Kursbestätigung
Liestal will Kontinuität – und keinen SVP-Stadtrat

Die Liestaler sind zufrieden mit ihrer Stadtregierung. Das zeigten sie gestern an der Urne mit einer klaren Wiederwahl der erneut antretenden Stadträte. Nur der SVP-Politiker Beat Gränicher bekam eine Abfuhr.

Andreas Hirsbrunner
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Die Liestaler Regierung (von l.): Daniel Muri, Regula Nebiker, Präsident Lukas Ott, Daniel Spinnler und Franz Kaufmann.

Die Liestaler Regierung (von l.): Daniel Muri, Regula Nebiker, Präsident Lukas Ott, Daniel Spinnler und Franz Kaufmann.

Martin Toengi

Die Liestaler sind zufrieden mit ihrer Stadtregierung. Das zeigten sie gestern an der Urne mit einer klaren Wiederwahl der erneut antretenden Stadträte. Das Spitzenresultat machte dabei wie schon vor vier Jahren Stadtpräsident Lukas Ott (Grüne) mit 2614 Stimmen, dicht gefolgt von seinem Stellvertreter Franz Kaufmann (SP) mit 2587 Stimmen. Den Triumph der rot-grünen Mehrheit vervollständigte Regula Nebiker (SP) auf dem dritten Platz mit 2368 Stimmen. Wie erwartet keine Probleme, seine zurücktretende Parteikollegin Marion Schafroth zu ersetzen, hatte der neue Daniel Spinnler (FDP) mit 2301 Stimmen. Und auch das Resultat des parteilosen Daniel Muri mit 2253 Stimmen passte zur kompakten Wiederwahl der Bisherigen: Ott und Muri auf Platz eins und fünf trennen nur gerade 361 Stimmen.

Die Überraschung folgte auf Platz sechs in der Person von Beat Gränicher (SVP), wobei die eigentliche Überraschung nicht seine Nichtwahl, sondern sein schlechtes Resultat ist: Gränicher erhielt mit 1154 Stimmen etwas mehr als die Hälfte von Muri. Ein sichtlich enttäuschter Gränicher meinte gestern dazu: «Dieses Resultat ist schlecht, ich habe mich nicht als Aussenseiter gesehen. Die blödsinnige Durchsetzungsinitiative meiner Partei hat mir geschadet.» Gegen diese Interpretation spricht allerdings, dass Gränicher bei den Einwohnerratswahlen ein sehr gutes Resultat erzielte und die SVP dort einen Sitz dazugewann.

Ott hat keine Konkurrenten

Wahrscheinlicher ist, dass Gränicher seine Passivität im Wahlkampf – ein Herausforderer muss mehr zeigen als die Bisherigen – geschadet hat und der Wähler zum Schluss kam, dass der an und für sich beliebte Gränicher nicht wirklich Stadtrat werden wollte. Und offensichtlich sahen die Liestaler auch keinen Grund, die parteipolitische Zusammensetzung im Stadtrat zu ändern. Dazu Lukas Ott: «Ich sehe das Resultat als Votum für Stabilität und als Aufforderung, die begonnene Bewegung in den Dossiers Bahnhof, Post und Rathausstrasse auch ins Ziel zu bringen.» Und Ott spricht auch von einem Vertrauensbeweis, denn schliesslich sei bis heute noch «keine Schaufel Dreck» am Bahnhof bewegt worden. Ott ist aber auch froh, dass mit den Freisinnigen die stärkste bürgerliche Fraktion weiterhin in den Stadtrat eingebunden ist.

Spinnler selbst freute sich «riesig» über sein Resultat und meinte: «Ich bin sehr motiviert für meinen Einsatz als Stadtrat.» Am liebsten würde er das frei werdende Departement Sicherheit und Soziales übernehmen, denn hier könne er als – nun zurücktretender – Feuerwehr-Kadermann Erfahrung einbringen. Spinnler, derzeit im Einwohnerrat noch Präsident der Finanzkommission, will das Augenmerk im Stadtrat aber auch auf die Finanzen legen: «Die Verschuldung darf in Liestal nicht über 50 Millionen steigen, das ist eine rote Linie.» Aktuell bewege sie sich um 30 Millionen Franken, aber der Entwicklungsplan sehe schon für 2019 56 Millionen vor.

Gefreut hat sich gestern aber auch Daniel Muri, dessen Wiederwahl nicht so sicher war: «Ich habe aufgrund der vielen positiven Feedbacks aus der Bevölkerung nicht wirklich daran gezweifelt, aber als Kandidat zittert man immer ein bisschen.» Für eine kleine Überraschung sorgten die 1528 Stimmen für andere. Ott erklärte sich diese hohe Zahl mit einer Vermischung mit den Bürgerratswahlen bei etlichen Wählern; die Stimmbeteiligung betrug gestern 61,2 Prozent.

Keine Wellen wird in Liestal die Kür des Stadtpräsidenten werfen: Lukas Ott ist unbestritten. Weder sein Vize Franz Kaufmann noch Daniel Spinnler – die FDP hat früher das Stadtpräsidium abonniert – haben Ambitionen.

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