Bruderholz
Leimentaler Ärzte ringen den KSBL-Verantwortlichen ein Versprechen ab

Die Leimentaler Ärzte nehmen die Verantwortlichen des Kantonsspitals Baselland in die Pflicht: In den Bruderholzgesprächen habe die Spitalspitze beteuert, sie wolle am Standort Bruderholz festhalten.

Leif Simonsen
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Das 1973 gebaute Bruderholz-Spital soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden – eine Sanierung während des laufenden Betriebs ist zu lärmig.

Das 1973 gebaute Bruderholz-Spital soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden – eine Sanierung während des laufenden Betriebs ist zu lärmig.

Martin Töngi

Es ist ein schwerer Betonklotz, den das Kantonsspital Baselland (KSBL) auf dem Weg in die unternehmerische Freiheit angehängt bekommen hat: das Bruderholz-Spital. Nachdem das Baselbieter Stimmvolk 2012 die Verselbstständigung des Spitals beschlossen hatte, muss das KSBL nun nämlich sämtliche Infrastrukturkosten selbst stemmen. Das 1973 gebaute Bruderholz-Spital ist baufällig, eine lärmige Sanierung unter laufendem Betrieb ist den Patienten nicht zumutbar. Andere Lösungen müssen her.

Hinter den Kulissen wird nun mit Hochdruck an Alternativen gearbeitet. Zwischenzeitlich stand sogar ein Standortwechsel zur Diskussion (die bz berichtete). Als dritten KSBL-Standort neben Liestal und Laufen prüfte die Spital-Leitung verschiedene Orte im Unterbaselbiet, unter anderem das ABB-Areal zwischen Arlesheim und München- stein.

Langfristige Projekte aufgegleist

Mittlerweile scheint die KSBL-Führung aber entschlossen, am Standort Bruderholz festzuhalten. Aus einem vertraulichen Positionspapier des Ärztevereins Leimental (AeVeL) geht hervor, dass CEO Jürg Aebi und Verwaltungsratspräsident Werner Widmer in der dritten Bruderholz-Gesprächsrunde den Leimentaler Ärzten langfristige Projekte auf dem Bruderholz zugesichert haben. Neben einem intensivierten Austausch von Patienteninformationen wurden auch Projekte mit Spezial- und Grundversorgern aus dem Leimental aufgegleist. So soll beispielsweise das Belegarztsystem für Spezialisten in der Umgebung auf weitere Disziplinen ausgebaut werden oder beispielsweise Sabbaticals für Ärzte an der Klinik angeboten werden. Für den AeVeL-Präsidenten Erich Planta ist dieser langfristige Planungshorizont ein klares Bekenntnis für den Standort Bruderholz. «Wir stehen in engem Kontakt mit den Verantwortlichen, insbesondere mit dem Standortleiter Bruderholz. An der Gesprächsrunde vom 11. November 2014 wurde uns von den Herren Widmer und Aebi mehrmals versichert, dass der Standort Bruderholz ein zentrales Anliegen und ein wichtiges Standbein des KSBL sei», sagt Planta.

Landrat hat das letzte Wort

Der AeVeL-Präsident glaubt auch nicht, dass eine Aufhebung des Standorts Bruderholz von der Bevölkerung akzeptiert würde. Der Baselbieter Landrat ist sich der Brisanz des Standortentscheids bewusst und hat sich kürzlich das Mitspracherecht gesichert: Am 15. Januar lehnte er eine Initiative von Grünen-Landrätin Rahel Bänziger ab, welche die Kompetenzen des KSBL gestärkt hätte. So hätte künftig das Spital in Eigenregie über die Zukunft des Bruderholz entscheiden können.

Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre für Planta ein Standortwechsel weg vom bevölkerungsreichen Leimental nicht nachvollziehbar: «Die seit zwei Jahren zunehmende Abwanderung zu den nahen baselstädtischen Spitälern und den qualitativ hochstehenden Privatspitälern der Umgebung würde durch einen derartigen Entscheid bereits im Vorfeld abrupt und massiv zunehmen», ist sich Planta
sicher.

Bedeckt halten sich derweil der KSBL-CEO und der Verwaltungsratspräsident zum anstehenden Standortentscheid. Nachdem Aebi vor einem Monat noch in Aussicht gestellt hatte, dass es «von jetzt an rasch gehen wird, bis wir den Standortentscheid treffen», tritt er nun auf die Bremse. Der Verwaltungsrat beschäftige sich derzeit mit der langfristigen Planung über alle Standorte. «Die verschiedenen Entscheide sind Resultate eines Prozesses, der unter Berücksichtigung aller Player geführt werden muss. Für die Nachhaltigkeit dieser Entscheide ist es wichtig, dass sich der Verwaltungsrat auf der Zeitachse nicht drängen lässt.» In einem Punkt hat sich die Haltung des Verwaltungsratspräsidenten Werner Widmer allerdings nicht geändert: Eine Sanierung des 40 Jahre alten Bruderholz-Spitals dürfte vom Tisch sein. Auf Anfrage bestätigt er: Ein Neubau am Standort Bruderholz sei einer Sanierung nach wie vor «vorzuziehen».