Harmos
Lehrerverein rät Seklehrern von einem Stufenwechsel ab

Was geschieht mit den Sekundarschullehrern, die wegen der Umstellung auf 6 Primar- und 3 Sekundarschuljahre die Stufe wechseln müssen? Auf Primarstufe verdienen sie massiv weniger. Der Kanton hofft trotzdem, dass die Lehrer freiwillig wechseln.

Michael Nittnaus
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Was geschieht mit den Sekundarschullehrern, die wegen der Umstellung auf 6 Primar- und 3 Sekundarschuljahre die Stufe wechseln müssen?

Was geschieht mit den Sekundarschullehrern, die wegen der Umstellung auf 6 Primar- und 3 Sekundarschuljahre die Stufe wechseln müssen?

Keystone

Nichts weniger als ein «historisches Dokument» nannte der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich sie vor einem Monat: die Vereinbarung zwischen Kanton, Gemeinden und Lehrern, wie mit den personalrechtlichen Konsequenzen der Bildungsharmonisierung umzugehen ist.

Im Fokus steht dabei, was mit den Sekundarschullehrern geschieht, die wegen der Umstellung auf 6 Primar- und 3 Sekundarschuljahre die Stufe wechseln müssen - insbesondere, ob sie ihre Lohnklasse behalten oder auf den Primarlehrerlohn zurückgestuft werden. Die Differenz beträgt jährlich mehrere tausend Franken.

LVB stellt Freiwilligkeit infrage

Auf Anfrage zeigt sich der Präsident des Baselbieter Lehrervereins (LVB), Christoph Straumann, diesbezüglich alles andere als zufrieden mit der Vereinbarung: «Unter diesen Bedingungen können wir den Seklehrern einen freiwilligen Wechsel in die Primarstufe nicht empfehlen.» Und Wechsel werden unumgänglich sein, auch wenn Wüthrich - wie auch bei den unvermeidbaren Kündigungen - noch keine Zahl nennen kann. Denn fest steht: 25 Prozent der Stellen auf Sekundarstufe fallen wegen des an die Primarstufe verlorenen Jahres weg - und nicht alles kann durch Frühpensionierungen oder befristete Verträge gelöst werden.

Der Wechsel in die Primarschule sei attraktiv und freiwillig, versichert Alberto Schneebeli, der Leiter Stabsstelle Bildung der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Genau das bezweifelt Straumann: «Die Seklehrer, denen gekündigt wurde, können keineswegs frei wählen, ob sie in die Primar gehen. Sie müssen aber abwägen, ob dieser Schritt nicht besser ist, als auf den Sozialplan zu vertrauen.»

Die Vereinbarung gewähre zwar Lohnbesitzstand für Wechselwillige. Doch das sei nur auf den ersten Blick attraktiv: «Das mag eine gewisse Abfederung sein, aber sicher kein gleichwertiger Ersatz.» So ist etwa der Besitzstand für Fremdsprachen-Seklehrer, die über kein Primardiplom verfügen, bloss für drei Jahre gesichert. Danach würden sie wegen des fehlenden Diploms sogar unter die Lohnklasse eines Primarlehrers fallen. Und Straumann geht zudem davon aus, dass auch Niveau-A-Seklehrer mit Primardiplom - die eigentliche Zielgruppe des Kantons - nicht unbefristet ihren Lohn behalten dürfen. «Obwohl in der Vereinbarung für sie keine Beschränkung aufgeführt ist, soll sie nach zehn Jahren auslaufen. Das steht in der vom Volk angenommenen Harmos-Vorlage, die wir damals unter anderem aus diesem Grund bekämpft haben», sagt Straumann.

Lohn der Seklehrer eingefroren

Tatsächlich rechnet der Kanton dort mit Kosten von total 4,3 Millionen Franken, wenn 50 Niveau-A-Seklehrer für zehn Primarschuljahre entschädigt werden müssen - pro Lehrer und Jahr 8700 Franken. «Dort gilt eine unbefristete Besitzstandswahrung», stellt Wüthrich nun klar. Die zehn Jahre hätten nur als Berechnungsgrundlage für den 4,3-Millionen-Verpflichtungskredit gedient. Das erstaunt Straumann, stützt er sich doch auf frühere Aussagen aus den geführten Verhandlungen. Auch dass Fremdsprachen-Seklehrer in die Primar wechseln, sei bloss als Übergangslösung vorgesehen, bis genügend Klassenlehrer weitergebildet sind, beschwichtigt Wüthrich weiter.

«Mittelfristig ist das kein gutes Angebot», sagt Straumann dennoch. Der LVB-Präsident stört sich auch daran, dass der Kanton bloss den Frankenbesitzstand gewährt. Der Lohn des Seklehrers wird also zum Zeitpunkt des Wechsels eingefroren und nimmt mit der Berufserfahrung nicht mehr zu. Wüthrich dazu: «Die Gewerkschaften fanden - wie übrigens auch in Basel-Stadt - für diese Forderung im Landrat keine Mehrheit. Ausserdem dürfte es die Regel sein, dass Seklehrpersonen auf die höhere Stufe zurück kehren können.»