Platznot
Liestal kämpft für den Erhalt der Zollschule

Zollverwaltung prüft Verlegung der Zollschule nach Interlaken. Doch die Regierung hörte zum ersten Mal von solchen Absichten. Der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott zeigt wichtige Gründe, für den Erhalt der Schule in Liestal.

Andreas Hirsbrunner
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Die Ausbildung von Zöllnern hat in Liestal eine lange Tradition.

Die Ausbildung von Zöllnern hat in Liestal eine lange Tradition.

Kenneth Nars

Kaum ist die Zukunft Liestals als militärischer Ausbildungsplatz gesichert, gerät die zweite eidgenössische Ausbildungsstätte im Kantonshauptort ins Wanken: SP-Landrat Andreas Giger fragt in einer Interpellation, die er heute einreicht, ob die Regierung von den Plänen der Zollverwaltung wisse, das Ausbildungszentrum in Liestal nach Interlaken zu verlegen. Nun, wir können die Antwort vorweg nehmen: Die Regierung weiss nichts davon, denn selbst Sicherheitsdirektor Isaak Reber hörte gestern aufgrund der bz-Nachfrage erstmals von solchen Absichten.

Aber Gigers Vorstoss ist nicht aus der Luft gegriffen. Derzeit prüfe die Geschäftsleitung der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), wo die Grundausbildung von Grenzwächtern und zivilen Zollfachleuten in Zukunft am besten aufgehoben sei, sagt deren Mediensprecher Attila Lardori. Dabei sind Liestals Karten nicht die besten. Denn Martin Catelli, Betriebsleiter des EZV-Ausbildungszentrums in Liestal – im Volksmund Zollschule genannt – fügt an: «Wir platzen hier in Liestal aus allen Nähten.» Schon heute fänden deshalb verschiedene Ausbildungsmodule wie das Fahrtraining oder Sicherheits- und Interventionstechniken auf dem ehemaligen Militärflugplatz Interlaken statt. Andere Ausbildungselemente lagere man ins Coop-Ausbildungszentrum nach Muttenz aus, was aber teuer sei. Und auch der Schiesskeller sei total ausgelastet.

Ausbau im nächsten Frühling

Laut Catelli werden in der Zollschule in Liestal während 50 Wochen im Jahr 160 bis 180 Grenzwächter und zivile Zollfachleute ausgebildet, die dann vor allem bei der Handelswarenabfertigung an Strassenzollämtern sowie am Rheinhafen und in Flughäfen zum Einsatz kommen. Für den Betrieb der Zollschule sind 24 Mitarbeiter beschäftigt. Allerdings hat Interlaken das Rennen um die Zollschule noch lange nicht gewonnen, denn das dortige Projekt käme auf die Grössenordnung von 80 Millionen Franken zu stehen und muss noch einige verwaltungsinterne Hürden nehmen. In den nächsten zehn Jahren bleibe Liestal deshalb sicher noch Ausbildungsstätte, sagt Catelli.

Und Catelli weiter: «Um die Platzprobleme zu mindern, haben wir ein Projekt am Laufen. Wir wollen auf nächsten April Unterkunfts- und Ausbildungsräume in Form von Modulbauten aufstellen.» Eine vor ein paar Jahren erarbeitete Machbarkeitsstudie für einen Ausbau der Zollschule in Liestal sei wegen der hohen Kosten zurückgestellt worden. Zudem wäre ein Teil der Ausbauten in die nahe Grundwasserschutzzone zu stehen gekommen.

Das Pumpwerk Gitterli mit seiner Grundwasserschutzzone sei wie ein Damoklesschwert über der Zollschule gestanden, und er begreife die Zollverwaltung, dass sie sich nach alternativen Standorten umgesehen habe, sagt Liestals Stadtpräsident Lukas Ott – und schiebt nach: «Aber jetzt ist klar, dass Liestal unter anderem ein neues Pumpwerk evaluiert, weil die Konzession des Pumpwerks Gitterli Ende 2017 ausläuft und nicht verlängert werden kann. Deshalb kann die Zollschule in Liestal ausbauen.»

Liestal sucht nach Verbesserung

Für Ott, der bestens über die Pläne der Zollverwaltung informiert ist, gibt es wichtige Gründe, dass das einzige Zoll-Ausbildungszentrum der Schweiz in Liestal bleibt. So sei für den Zollkreis Basel, der nicht zufällig der Kreis Nummer eins sei und eine wichtige Rolle innerhalb der Zollverwaltung spiele, die Nähe zur Ausbildungsstätte von Bedeutung. Für die Auszubildenden sei die Grenznähe und der Praxisbezug wichtig. Zudem sei Liestal besser erreichbar als das Berner Oberland. Ott will aber den Entscheidungsprozess nicht nur von aussen mitverfolgen, sondern aktiv eingreifen: «Wir werden alles daransetzen, dass wir die Zollschule, die uns zusammen mit dem Militär eine überregionale Ausstrahlung gibt, in Liestal halten können. Wir werden nun zusammen mit der Polizei und dem Militär vertieft abklären, ob man gemeinsam optimierte Ausbildungsvoraussetzungen schaffen kann.» Im Vordergrund stehe dabei die Ausbildung beim Schiessen und bei der Personenkontrolle.

Die Zollschule hat in Liestal eine lange Tradition: 1933 fand zum ersten Mal eine Grenzwachtrekrutenschule in der Kaserne statt. Weil das Nebeneinander von Militär und Grenzwacht aber nicht befriedigte, baute Liestal den Automobilschuppen auf dem Gitterli in eine Grenzwachtkaserne um. 1981 wurde dann das heutige Ausbildungszentrum in Anwesenheit von Bundesrat Willy Ritschard eingeweiht.