Liestal
Liestal ist für Velofahrer wahrlich kein Paradies

Pro Velo wies auf einer Rundfahrt auf die Schwachstellen im Stedtli hin und zeigte, dass Velofahrer im Kantonshauptort gefährlich leben. Die kantonale Verwaltung blieb der Rundfahrt fern – aus Kostengründen.

Andreas Hirsbrunner
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Liestals Stadtpräsident Lukas Ott (vorne) lässt beim Ortstermin nicht alle Vorwürfe von Pro Velo gelten. HI

Liestals Stadtpräsident Lukas Ott (vorne) lässt beim Ortstermin nicht alle Vorwürfe von Pro Velo gelten. HI

«Die Rosenstrasse ist die gefährlichste Strecke für Velofahrer in Liestal.» Dieser Aussage einer Velofahrerin wollte an der von Pro Velo Liestal organisierten Rundfahrt zu sieben Schwachstellen in Liestals Velonetz niemand widersprechen. Erstaunlich: Obwohl die Velotour an einem Sonntagmorgen stattfand, nahmen zwei Dutzend Velofahrer teil, darunter fünf Einwohnerräte und Stadtpräsident Lukas Ott, was ein Hinweis für den hohen Stellenwert der Problematik ist. Erstaunlich aber auch das Fernbleiben der kantonalen Verwaltung. Laut Einwohnerratspräsident Gerhard Schafroth, der zusätzlich zur schriftlichen Einladung noch persönlich nachstiess, will der Kanton am Sonntag aus Kostengründen keine Leute aufbieten.

Zuerst bauen, dann zählen

So konnte sich die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) auch nicht rechtfertigen, als sie am Pranger stand. Und das stand sie mehrmals; so etwa bei der Bahnunterführung der Oristalstrasse: Diese eben erst sanierte Kantonsstrasse weist einen Velostreifen in Richtung Oristal auf, nicht aber auf die Gegenseite. Bei der Strassenerneuerung seien die Veloanliegen fast unters Eis geraten, und Pro Velo habe noch diesen einen Velostreifen «als halbwegs akzeptable Lösung» erreichen können, sagte Marc Gusewski, der als Leiter von Pro Velo Liestal durch den Anlass führte. In die Gegenrichtung sei ein Velostreifen aus Platzgründen nicht möglich gewesen.

Doch jetzt führe der Kanton eine Zählung der die Unterführung passierenden Velos und Fussgänger durch, um allenfalls die Priorität zu ändern und das eine Trottoir für Velos zu öffnen. Nach der Zählung sei eine Besprechung mit BUD-Vorsteherin Sabine Pegoraro geplant, ergänzte Schafroth und meinte: «Der Kanton hat ein Präjudiz geschaffen. Eine Änderung kostet wieder Geld und das ist unschön.» Der Eindruck, dass Velowege bei Planungen ein Aschenbrödel-Dasein fristen, zog sich wie ein roter Faden durch die Velorundfahrt. Beispiel Ziegelhof: Bei der jetzigen Planauflage fehlt die in Aussicht gestellte Abbiegeinsel für Velofahrer auf der Gerberstrasse in Richtung Meyer-Wiggli-Strasse und die Veloverbindung vom künftigen Einkaufscenter in Richtung Elektra Baselland. Beispiel Rosenstrasse: Hier hat die Stadt Liestal bei der neu gestalteten Kreuzung beim Werkhof in Richtung Gitterli zwar einen Velostreifen und einen vorgezogenen Stoppsack bei der Ampel für Velofahrer geschaffen, wie Gusewski lobte. Aber bei der Weiterfahrt löst sich der Velostreifen nach einigen Metern im Nichts auf, und die Velofahrer müssen sich «nicht ganz ungefährlich» wieder in den übrigen Verkehr einfädeln, wie ein Teilnehmer unter allgemeiner Zustimmung anmerkte.

Es braucht den H2-Anschluss

Nicht auf sich sitzen lassen wollte Lukas Ott dagegen den Vorwurf von Pro Velo, Liestal würde die drei Jahre alte Schwachstellenanalyse Radrouten nur sehr zögerlich umsetzen. Über die Hälfte der 33 von einem externen Fachbüro ausgemachten Schwachstellen seien angegangen worden, sagte Ott, gestand aber ein: «Wir haben eindeutig Handlungsbedarf, um die Veloverbindungen zu Schulhäusern, Sportstätten, Bahnhof und Stedtli sicherer zu machen. Das hat der Stadtrat erkannt.» Die jetzige Situation an der Rosenstrasse sei sehr unbefriedigend. Es brauche unbedingt den Zentrumsanschluss Gasstrasse an die H2, um die Rosenstrasse vom Verkehr zu entlasten und für die Velofahrer zu entschärfen, so Ott.