Liestal
Liestal erhält neues Zentrum für Radioonkologie

Der Radioonkologe Beat Amsler expandiert nach Liestal. An der Erzenbergstrasse 51 seine zweite Praxis für Radioonkologie. Das Claraspital und das Universitätsspital Basel reagieren relativ gelassen. Den Bedarf bezweifeln sie.

Rolf Zenklusen
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Im Mai geht an der Erzenbergstrasse 51 in Liestal die modernste Bestrahlungsmaschine der Region in Betrieb.

Im Mai geht an der Erzenbergstrasse 51 in Liestal die modernste Bestrahlungsmaschine der Region in Betrieb.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Acht Jahre nach der Eröffnung des Ärztehauses Allschwil baut Amsler an der Erzenbergstrasse 51 seine zweite Praxis für Radioonkologie. Die Eröffnung soll bereits im Mai erfolgen.

«Wie in Allschwil bieten wir in Liestal primär Strahlentherapie an», sagt Amsler. Seine neue Praxis rüstet er mit dem aktuell modernsten Linearbeschleuniger aus.

Damit seien – erstmals in der Region – hochpräzise Rotationsbestrahlungen unter Bildkontrolle möglich. Und das innert fünf Minuten. Mit anderen Maschinen würde dies 30 bis 60 Minuten dauern, sagt Amsler. «Für gewisse Tumore, die nicht operiert werden können, erlaubt die neue Maschine eine extrem schonende Behandlung des umliegenden Gewebes trotz gezielter Zerstörung des Tumors.»

Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Liestal (KSL) baut Amsler damit aus. Dank des neuen Radioonkologie-Zentrums müssten stationäre Patienten aus dem KSL, aber auch ambulante Patienten aus dem oberen Baselbiet nicht mehr nach Allschwil fahren. «Das ist für alle Beteiligten eine Erleichterung und spart auch Kosten.»

Eine Mengenausweitung oder nicht?

Bedeutet das neue Zentrum also keine Mengenausweitung und damit höhere Krankenkassenprämien? Amsler: «In der Strahlentherapie gibt es grundsätzlich keine Mengenausweitung, da nur bestrahlt wird, wenn Patienten Tumore haben.»

Tumore würden in erster Linie durch die Überalterung entstehen, die im oberen Baselbiet stetig zunehme. Im Vergleich zu neuen Chemotherapien sei die Bestrahlung eine sehr effektive und kostengünstige Therapie, führt Amsler weiter aus.

Dank der Expansion nach Liestal werde das Ärztehaus Allschwil etwas entlastet. Dies erlaube, die Behandlungssicherheit bei einem Geräteunterbruch zu erhöhen.

Insgesamt investiert Amsler in Liestal rund 16 Millionen Franken. Zum Projekt gehören auch zwölf Wohnungen für das KSL. Längerfristig will Amsler in Liestal acht bis zehn Vollzeitstellen anbieten.

Wie in Allschwil sollen auch in Liestal einige Ausbildungsplätze für medizin-technische Radiologieassistenten (MTRA) geschaffen werden.

Braucht es ein neues Zentrum?

Peter Eichenberger, Direktor im Basler Claraspital, zweifelt daran, ob die Eröffnung eines zusätzlichen Radioonkologie-Zentrums wirklich nötig ist. «Doch wir sorgen uns nicht wegen der neuen Konkurrenz.»

Erstens bediene das Onkologiezentrum des Claraspitals nur schätzungsweise zehn Prozent Patienten aus dem Raum Liestal und oberes Baselbiet. Und zweitens geniesse das Onkologiezentrum des Claraspitals einen hervorragenden Ruf, sagt Eichenberger.

Auch das Universitätsspital Basel (UHBS) fürchtet die Konkurrenz nicht, wie Sprecher Andreas Bitterlin erklärt: «Fachlich ist unser Angebot wesentlich breiter und spezifischer, da wir mit neun Fachärzten Spezialisten für jede Tumorart anbieten.»

Der Anteil von Tumor-Patienten aus dem Baselbiet bewege sich am UHBS in einem «mittleren zweistelligen Prozentbereich». Als Amsler 1993 das Ärztehaus Allschwil eröffnete, habe es noch Engpässe gegeben, erinnert sich Bitterlin. Inzwischen sei das nicht mehr der Fall. Die Onkologie-Klinik am UHBS sei zu 95 Prozent ausgelastet.

Ob der Markt genug hergibt für ein neues Radioonkologie-Zentrum, lässt der Sprecher offen: «Für uns ist wesentlich, dass wir aus qualitativen Gründen unsere Patientenzahl halten.» Eine Reduktion der Kapazitäten hätte negative Konsequenzen für die studentische und fachärztliche Ausbildung. Diese werde in der Region in der momentanen Breite und Qualität nur vom UHBS angeboten.