Pratteln
Leonardo da Vinci besucht Baselland: ein Blick in seine Gedankenwelt

In der Galerie «Collection Beyeler» in Pratteln startete die Wanderausstellung «Leonardo da Vinci – Das Genie». Die Ausstellung zeigt über 100 Exponate, die auf Basis der Skizzen da Vinci nachgebaut wurden.

Nils Hänggi
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Leonardo da Vinci – Das Genie
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In der Collection Beyeler werden von Leonardo da Vinci skizzierte Maschinen gezeigt, die jetzt in die Realität umgesetzt worden sind.
Auch die Idee von einem Fallschirm hatte schon da Vinci.
Auch die Mona Lisa kann man in Pratteln bestaunen. Obwohl sie täuschend echt aussehent, sind beide eine Fälschung.
Vor ein paar Jahren tauchte die Skizze eines Velos auf. Wie sich später herausstellte, war es aber keine Skizze Da Vincis, sondern eine Fälschung.

Leonardo da Vinci – Das Genie

Roland Schmid

Leonardo da Vinci ist eine Legende. Wer kennt nicht zumindest einige seiner Schöpfungen? Da wären etwa Mona Lisa, das Abendmahl, seine anatomischen Studien und seine zahlreichen minutiös angefertigten Skizzen für verschiedene Geräte, um nur einige Werke zu nennen. In der Galerie «Collection Beyeler» in Pratteln sind alle genannten Objekte zu sehen – wenn auch nur als Nachbau oder Fälschung. Dort gastiert bis zum 27. September die Wanderausstellung «Leonardo da Vinci – Das Genie».

Heinz Schafroth hat zusammen mit seinem Kollegen Roland Gasser rund 60 nachgebaute Konstruktionen Da Vincis ins Baselbiet geholt. Auf über 1100 Quadratmetern gibt es laut Schafroth die grösste Da-Vinci-Ausstellung zu sehen, die es in der Schweiz je gab. Der Kommunikationsberater der Ausstellung, Willy Surbeck, schwärmt: «Unsere Region hat pro Kopf die grösste Wertschöpfung. Das heisst, bei uns ist auch der Anteil der Menschen am grössten, die genau so innovativ sind wie Leonardo da Vinci.»

Keine Originale in der Ausstellung

Aufgeteilt in fünf Bereiche, werden in der Ausstellung die verschiedenen Talente da Vincis beleuchtet. Die Themenbereiche Nautik, Kriegsgerätschaften, Gemälde, Fluggeräte und weitere mechanische Gerätschaften sind in zwei grossen Räumen zu sehen. Schafroth sagt: «Wir legen grossen Wert darauf, dass man manche Exponate auch anfassen darf. Das ist besonders für Kinder toll.»

Was der Ausstellung jedoch fehlt, sind Originalgeräte. Surbeck erklärt, weshalb: «Das sind alles Dinge, die nach da Vincis Skizzen nachgebaut wurden. Ob es tatsächlich Originale gibt, ist unklar.» Surbeck grinst, der Vatikan habe aber sicherlich allfällige Originale bei sich im Keller stehen.

Die nachgebauten Exponate kommen aus dem Museo di Leonardo da Vinci in Florenz. Die über 100 Exponate sind in zwei grossen Räumen verteilt. An der Decke hängen die berühmten Fluggeräte da Vincis, bei denen unklar ist, ob sie von ihm je gebaut wurden. Der skizzierte Fallschirm wurde jedoch in der Neuzeit nachkonstruiert und ausprobiert. «Der Fallschirm hat funktioniert, trotzdem hat der Springer bei 1000 Metern aus Sicherheitsgründen einen extra Fallschirm gezogen», erzählt Schafroth.

Auch tauchte vor ein paar Jahren eine Skizze auf, die bis dahin übersehen wurde, da zwei Seiten aneinanderklebten. Die Skizze war ein Plan für ein Fahrrad. «Es handelt sich jedoch um eine Fälschung. Die Zeichnung ist von viel zu kindlicher Natur», so Schafroth. Nachgebaut wurde das Velo trotzdem.

Kein Geld vom Kanton

Die Organisatoren wendeten für die Ausstellung laut eigenen Angaben insgesamt 250 000 Franken auf. «Die Unterstützung der Behörden war enttäuschend, wir haben keine Zuschüsse von der Abteilung Kultur bekommen», beklagt Schafroth. Sie hätten mit Geld seitens des Kantons gerechnet. «So mussten wir das ganze Geld vorschiessen.» Ein absoluter Glücksgriff sei deshalb Hermann Beyeler für sie gewesen.

Beyeler, Unternehmer und Besitzer der Galerie, bestätigt: «Ich stelle die Räumlichkeiten hier gratis zur Verfügung. Abgerechnet wird erst am Schluss. Sollte etwas schiefgehen, werde ich sicher nicht aufs Geld pochen.»

Ausstellung.«Leonardo da Vinci – das Genie». Galerie «Collection Beyeler». Bis 27. September. Eintritt 19 Franken (Kinder 14 Franken)

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