Bildung
Lehrplan-21-Skeptiker werden nur teilweise befriedigt

Die definitive Fassung des Lehrplan 21 behebt einige Mängel. Doch die Baselbieter Lehrer erwarten vom Kanton mehr.

Michael Nittnaus
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Auf Primarstufe unterrichten Baselbieter Lehrer ab 2015 gemäss neuem Lehrplan, auf Sekundarstufe dauert es wohl noch bis 2018.

Auf Primarstufe unterrichten Baselbieter Lehrer ab 2015 gemäss neuem Lehrplan, auf Sekundarstufe dauert es wohl noch bis 2018.

Keystone

Bei aller Kritik am Lehrplan 21 ging etwas fast unter: Die bisherige Fassung befand sich seit längerem in Überarbeitung. Erst vergangenen Freitag verabschiedete die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) die dritte und finale Version und gab sie zur Einführung durch die Kantone frei.

Jetzt ist die Zeit also reif, darüber zu urteilen. Das Gute vorweg: Es ist von der D-EDK sogar ausdrücklich erwünscht, dass nun jeder Kanton «auf laufende kantonale Entwicklungen und unterschiedliche Bedürfnisse und Rahmenbedingungen Rücksicht nimmt». Speziell im Baselbiet wird die Bildungsdirektion gar nicht darum herumkommen, gewisse Anpassungen vorzunehmen. Zu gross ist der Druck – nicht zuletzt durch die Harmos-Ausstiegs-Initiative des Komitees Starke Schule Baselland.

Komitee Starke Schule bleibt hart

Dieses veröffentlichte auf Nachfrage der bz am Freitag eine Stellungnahme. «Das Komitee lehnt den Lehrplan 21 ab», so der trockene Schlusssatz. Die Hauptkritik: Die Grundphilosophie «Kompetenzen statt Inhalt» bliebe weiter bestehen. «Die Schüler benötigen Wissen, um Kompetenzen erfüllen zu können», schreibt Komitee-Geschäftsleiterin Saskia Olsson. Auch würden wichtige Einzelfächer nach wie vor zu Sammelfächern und damit marginalisiert. Zudem fehle es weiter an einer guten Lehrerausbildung, um diese neuen Fächer überhaupt unterrichten zu können.

Wirklich ins Detail geht das Komitee inhaltlich jedoch nicht. Bedeutend weiter ist da der Lehrerverein Baselland (LVB). Kein Wunder: «Vor rund einer Woche wurde uns die neue Version des Lehrplans bereits von der D-EDK präsentiert», sagt LVB-Geschäftsführer Michael Weiss. Sein verhalten optimistisches Fazit: «Wir sehen durchaus die Chance, dass mit dem überarbeiteten Lehrplan 21 etwas Sinnvolles gemacht werden kann, sofern man mit der Kompetenzorientierung pragmatisch umgeht.» Entscheidend sei, was den Lehrern nun diesbezüglich gelehrt würde.

Weiss plädiert dafür, die Freiheiten, die die überarbeitete Fassung bei der Bewertung der Kompetenzen einräumt, auch zu nutzen. Entgegen der Aussage des Komitees Starke Schule hat sich in diesem Bereich also durchaus etwas getan. Konkret: Die vormals starke Fixierung auf Kompetenzen statt wirklicher Wissensvermittlung wurde laut Weiss etwas relativiert. So stehe neu im Lehrplan, dass «nicht alle Kompetenzen, die im Lehrplan stehen, auch beurteilt werden müssen» und dass «Kompetenzen auf Wissen aufbauen müssen». Weiss nennt ein Beispiel: Im Geschichtsunterricht muss die Kompetenz vermittelt werden, «Ursachen und Folgen der Französischen Revolution» benennen zu können. Neu sind inhaltliche Stichworte angefügt, die das verlangte Wissen präzisieren: Ständegesellschaft, Freiheit, Gleichheit.

Kanton macht noch Anpassungen

Positiv beurteilt der LVB auch, dass die neuen Sammelfächer weiterhin getrennt von mehreren Lehrern unterrichtet werden können. Doch längst nicht alle Mängel seien behoben: Noch immer seien zum Beispiel weder die drei Leistungs-Niveaus auf Stufe Sek-I noch der Übergang vom Kindergarten in die Primarschule genügend definiert. Hier kann Weiss auf die Bildungsdirektion zählen: «Wir haben übereinstimmend erkannt, dass in beiden Fällen ergänzende Grundlagen geschaffen werden müssen», sagt Bildungsdirektor Urs Wüthrich auf Anfrage. Er zeigt sich zufrieden aber nicht euphorisch, wenn er anmerkt, dass «der Lehrplan 21 eine zweckmässige Grundlage bietet, um in Sachen Bildungsharmonisierung einen Schritt vorwärts zu kommen». Der Druck der Kantone auf die Überarbeitung habe sich gelohnt.

Weiss wünscht sich noch mehr: Etwa verbindliche Jahresziele, damit Schulkinder möglichst problemlos von einer Schule in die andere wechseln können. Solche Anpassungen kann der Baselbieter Bildungsrat noch vornehmen. Zur Enttäuschung des LVB in Stein gemeisselt sind dagegen die zwei Frühfremdsprachen. Für Weiss ist sowieso klar: «Es wird noch Jahre dauern, bis der Lehrplan 21 komplett umgesetzt ist.»