der entsprechenden Landratsvorlage ging in die Vernehmlassung. «Es geschehen noch Zeichen und Wunder», reagiert Richterich leicht zynisch, als er von der bz informiert wird.

Doch nicht nur der Zeitpunkt, auch der Inhalt der Vorlage überrascht ihn: «Der Regierungsrat ist ja total auf meiner Linie.» Um was geht es? Künftig sollen Kandidaten für einen Posten als Schulleitungsmitglied nicht mehr vor den Lehrerkonvent, den Konventsvorstand oder einen Konventsausschuss vorgeladen werden dürfen. Der Konvent verliert dadurch auch sein Vorschlagsrecht, dem Schulrat als Anstellungsbehörde eine Empfehlung abzugeben.

Datenschutz heute grösstes Problem

Die jetzt gültige Handhabe bringt vor allem zwei Probleme mit sich: Zum Einen gerät der Schulrat unter Druck, wenn er nicht der Empfehlung des Konvents folgt. Und zum Anderen könnte es gewisse Bewerber abschrecken, sich vor – je nach Schule – rund 100 Lehrern zu exponieren, wenn man noch anderswo angestellt ist. Dies schränke laut Richterich die Chancen ein, dass sich besonders gut Qualifizierte bewerben. «Vom Datenschutz her kann das durchaus heikel sein», gibt sogar der Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz der Lehrer, Ernst Schürch, zu bedenken.

Schürch ist dennoch ein Befürworter der heutigen Lösung. «Wenn jemand einen Führungsjob will, dann muss er auch hinstehen können», sagt er trocken. Auch SP-Landrat und Lehrer Martin Rüegg bleibt kritisch: «Es ist wichtig, dass sich alle Lehrer am Konvent ein Bild der möglichen Schulleiter machen können.»

Ganz wegfallen soll der Einbezug der Lehrerschaft jedoch auch nach Meinung der Regierung nicht. So möchte sie ein beratendes Mitwirkungsrecht ins Bildungsgesetz schreiben. Jene Schulratsmitglieder, die über kein Stimmrecht verfügen – Schulleiter, Lehrervertreter und auf Stufe der Sek II Schülervertreter –, werden in den ganzen Auswahlprozess involviert und dürfen am Ende eine Empfehlung an die stimmberechtigten Schulratsmitglieder abgeben. Gegen Aussen sind sie aber an die Schweigepflicht gebunden.

Mehr Lehrer in den Schulrat?

«Die Mitwirkung der Lehrer wird dadurch sogar verbessert», ist Bildungsdirektor Urs Wüthrich überzeugt. Rüegg ist nicht komplett dagegen, merkt aber an: «Am Gymnasium Liestal sitzen fünf Schulleitungsmitglieder und nur ein Lehrer im Schulrat. Dort müsste man aufstocken. Ein Lehrer kann schlecht für 100 sprechen.» Das würde allerdings eine Anpassung der Verordnung bedingen. Zurzeit dürfen maximal zwei Lehrer in den Schulrat. Wüthrich: «Dazu sage ich nicht prinzipiell Nein. Aber ich empfehle dem Gym Liestal, doch erst einmal die heutigen Möglichkeiten auszuschöpfen und einen zweiten Lehrer aufzubieten.»

Aktuelle Nachrichten