Uni Standort
Liestal gibt sich nicht geschlagen – Unmut über Regierungsentscheid zugunsten des Dreispitz wächst

Zwei Ereignisse von dieser Woche, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, lassen einen Standort der Universität Basel in Liestal wieder realer erscheinen. Da ist einmal die politische Manifestation in Form eines Beschlusses des Liestaler Einwohnerrats vom Mittwoch.

Andreas Hirsbrunner
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Es wird eng: Zu den rund 800 Kunststudenten gesellen sich in zehn Jahren auf dem Dreispitzareal auch 2800 Wirtschafts- und Jusstudenten. (Visualisierung)
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Das Dreispitz-Areal: Hier, an der Grenze zur Stadt, soll die Uni in Münchenstein Standorte für Juristen und Wirtschaftler erhalten.
Wir sind Uni
Gleich sechs Regierungsräte aus beiden Basel informierten über die Neuerungen.
(vlnr.) Anton Lauber, Isaac Reber, Monica Gschwind, Elisabeth Ackermann, Eva Herzog und Conradin Cramer
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Auch die Kulturpauschale wurde neu ausgehandelt, unter anderem erhält auch das Haus der elektronischen Künste auf dem Dreispitz-Areal Baselbieter Geld.
Das Nordende des Dreispitz ist auch in Transformation: Dort sollen weitere Hochhäuser zu stehen kommen.

Es wird eng: Zu den rund 800 Kunststudenten gesellen sich in zehn Jahren auf dem Dreispitzareal auch 2800 Wirtschafts- und Jusstudenten. (Visualisierung)

zvg

CVP-Ratsmitglied Stefan Fraefel hatte im Vorfeld ein Postulat unter dem Titel «Keine Universität am Dreispitz – neue Chance für Liestal?» eingereicht. Damit spielte er auf einen bz-Artikel von Mitte Mai an. Dieser machte erstmals öffentlich, dass das im Evaluationsprozess von Uni und Kanton Baselland auf dem Dreispitz auf Münchensteiner Boden angedachte und gegenüber Liestal bevorzugte Areal nicht zur Verfügung steht. Stattdessen ist mittlerweile eine Industriebrache ganz im Süden des Dreispitz bei der Motorfahrzeugkontrolle in den Vordergrund gerückt, die vom öV weit schlechter erschlossen ist.

Darauf verwies auch Postulant Fraefel in der Einwohnerratsdebatte und hinterfragte die Seriosität der regierungsrätlichen Standortabklärungen vom letzten Jahr mit einer gehörigen Portion Humor: «Barcelona geht nicht, dann halt Madrid, das ist ja auch in Italien.» Fraefels Vorstoss, dass zu prüfen sei, ob die Planung für einen Uni-Standort Liestal wieder aufgenommen und wie die Stadt bei Regierung und Uni vorstellig werden könnte, überwies der Rat mit allen gegen eine Stimme an den Stadtrat.

Konkretes Projekt versus Idee

Und beim Stadtrat stehen die Türen für das Anliegen weit offen, denn Stadtpräsident Daniel Spinnler (FDP) signalisierte schon zu Beginn der Debatte: «Selbstverständlich nehmen wir das Postulat entgegen. Liestal ist der richtige Uni-Standort im Baselbiet.» Gegenüber der bz ergänzt Spinnler, dass die Regierung offenbar Unterschiedliches miteinander verglichen habe. Auf der einen Seite das von der Stadt zusammen mit den SBB – auf deren Land käme der Uni-Campus vor allem zu stehen – konkret durchgerechnete Liestaler Projekt, auf der andern Seite «die Idee» Dreispitz in Münchenstein. Aber das könne er nicht überprüfen, weil die Regierung die Evaluationsstudie nicht herausrücke.

Daniel Spinnler, Liestaler Stadtpräsident

Daniel Spinnler, Liestaler Stadtpräsident

zVg/Roland Schmid

Zum weiteren Vorgehen sagt Spinnler, dass der Stadtrat nun zuerst die Regierungsantwort auf die von Landrat Thomas Noack (SP) eingereichte Interpellation abwarte. Aber es dränge sich immer mehr die Frage in den Vordergrund, welche Rolle Liestal als Hauptstadt in diesem Kanton überhaupt spielen soll; nach der abgelehnten Fusion mit Basel sowieso.

Unbehagen macht sich auch bei andern Liestalern breit. So redete die SP-Fraktionssprecherin im Liestaler Einwohnerrat, Pascale Meschberger, ab Montag auch Landrätin, von einem «Trauerspiel». Und der Liestaler Land- und Einwohnerrat Thomas Eugster (FDP) meinte gegenüber der bz: «Bei der Standortstudie ist offensichtlich nicht tief genug abgeklärt worden. Das ist nachzuholen.»

Tatsächlich wird derzeit weiter abgeklärt, aber nicht so, wie sich das die Liestaler wünschen. Matthias Geering, Leiter Kommunikation der Universität Basel, sagt: «Die beiden Regierungen haben sich für den Dreispitz entschieden. Jetzt klärt eine Arbeitsgruppe die Vor- und Nachteile der mehreren möglichen Standorte auf dem Dreispitz ab.» Die Arbeitsgruppe setze sich aus Vertretern von Uni und Christoph Merian Stiftung zusammen. Nicht äussern zum Thema will sich die Baselbieter Bildungsdirektorin und Unirätin Monica Gschwind.

Züge fahren im Tram-Takt

Das zweite Ereignis, das diese Woche einem Uni-Standort in Liestal Aufwind verlieh, war der SBB-Spatenstich für Vierspurausbau und Wendegleis der SBB vom Montag. Das Wendegleis käme nur wenige Meter vom Uni-Campus zu liegen und verhilft Liestal ab 2025 zu einem Viertelstunden-Takt mit der S-Bahn nach Basel. Dazu kommen noch drei Schnellzugsverbindungen pro Stunde. Dichter fahren selbst die Trams im städtischen Umfeld kaum. Darauf verweist auch Stadtpräsident Spinnler: «Wir sind bestens mit der Bahn erschlossen. Im Dreispitz sind Verkehrsprobleme programmiert.»