Wochenkommentar
Lieber heute als morgen beenden – kurz und schmerzlos

Seit einer Wochen halten Neo-Autonome die Schiessanlage auf dem Allschwiler Weiher besetzt.

Thomas Dähler
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Immobilien Basel-Stadt fordert die Besetzer der Schiessanlage Allschwiler Weiher auf, das Gelände zu verlassen.

Immobilien Basel-Stadt fordert die Besetzer der Schiessanlage Allschwiler Weiher auf, das Gelände zu verlassen.

Martin Toengi

Zaffaraya war zwar gestern. Doch ein Hauch von autonomem Widerstand ist bis heute geblieben und hat gar Sympathien bei nachfolgenden Generationen von Linken gefunden. Auch wenn es eigentlich gar nichts mehr zu erstreiten gilt. Vor Wochenfrist haben selbst ernannte Neo-Autonome die Schiessanlage beim Allschwiler Weiher besetzt. Wofür, weiss niemand. Mit den Medien sprechen die jugendlichen Besetzer nicht.

Kaserne, Rote Fabrik, Reitschule: Vor einem Vierteljahrhundert haben Jugendliche den Kampf für alternative Kulturzentren aufgenommen. Heute ist die Alternativkultur in der Schweiz von einer breiten Öffentlichkeit anerkannt und zu einem guten Teil auch staatlich finanziert. Die AJZ-KämpferInnen von damals sind stolz auf das Erreichte. Und zuweilen schwärmen sie gar – etwa abends bei einem guten Rotwein an der Bar in der Basler Kaserne – in nostalgischen Gesprächen vom nicht ganz gewaltfreien Kampf für Autonomie und kulturelle Freiräume in den 80erJahren.

Ganz vorbei ist der Kampf nicht: In Bern etwa muss die rot-grüne Mehrheit in der Stadt alle paar Jahre den Weiterbestand der Reitschule in einer Volksabstimmung verteidigen, was jeweils kaum schwierig ist. Die Reitschule als Symbol des einstigen Kampfs der Autonomen hat genügend Sympathisanten. Ausserhalb der vielen und gut besuchten Kulturveranstaltungen dient die Reitschule bis heute zuweilen noch als Ausgangspunkt und Rückzugsort für politische Krawalle – etwa bei einer Anti-Wef-Demonstration oder einem G-8-Protest.

Vielerorts in der Schweiz sind die autonomen Zentren der 80er-Jahre heute die Leuchttürme einer linken Kulturszene. An einigen Orten sind die alternativen Lokale auch Tabuzonen für die Polizei geblieben. Diese traut sich dort weder Drogenrazzien durchzuführen noch gesetzliche Bestimmungen durchzusetzen, wie etwa das Rauchverbot in öffentlichen Lokalen oder das Alkoholverbot für Minderjährige.

Im Baselbiet wollte sich diese Woche niemand die Finger an der neuen Autonomen-Szene in Allschwil verbrennen. Unklar ist auch, in welchem Namen diese was fordern wollen. Dazu war bisher ausser etwas unverbindlichem Kultur-Geschwafel nichts zu vernehmen. Den Besetzern der Schiessanlage wird es indes kaum um den Schutz des kitschigen Denkmals eidgenössischer Schiesskultur gehen. Und auch nicht um konkrete Veranstaltungspläne.

Vermutlich ist es simpel: Es reizt die Lust an einer neuen Auseinandersetzung mit staatlichen Institutionen und etablierter Politik. Sollen die Neo-Autonomen doch ihren Kampf erhalten. Die Voraussetzungen hat der Stadtkanton mit einer entsprechenden Anzeige geschaffen, und professionelle Krawallmacher aus der übrigen Schweiz sind noch kaum vor Ort. Der Baselbieter Justiz ist deshalb zu empfehlen, nicht lange zuzuwarten und die Räumungsaktion kurz und schmerzlos hinter sich zu bringen. Niemand wird sich lange an das neo-autonome Revival im Baselbiet erinnern.