Ziegelhof-Areal
Liestal wird wieder Brauereistandort – Unser Bier expandiert ins Baselbiet

Die Basler Brauerei Unser Bier baut auf dem Ziegelhof-Areal für 1,5 Millionen Franken eine neue Spezialitätenbrauerei.

Andreas Hirsbrunner
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Unser Bier wird neu auch auf dem Ziegelhofareal produziert

Unser Bier wird neu auch auf dem Ziegelhofareal produziert

Unser Bier

Nach dem Aus für die Baselbieter Brauerei in Ziefen und die Brauerei Farnsburg in Sissach kommt für einmal eine Positivnachricht von der regionalen Bierfront: Die Basler Bierbrauerei Unser Bier expandiert nach Liestal. Und zwar nicht irgendwohin in der Baselbieter Kantonshauptstadt, sondern auf das in Sachen Bier geschichtsträchtige Areal Ziegelhof unmittelbar am Rand der Altstadt.

Dort will Unser Bier 1,5 Millionen Franken in eine Anlage investieren, mit der vorerst rund 1'000 Hektoliter Bier pro Jahr produziert werden können, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Der Betrieb soll im Dezember dieses Jahres aufgenommen werden. Grund der Expansion ist, dass Unser Bier an seinem angestammten Standort im Gundeldinger Feld in Basel an seine Grenzen stösst. Verwaltungsratspräsident Fabian Wetter erklärt: «Wir brauen in Basel jährlich über 6'000 Hektoliter der Kategorien Standardbiere, saisonale Biere sowie Bierspezialitäten und Raritäten. Die beiden letzten Kategorien müssen wir immer wieder zugunsten der andern zurückfahren, weil wir hier zu wenig Platz haben.»

Innovativster Braubereich kommt nach Liestal

Da man aber auf dem Gundeldinger Feld nicht ausbauen könne, habe man nach einem zweiten Standort gesucht. Dabei sei Liestal im Vordergrund gestanden, weil das obere Baselbiet für Unser Bier weitgehend ein weisser Flecken auf der Landkarte sei. Man sei früher auch mit der Baselbieter und später mit der Farnsburger Brauerei in Übernahmeverhandlungen gestanden, aber die Parameter hätten nicht gestimmt, so Wetter. Für eine Expansion ins Baselbiet spreche auch, dass rund die Hälfte der 10'000 Aktionäre im Landkanton wohne.

Fabian Wetter, VR-Präsident Unser Bier: «In Liestal gibt es Bierraritäten für Freaks.»

Fabian Wetter, VR-Präsident Unser Bier: «In Liestal gibt es Bierraritäten für Freaks.»

Kenneth Nars

In Liestal will sich Unser Bier nun auf den innovativsten Teil des Braugeschäfts konzentrieren. Vor allem die Bierraritäten, die im oberen Preissegment angesiedelt sind, haben es in sich. Diese teils dunklen, starken Biere werden in Eichenfässern gelagert, in denen zuvor Whisky, Rum oder Wein war, und mit Hopfen angereichert. Wetter: «Das ist spannend für den Brauer und gibt Bierraritäten für Freaks.» Und er fügt bei: «Wir sind ein Grossbrauer unter den Kleinbrauereien. Die Anlage in Liestal gibt uns die Chance für Experimente im trendigen Craft-Bereich.» Apropos Grosse und Kleine: Laut Wetter gibt es in der Schweiz über 1'200 Brauereien. Unser Bier stehe von der Produktionsmenge her auf dem 21. Platz. Grösster einheimischer Brauer sei die Appenzeller Bier auf dem dritten Platz; obenaus schwingen die beiden internationalen Konzerne Heineken und Carlsberg.

«Unsere Investition ist auch ein Zeichen dafür, dass die Coronakrise irgendwann fertig ist»

Das «Pünktli auf dem i» bei der Expansion nach Liestal ist für Wetter, dass nebst den Brauanlagen auch noch ein Brennhafen geplant ist, auf dem unter anderem Whisky mit der Würze von Unser Bier gebrannt werden soll. Die Baueingabe für die Umbauten des ehemaligen Ziegelhof-Auslieferlagers umfasst denn auch einen solchen Brennhafen. Welche Destillerie hier einsteigen will, möchte Wetter nicht verraten. Nur so viel: Es gebe mehrere Optionen.

Daniel Spinnler, Liestaler Stadtpräsident: «Ich bin glücklich, dass wir wieder eigenes Bier trinken können.»

Daniel Spinnler, Liestaler Stadtpräsident: «Ich bin glücklich, dass wir wieder eigenes Bier trinken können.»

Juri Junkov

Der Verwaltungsratspräsident macht auch noch auf einen ganz andern Aspekt aufmerksam: «Unsere Investition ist auch ein Zeichen dafür, dass die Coronakrise irgendwann fertig ist.» Würde Unser Bier nämlich die Zahlen von 2020 als Entscheidungsgrundlage nehmen, hätte nicht Optimismus obsiegt: Der Umsatz sackte coronabedingt um 25 Prozent ein.

Für «Wimmelbild» reichen zwei Ankermieter

Auch der Liestaler Stadtpräsident Daniel Spinnler freut sich über den Coup von Unser Bier. Er sagt: «Die neue Brauerei trägt einen wichtigen Teil zur Genussstadt Liestal bei, und ich bin glücklich, dass wir in Liestal bald wieder eigenes Bier trinken können.» Auf die Frage, ob aus nachträglicher Sicht das Scheitern des geplanten Einkaufscenters auf dem Ziegelhof-Areal nicht fast schon positiv zu werten sei, meint der Stadtpräsident: «Das ist hypothetisch. Natürlich steht der Detailhandel unter Druck, aber ein Einkaufscenter hier hätte auch funktioniert. Unter dem Strich ist die Entwicklung, so wie sie heute ist, jedoch sehr gut für Liestal.» Eine Brauanlage in dieser Grössenordnung auf dem ehemaligen Areal der Brauerei Ziegelhof sei schon ein starkes Zeichen mit symbolischer Wirkung.

«Das ist für mich die Erfüllung eines Traums und hilft, alte Baustrukturen zu erhalten»

Derzeit ist der neue Quartierplan, der im Gegensatz zum Vorgänger vier Fünftel der Gebäude stehen lassen will, im Mitwirkungsverfahren. Die Köpfe dahinter sind Barbara Buser und Eric Honegger von Denkstatt. Sie erhielten vom Eigentümer vor fünf Jahren den Auftrag, das brachliegende Ziegelhof-Areal zu entwickeln. Buser sagt zur neusten Entwicklung: «Das ist für mich die Erfüllung eines Traums und hilft, alte Baustrukturen zu erhalten.» Als sie das Ziegelhof-Mandat übernommen habe, sei ihre erste Idee gewesen, hier wieder eine Brauerei anzusiedeln. «Mit der Baselbieter Brauerei klappte es nicht, und das Stedtli-Bier, das hier gebraut wird, entspricht nicht ganz dem Massstab, den ich mir vorgestellt habe.»

Barbara Buser, Ziegelhof-Arealentwicklerin: «Das ist für mich die Erfüllung eines Traums.»

Barbara Buser, Ziegelhof-Arealentwicklerin: «Das ist für mich die Erfüllung eines Traums.»

Juri Junkov

Für Buser ist die neue Brauerei nebst der Kletterhalle der zweite Anker auf dem Areal. Mehr solche Anker brauche es nicht, denn die restlichen Gebäude seien mit Kleingewerbe belegt. Dazu Buser: «Ich bin Verfechterin eines ‹Wimmelbildes› mit vielen Kleinen. Das macht ein Areal lebendiger und krisenresistenter als ein paar wenige Grosse.»