Liestal
Liestal Air trumpft mit einem internationalen Line-Up auf

In einer Schlafstadt wie Liestal ein Festival zu lancieren, ist nicht ganz einfach. Das Liestal Air ist beim Gestadeckplatz schon am dritten Ort angelangt, nachdem man im Stedtli angefangen hatte und später auch den Zeughausplatz räumen musste.

Leif Simonsen
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Rund 2000 Besucher lockte das Liestal Air im vergangenen Jahr an – am 23. Juni sollen es noch mehr werden. Nicole Nars-Zimmer

Rund 2000 Besucher lockte das Liestal Air im vergangenen Jahr an – am 23. Juni sollen es noch mehr werden. Nicole Nars-Zimmer

«Hier am Gestadeckplatz aber gefällt es uns», sagt Marc Allenspach, der das Festival Liestal Air schon zum sechsten Mal mitorganisiert. Zurück in die Rathausgasse wäre sowieso keine Option. Denn langsam aber stetig sind die Zuschauerzahlen gestiegen.

Anfangs, als der Event vor sieben Jahren noch zusammen mit den Kinderkonzerten durchgeführt wurde, kamen etwas über 400 Zuschauer. Im letzten Jahr waren es bereits über 2000, die sich vor die Bühne drängten.

Alle an Bord holen

Heute darf Allenspach stolz sein, Sponsoring-Chef des grössten Baselbieter Open Airs zu sein. Eines der Rezepte ist, sich wenig Feinde zu schaffen. «Wir werden auch in dieser siebten Ausgabe am 23. Juni kein Spartenfestival sein», sagt Allenspach. Auch er weiss, dass man in Liestal alle an Bord holen muss, um erfolgreich zu sein: «In der Vergangenheit hatten wir aber kaum Probleme mit Anwohnern», beteuert er. Eher hätte man sich mit den Betreibern anliegender Restaurants in die Haare gekriegt.

Dass mit dem Liestaler Stadtrat Lukas Ott der Open-Air-Präsident politischen Einfluss habe, entbinde den Verein vor dem üblichen administrativen Aufwand nicht. «Es schadet gewiss nicht, weil er weiss, worauf man achten muss. Aber den ganzen Bewilligungskram müssen auch wir erledigen», stellt Allenspach klar.

Grenzen sind bald erreicht

Wachsendes Festival, wachsendes Budget, wachsende Ansprüche: Das Liestal Air hat mittlerweile ein Budget im sechsstelligen Bereich. In diesem Jahr konnte zudem erstmals eine internationale Formation verpflichtet werden: Naturally 7, eine siebenköpfige Acapella-Band aus New York, steht an der Spitze des Line-Ups. Daneben kann das Liestal Air auch mit regionalen Grössen verschiedenster Musikrichtungen aufwarten: Eurovision-Songcontest-Teilnehmerin Anna Rossinelli, Mundartrapper Greis oder die aufstrebenden Liestaler Lokalmatadoren We Invented Paris.

Für die Organisatoren ist dieses Aufgebot der vorläufige Höhepunkt in der siebenjährigen Festivalgeschichte. Zugleich wissen sie, dass die Grenzen bald erreicht sein werden. «Wir sind kein Wald- und Wiesefestival, das jederzeit den Platz ausbauen kann», sagt Marc Allenspach. Die Kapazität auf dem Gestadeckplatz ist beschränkt. Bei rund 2500 Zuschauern ist die Grenze erreicht.

Nachwuchs ist gesucht

Zu wachsen sei aber nicht das grösste Ziel der Organisatoren, die sich allesamt ehrenamtlich für den Event engagieren. Aber über allfällige Expansionsmöglichkeiten werden sich ohnehin nicht die heutigen Organisatoren den Kopf zerbrechen müssen. «Wir wollen langsam aber sicher den Stab an Jüngere übergeben», kündet Allenspach an. Er selber ist mittlerweile 39-jährig und kann sich gut vorstellen, demnächst kürzerzutreten. Aber, wie es im Stedtli so ist, gestaltet sich die Suche nach Nachwuchs nicht allzu leicht. «Es eilt aber auch nicht», beruhigt Allenspach.

Bevor sich die Organisatoren um die eigenen Nachfolger kümmern müssen, steht allerdings noch der Event vom 23. Juni an. Denn auch Allenspach ist nicht zu alt, als dass ihn das Kribbeln vor der Türöffnung nicht befallen würde. «Für mich ist immer noch ein absoluter Höhepunkt, wenn die Türen aufgehen und die Leute auf den Platz strömen», verrät er.