Offener Brief
Lehrerschaft der Sek Gelterkinden protestiert gegen Sparmassnahmen

Die Lehrer der Sek Gelterkinden haben sich zusammengetan und sich in einem offenen Brief an Regierung und Landrat gewandt. Darin protestieren sie mit deutlichen Worten gegen die konkreten Auswirkungen der Baselbieter Sparmassnahmen auf ihre Schule.

Michael Nittnaus
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Am Mittwoch in der 10-Uhr-Pause: 28 der 59 protestierenden Lehrer der Sek Gelterkinden um Peter Spinnler (vorne Mitte).

Am Mittwoch in der 10-Uhr-Pause: 28 der 59 protestierenden Lehrer der Sek Gelterkinden um Peter Spinnler (vorne Mitte).

ZVG Sek Gelterkinden

Dass der Unmut in der Baselbieter Lehrerschaft zurzeit gross ist, ist bekannt. Die zahlreichen Sparmassnahmen der Regierung im Bildungsbereich stossen ihr sauer auf. Doch erstmals hat sich praktisch die gesamte Lehrerschaft einer Schule zusammengetan und den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt. Mit einem offenen Brief, der der bz vorliegt, wenden sich 59 Lehrer der Sekundarschule Gelterkinden an Regierung und Landrat. Zieht man von den total 75 angestellten Lehrern jene ab, die im Urlaub oder krankgeschrieben sind sowie die Kleinstpensen, kommt fast eine hundertprozentige Unterstützung zustande. «Gerade einmal zwei Kollegen wollten nicht unterschreiben», sagt Peter Spinnler stolz.

Der 61-jährige unterrichtet seit 25 Jahren an der Sek Gelterkinden und hat die Protestaktion zusammen mit Kollege Carlos de la Fuente organisiert. Er betont aber: «Den offenen Brief zu verfassen, war ein klarer Entscheid des Lehrer-Kollektivs. Wenn nicht die deutliche Mehrheit dafür gewesen wäre, hätten wir es nicht gemacht.»

Nicht im Klassenzimmer sparen

Konkret halten sie im Brief fest, dass den Lehrern «in den letzten Monaten schwerwiegende Konzessionen abverlangt worden sind», dies nicht nur im Zusammenhang mit den Sparmassnahmen, sondern auch wegen der Bildungsharmonisierung. Aufgezählt werden der Stellenabbau auf der Sekundarstufe um 25 Prozent wegen der Umstellung von vier auf drei Sek-Jahre, die Lohnkürzung aller Kantonsangestellten um ein Prozent, die Beibehaltung der ursprünglich zeitlich beschränkten erhöhten Pflichtstundenzahl, der Wegfall der Altersentlastung und der «seit Jahren» ausstehende Teuerungsausgleich.

Diese Massnahmen «gehen in der Summe massiv an die Substanz und setzen die Sozialpartnerschaft zwischen Kanton und Sekundarschule aufs Spiel», heisst es im Brief. Spinnler hält aber fest, dass es ihnen nicht in erster Linie um diesen gewerkschaftlichen Teil der Sparmassnahmen gehe. Sowieso wolle er etwas unbedingt vermeiden: «Wir Lehrer gelten ja immer als gut entlöhnter, wandelnder Ferienprospekt. Diesem Klischee ist kaum beizukommen. Und wir wissen, dass der Kanton sparen muss. Deshalb stehen diese Massnahmen im Brief nicht im Fokus.»

Flüchtlingskinder: Lehrerverein fordert mehr Ressourcen

In der nächsten Zeit dürfte noch eine weitere Belastungsprobe auf viele Lehrer zukommen: Mit den anhaltenden Flüchtlingströmen kommen logischerweise auch viele Kinder und Jugendliche in die Schweiz und ins Baselbiet. Der Lehrerverein Baselland (LVB) fordert deshalb in einer aktuellen Stellungnahme von Bund und Kanton zusätzliche Ressourcen für die Schulen, damit die Kinder integriert werden können. «Der Berufsverband will Flüchtlingskindern einen Zugang zur schulischen Bildung ermöglichen und damit deren Integration fördern. Gelingt dies nicht, sind kulturelle Spannungen und Konflikte zu befürchten», schreibt der LVB.

Allerdings müssten die Kinder im Kanton erst flächendeckend in der deutschen Sprache unterrichtet werden, bevor sie in Regelklassen integriert werden könnten. Der LVB fordert daher die Schaffung von «regionalisierten Empfangsklassen», in denen Deutsch und schulische Kultur unterrichtet würden. Dafür brauche es speziell geschulte Lehrer. Auch seien Betreuungspersonen als Bindeglied zwischen Lebensort und Schule nötig, die die Kinder bei der Sozialisierung unterstützen. Und für traumatisierte Kinder brauche es Fachpersonal. Der LVB sieht die Bringschuld für zusätzliche Ressourcen beim Bund und Kanton. Ausserdem müssten die Mittel für alle Flüchtlinge unabhängig ihres Asylstatus die gleichen sein. (bz)

Gschwind verspricht Augenmass

Für die Umsetzung zuständig ist die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind, auch wenn sie selbst bei der Ausarbeitung der Sparmassnahmen noch gar nicht im Amt war. Gegenüber der bz nimmt sie schriftlich Stellung. Dabei vermeidet sie es, die Sek Gelterkinden direkt anzusprechen: «Die Informationen aus den Schulen nehme ich sehr ernst», schreibt Gschwind. Und: «Dass der Druck auf die Lehrpersonen steigt, ist nicht von der Hand zu weisen.» Die Finanzstrategie der Regierung werde sie mit grösstmöglichem Augenmass umsetzen. Auch wolle sie den Lehrern bedarfsgerechte Rahmenbedingungen für ihre Arbeit bieten, was allerdings eine anspruchsvolle Aufgabe sei. Gschwind betont, dass man unter anderem am Thema Klassengrössen «sehr intensiv» arbeite. Gleichzeitig sagt sie aber auch: «Selbst mit den Sparmassnahmen haben wir im interkantonalen Vergleich konkurrenzfähige Bedingungen.»

Unterstützung erhalten die Gelterkinder Lehrer von Ernst Schürch: «Es ist toll, dass sie als erste den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt haben», sagt der Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrer (AKK). Schliesslich würde das Thema alle Eltern und Kinder betreffen. Die Bemühungen der AKK gingen in dieselbe Richtung. Schürch weiss zudem, dass ähnliche Aktionen in diversen anderen Schulen in Vorbereitung sind. «Der offene Brief der Sek Gelterkinden kann eine Initialzündung sein.»

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