Hölstein
Leuenberg wird aargauisch – Reformierte müssen nachbluten

Der Poker an der Synode der Reformierten Kirche Baselland vom Donnerstag um das Tagungszentrum ob Hölstein geht zugunsten einer Hotelkette aus.

Andreas Hirsbrunner
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Die reformierte Kirche Baselland verabschiedet sich endgültig von ihrem einstigen geistigen Zentrum, dem Leuenberg.

Die reformierte Kirche Baselland verabschiedet sich endgültig von ihrem einstigen geistigen Zentrum, dem Leuenberg.

Martin Töngi

Das Ringen um eine Zukunftslösung für das Tagungszentrum auf dem Leuenberg ob Hölstein war an der Synode der Reformierten Kirche Baselland am Donnerstag ein Poker zwischen drei unterschiedlichen Parteien: Da ist einmal der Leuenberg-Verein, stark verschuldeter Besitzer des Tagungszentrums. Präsident Robert Ziegler erkämpfte sich schon an der letzten Synode von den Kirchenparlamentariern die Zusage, dass Ende 2015 nicht einfach Schluss ist mit Zahlungen der Kirche an ihr einstiges geistiges Zentrum, wie es der Kirchenrat vorschlug. Sondern dass darüber hinaus ein Türchen offen bleibt, falls es Sinn mache.

Dieses Türchen stiess mittlerweile der Leuenberg-Verein weit auf und forderte von der Kirche nochmals zwei Millionen Franken an die anstehende Renovation und die Deckung der Pensionskassen-Schuld. Das sei Voraussetzung, dass die Firma Aargauhotels.ch beim Leuenberg einsteige.

Der Kirchenrat als zweite Partei ging trotz angespannter Finanzlage zumindest ein Stück weit darauf ein und beantragte der Synode, 600'000 Franken an die Renovationskosten und 750'000 Franken zur Deckung der Hälfte der Pensionskassenschuld zu sprechen. Als Gegengeschäft wollte er eine Übernahme des Jugendhauses vom Leuenberg-Verein für einen symbolischen Franken prüfen.

Risiko nahe der Grenze höher

Als dritte Partei schliesslich ist das Unternehmen Aargauhotels.ch im Spiel, das zehn Hotels im Nachbarkanton besitzt und seit drei Jahren auch das ehemalige Tagungszentrum Rügel der aargauischen reformierten Kirche betreibt. Der Gründer und Mehrheitsaktionär dieses Unternehmens, Rolf Kaspar, gab am Donnerstag den Synodalen Einblick in seine Überlegungen. Dabei schickte er voraus, dass das Umfeld in der Gastronomie härter geworden sei und ihm pro Jahr zehn Hotels zum Kauf angeboten würden.

Zum Leuenberg meinte Kaspar: «Das Umfeld mit der nahen Industrie ist gut für ein Seminarhotel. Die Belastung ist aber wegen des Renovationsstaus und der Pensionskassenschuld gross und die Gefahr, die vom starken Franken ausgeht, höher so nahe an der Landesgrenze.» Mitbewerber jenseits des Rheins seien 50 Prozent günstiger. Positiv wertet Kaspar, dass die Leuenberg-Leitung und das Personal erhalten bleiben.

Aber gleichzeitig warnte er die Synodalen: «Das Ganze ist eine grosse Herausforderung und beim erwarteten Umsatz von 1,2 Millionen Franken wegen der Pensionskassen-Last nicht kostendeckend zu führen.» Auf Fragen der Synodalen antwortete Kaspar teils schwammig. So blieb offen, ob auf dem Leuenberg Personal abgebaut wird. Den vorhandenen Businessplan wollte der ehemalige Kirchenrat der Aargauer Reformierten nicht offenlegen.

Verunsicherung bei Synodalen

Die über einstündige Diskussion begann dann mit einem kleinen Paukenschlag: Robert Ziegler dankte zwar dem Kirchenrat für das «riesige Wohlwollen», doppelte aber mit zusätzlichen Forderungen nach: Er beantragte, dass der Leuenberg-Verein das Jugendhaus verkaufen kann. Sollte der Erlös nicht die zweite Hälfte der Pensionskassen-Lücke von 750'000 Franken füllen, solle die Kirche maximal 150'000 Franken draufzahlen.

Andernfalls, so gab Ziegler auf entsprechende Nachfragen zu verstehen, steige die Aargauhotels.ch aus dem Handel aus. Bei etlichen Synodalen machte sich eine gewisse Verunsicherung breit, und auch der etwas überrascht wirkende Kirchenrat sprach keinen Klartext. So sagte Präsident Martin Stingelin einerseits, dass der Kirchenrat das Jugendhaus ohnehin «eher nicht» übernehmen wolle und dass die Zukunft des Leuenbergs nicht an den zusätzlichen 150'000 Franken scheitern soll.

Andererseits meinte er: «Je mehr Geld wir geben, desto mehr schränken wir unsere Handlungsfähigkeit als Kantonalkirche ein.» Die Synodalen segneten schliesslich Zieglers Antrag, der die Kirche unter dem Strich 1,5 Millionen Franken sowie den Verzicht auf eine allfällige Übernahme des Jugendhauses kostet, mit 45 Ja zu 13 Nein bei 10 Enthaltungen ab.

Somit steht der skizzierten Zukunftslösung des Leuenbergs nichts mehr im Wege: Eine Betriebs-AG unter der federführenden Aargauhotels.ch und mit Beteiligung des Leuenberg-Vereins sowie des bisherigen Studienleiters pachtet und betreibt das Tagungszentrum.

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