Liestal
Die Rampe soll flacher werden: Ist das Problem der Schwieri-Passerelle somit gelöst?

Die SBB zeigen nach den Einsprachen aus dem Schwieri-Quartier ihre überarbeiteten Pläne für den Neubau der Passerelle in einer Vor-Einsicht.

Kelly Spielmann
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Die Passerelle wurde Ende Mai abgebaut.

Die Passerelle wurde Ende Mai abgebaut.

Eva Oberli

18 Prozent sollte die Steigung der Rampe betragen, die in einigen Jahren zur neuen Schwieri-Passerelle in Liestal führen soll. So war es 2017 vorgesehen, als die SBB die Neubaupläne 2017 als Teil des Vierspurausbaus vorgestellt hatten. Doch 23 Anwohnerinnen und Anwohner des Schwieri-Quartiers wehrten sich mit einer Sammeleinsprache.

Am Mittwoch nun erhielten die Schwieri-Bewohner Vor-Einsicht in die überarbeiteten Pläne der SBB. Es handelt sich nicht um definitive Dokumente. «Änderungen sind im Rahmen der Vorprüfung des BAVs noch möglich», betont SBB-Mediensprecher Martin Meier.

Meier nennt das Vorgehen, die Pläne bereits so früh öffentlich zu machen, aussergewöhnlich:

«Das ist ein Entgegenkommen des Bundesamtes für Verkehr»,

betont er. Am Donnerstag durften auch Medien die neuen Pläne besichtigen.

Das eigentliche Problem ist nicht gelöst

Viel geändert hat sich dabei nicht. Westlich der Schienen, Richtung Oristal, bleibt der Plan der SBB gleich. Nur die Rampe, die auf Stedtli-Seite zur Passerelle führen wird, sieht neu aus: Aus der 2017 vorgesehenen 18-Prozent-Steigung wurden zehn Prozent, die gesamte Rampe wird dadurch um rund 20 Meter auf ungefähr 50 Meter verlängert.

In der Sammeleinsprache von 2017 wurde ebendiese Steigung bemängelt. Der ebenerdige Fussgänger-Bahnübergang mit Barriere wird im Frühling 2022 ersatzlos gestrichen, weil mit dem Vierspurausbau das Gleisfeld doppelt so breit wird, was zu gefährlich wäre. So gebe es für Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen keine Option mehr, die Gleise zu überqueren – für behinderte Fussgänger sei eine Steigung von lediglich sechs Prozent zumutbar, argumentierte die Schwieri-Gruppe damals. Dieses Problem scheint mit dem neuen SBB-Vorschlag also nicht gelöst.

Das BAV widerspricht:

«Eine Steigung von zehn Prozent ist für den Grossteil der mobilitätseingeschränkten Personen zu bewältigen»,

sagt Mediensprecher Michael Müller auf Anfrage. Er verweist auf die Ausführungsbestimmungen der Eisenbahnverordnung. Bei einem Niveauunterschied von über 1,5 Metern dürfe die Steigung maximal zehn Prozent betragen, heisst es in dieser.

Auf diese Steigung haben sich die SBB und das BAV denn auch geeinigt: «Im November 2019 gab es einen Infoanlass, in dem wir den Anwohnern alle Optionen gezeigt haben, die bei der Planung in Frage kamen», berichtet Josef Lientscher, Projektleiter des Vierspurausbaus. Danach habe man neue Pläne verfasst und die Rampe mit einer sechsprozentigen Steigung beim BAV im Juli 2020 eingereicht – «das wurde aber nicht angenommen», so Lientscher. Die Rampe wäre so «um einiges länger» geworden. Der Mittelweg: Zehn Prozent.

Der Knackpunkt liegt aber am anderen Ende der Passerelle: Die Längsneigung der Gartenstrasse bleibt aufgrund der Topografie und der engen Platzverhältnisse nahezu unverändert. Das macht es für Menschen im Rollstuhl trotz der angepassten Rampe am Stedtli-Ende schwierig, die Passerelle zu nutzen. «Alternativrouten via Seltisbergerbrücke oder die Bahnhofunterführung stehen zur Verfügung», sagt Michael Müller.

Bei den Anwohnern dürften die Meinungen auseinandergehen, wie es auf Anfrage der bz bei der Schwieri-Gruppe heisst. Diese hat die Einsprache damals eingereicht. «Die Steigung und die Verkehrssituation an der Gartenstrasse werden ja nicht besser», schreibt die Gruppe. Es seien auch noch nicht alle Mitglieder dazu gekommen, die Pläne zu sehen.

Auch der Umweg sorgt für Ärger

Doch die Steigung und der Bahnübergang ist nicht das einzige Problem, an dem sich die Anwohnerinnen und Anwohner gestört haben. Die Passerelle wurde im Mai abgerissen, bis der Neubau steht, müssen Anwohner des Quartiers einen Umweg machen. Der provisorische Weg führt direkt an den Gleisen vorbei – und diesen Weg müssen Schulkinder noch eine Weile unter die Füsse nehmen. Denn als Best-Case-Szenario nennt Projektleiter Josef Lientscher die Fertigstellung des neuen Übergangs im Sommer 2023.

In einem Postulat wurde im Liestaler Einwohnerrat gefordert, bessere Lösungen für die Bauzeit zu finden. Der Stadtrat klärte die Möglichkeit einer provisorischen Passerelle ab, dies sei jedoch keine Option, so die SBB. Lientscher: «Das wäre ein so grosses Projekt, dass es selber eine Bewilligung bräuchte. Das würde fast gleich lange dauern, wie eine komplett neue Passerelle.» Das Postulat wurde im Einwohnerrat als erledigt abgeschrieben.