Acino Pharma
Liesberg bietet noch Platz für Wirtschafts-Wachstum

Der Generika-Hersteller Acino Pharma setzt auf Schwellenländer und baut im hintersten Laufental aus.

Daniel Haller
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Das Werk in Liesberg ist schon heute auf anspruchsvolle und somit wertschöpfungsintensive Produkte spezialisiert. dh

Das Werk in Liesberg ist schon heute auf anspruchsvolle und somit wertschöpfungsintensive Produkte spezialisiert. dh

Daniel Haller

Die im Oktober erworbene ukrainische Pharma Start ist der neueste Zukauf der Acino Pharma AG aus Aesch. «Wir sind das erste westliche Unternehmen, das seit den Maidan-Unruhen in diesem Umfang in der Ukraine investiert», berichtet Acino-Sprecherin Ulrike Seminati.

Die Ukraine sei typisch für Acino: Der Generika-Hersteller konzentriert sich auf Märkte, die grossen Konkurrenten der Branche zu klein oder auf denen die Verhältnisse zu schwierig sind. «Als relativ kleines Unternehmen haben wir nicht die Ressourcen, einen grossen Markt wie beispielsweise Brasilien zu erobern», erklärt Seminati.

Ein Medikament unter der Marke «Acino» wird man in Europa und selbst in der Schweiz vergeblich suchen. Dabei ist Swissness das entscheidende Verkaufsargument, um den Mittelschichten im Nahen Osten, in Afrika, Lateinamerika und in den GUS-Staaten Medikamente unter der Marke «Acino Switzerland» zu verkaufen.

Hingegen ist auch in Europa Arznei erhältlich, die auf Acino-Anlagen in Liesberg oder in Aesch für andere Generikamarken produziert wurde: Rund die Hälfte des Umsatzes macht Acino Pharma mit der Produktion für andere Firmen.

Dabei ist man in Liesberg spezialisiert auf komplexe Produkte wie zum Beispiel einen Blutdrucksenker, für den man zuerst kleinste Zuckerkügelchen mit dem Wirkstoff beschichtet. Darauf kommt ein Lack, der dafür sorgt, dass der Wirkstoff nur langsam, aber kontinuierlich abgegeben wird. Diese Pellets werden dann so zu Tabletten gepresst, dass diese Verzögerungsschicht nicht beschädigt wird. Und schliesslich wird die ganze Tablette noch einmal lackiert.

Eine Branche der Übernahmen

Eine weitere Acino-Spezialität sind Pflaster, die den Wirkstoff durch die Haut abgeben. Diese werden im bayrischen Miesbach produziert, wo Acino 2006 eine darauf spezialisierte Firma übernahm.

Acinos Wachstumsstrategie stützt sich stark auf Akquisitionen, da auch bei Generika die Medikamenten-Zulassung ein aufwendiges Verfahren erfordert. So hat Acino mit dem Kauf der ukrainischen Pharma Start ihr bisheriges Portfolio von rund 50 Produkten um 35 weitere Medikamente ergänzt. Und als die israelische Teva die Mepha kaufte, übernahm Acino die Mepha-Aktivitäten in Schwellenländern, die für Teva uninteressant waren: Vor allem im Nahen Osten lassen sich keine Produkte von Firmen mit israelischen Eignern verkaufen. So kam der vormalige Mepha-Standort Dornacherstrasse in Aesch in den Besitz von Acino.

Diese Akquisition belastete jedoch die damals an der Börse kotierte Acino. Die Aktionäre verweigerten aber eine Kapitalaufstockung, und so wurde Acino selbst im Dezember 2013 von Avista Capital Partners und Nordic Capital übernommen und von der Börse zurückgezogen.

Liesberg wird massiv ausgebaut

Die neuen Privatinvestoren bauen nun kräftig aus und um:

Der Hauptsitz wird – für ein Pharma-Unternehmen eher überraschend – von Aesch nach Zürich verlegt. Seminati nennt dafür zwei Gründe: Einerseits seien die typischen Acino-Märkte vom Flughafen Zürich aus direkt erreichbar, von Basel aus hingegen nicht. Zweitens benötige man für die Akquisitions-Strategie vor allem Finanz- und Vertriebskompetenzen, die man im Zürcher Talentpool eher zu finden hofft als im Life-Sciences-Cluster der Region Basel. «Mit der Produktion in engerem Zusammenhang stehende Funktionen bleiben aber hier.» Nach Zürich würden nur 50 Jobs verlegt.

Der heutige Standort Dornacherstrasse in Aesch wird bis 2018/19 aufgegeben. «Das Gebäudedesign ist für Pharma-Produktion ungünstig und es gibt keinen Platz für Expansion», begründet Seminati diesen Schritt. In Aesch bleiben dagegen die 90 Arbeitsplätze in der Verpackungsabteilung am Pfeffingerring. Diese wird für zirka zwei Millionen Euro ausgebaut.

Es ist geplant, die heutige Produktion des Werks Dornacherstrasse, Forschung und Entwicklung sowie die Funktionen, die nicht nach Zürich verlegt werden – über 250 Arbeitsplätze – in das bestehende Werk in Liesberg umzuziehen. Dieses wird für 25 bis 30 Millionen Euro erweitert. Produktionsleiter Christophe Dohr plant, die dortige Produktion von heute 1,4 Milliarden Einheiten – Tabletten, Kapseln etc. – auf drei Milliarden zu steigern.

Drei Jahre lang umziehen

Der Umzug werde rund drei Jahre in Anspruch nehmen. «Kompliziert ist nicht die physische Verlegung des Werks, sondern das Ummelden des Produktionsstandorts bei den Zulassungsbehörden in allen Ländern, in denen die Medikamente verkauft werden», erläutert Seminati. Da dieser Prozess sehr aufwendig sei, bestehe ein grosses Interesse, diese hinterher weiterhin in Liesberg zu produzieren. Der Umzug auf die mehr oder weniger grüne Wiese ist somit als definitiver Schritt geplant.

Etwas Kopfzerbrechen bereitet Acino dabei die Erreichbarkeit im hinteren Laufental: Liesberg ist mit dem öffentlichen Verkehr nur schlecht erschlossen, die Arbeitswege werden somit lang. «Wir werden abklären, ob die S-Bahn nicht den Bahnhof Liesberg bedienen könnte», erklärt Seminati.

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